Freiheit – was ist das eigentlich?

Von Vereinsmitglied G. John

Seit dem Corona-Lock-Down ist viel von Freiheit die Rede gewesen. Jetzt aktuell wieder, da wir wieder Mund-Nasen-Schutzmasken tragen sollen.

Freiheit – was ist das eigentlich?

Im Wörterbuch steht dazu: „Zustand, in dem jemand frei von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen unabhängig ist und sich in seinen Entscheidungen nicht eingeschränkt fühlt.“

Libertas, die Freiheit. Bereits die alten Griechen und Römer haben dies als höchstes Gut gesehen, danach die Dignitas, die Würde – heute bekannt durch den Namen einer Vereinigung, die sich für (menschen-)würdiges Sterben in Freiheit, also nach freiem Willem einsetzt. Doch das ist ein anderes Thema.

Hier soll es um den Begriff Freiheit gehen.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“, so steht es in der Bundesdeutschen Hymne und eingeprägt an den Rändern bundesdeutscher 2-Euro-Münzen. Es ist dem Kampfruf -  der französischen Revolution entlehnt: Liberté, Égalité, Fraternité, wobei die Franzosen die Freiheit an erste Stelle setzten, dann die Gleichheit aller Menschen und letztendlich die Brüderlichkeit.
Besonders gilt seit dieser Zeit die körperliche Freiheit – eben dass niemand einen anderen Menschen besitzen oder seine körperliche Freiheit einschränken darf.

Ausnahme ist bis heute der von einem Gericht verfügte „Freiheitsentzug“ – obschon, auch das stimmt nicht ganz, denn: Jeder „Amtsarzt“ kann die Wegsperrung eines Menschen verfügen, wenn er oder sie der Meinung ist, dass jemand andere oder sich selbst gefährden könnte; – Wohlgemerkt im Konjunktiv! Die Meinung einer Person ist ausreichend, einen Menschen für 48 Stunden seiner sämtlichen verfassungsmäßig garantierten bürgerlichen Rechte zu berauben. Erst nach 48 Stunden ist für die Fortsetzung ein richterlicher Beschluss erforderlich.

Recht auf Freiheit?

Früher waren grundsätzlich Frauen und Kinder rechtlich „unmündig“. Kinder wurden als „Sachbesitz“ definiert, was im deutschen Sprachgebrauch bis heute besteht, denn „DAS Kind“ ist sächlich, besonders „DAS Mädchen“ im Gegensatz zu „DER Junge“.
Ich erinnere: Diskriminierung fängt im Kopf und im Sprachgebrauch an.
Frauen erhielten ihre „Freiheiten“ erst im Verlauf des letzten Jahrhunderts. In Deutschland benötigte eine Frau bis in die 1970er-Jahre gesetzlich die schriftliche Erlaubnis ihres Mannes, wenn sie eine Arbeitsanstellung annehmen wollte.

Freiheit!

Sind wir frei? Wer ist frei?

Frei von persönlichen oder gesellschaftlichen Zwängen oder Lasten – wer ist das?

Wir haben den Zwang oder die Last, unsere Arbeitskraft gegen Geld zu verkaufen, um in unserer Gesellschaft zu (über-)leben. Wir haben den Zwang, Steuern zu zahlen, selbst wenn wir von den Annehmlichkeiten unserer Zivilisation nicht partizipieren möchten. Das ist das propagierte, kaum hinterfragte Anliegen der „Freibürger“.

In unserer Gesellschaft geht Solidarität über die persönliche Freiheit.
In diesem Sinne auch das Zitat des Monats August „Nicht der Gedanke, sondern die Verantwortungsbereitschaft ist der Ursprung der Tat.“
Verantwortungsbereitschaft in Coronazeiten bedeutet auch andere zu schützen, selbst wenn wir ein wenig mehr schwitzen oder ein paar Fusseln in den Mund bekommen!
Ich habe meinen Mund-Nasen-Schutz mit der Aufschrift "4 U", for you - für Dich, versehen, um zu verdeutlichen, dass mit der NMS-Maske ich zwar nicht mich, wohl aber andere schützen kann.

Nicht der Einzelne entscheidet über seine (Handlungs-)Freiheit, sondern die Herrschaft des Volkes (Demos Kratos = Demokratie)

„Demokratie ist Lumperie“, sagte noch mein Großvater (1901 -1967). Nach den chaotischen Erfahrungen mit der Weimarer Republik und dem Schrecken des totalitären Nationalsozialismus, fand er die Bestimmung durch einen monarchistischen Herrscher besser – konnte man ihn, sollte etwas schiefgehen, dafür als verantwortlich zeichnen.
Bequem!
Man selbst ist Verantwortung(s)-los!

„In der Verantwortung sein“ bezeichnet ja bereits, sich selbst einem Zwang zu unterziehen. Verantwortung, der ich mich durch meine eigenen Überlegungen meine, unterwerfen zu müssen. – Der kategorische Imperativ!
Meine Unterwerfung der selbst angenommenen Verantwortung gegenüber der Familie, den Kollegen, der Gesellschaft macht mich unfrei.

Der Mensch ist nicht mehr frei, seitdem er sich entschloss, mit anderen zusammen zu leben, denn jedes Zusammenleben erfordert Kompromisse und somit persönliche Einschränkungen.

Bedingt haben wir definierte Rechte, die wir als Freiheiten empfinden und bezeichnen. Freiheiten, die in Diktaturen, Oligarchien und ähnlich totalitären Gesellschaften nicht gewährt werden: Presse- und Meinungsfreiheit, Freiheit unsere politischen Vertreter zu wählen, freie Wahl unseres Berufes (sofern es Arbeitsplätze gibt) und viele Rechte mehr.
Die Freiheit, über unsere Gesundheit und unser Leben zu entscheiden – upps –
DAS ja nun grad nicht – oder nur bedingt!
Es ist ein Witz, dass das „Recht auf Leben (…und körperliche Unversehrtheit)“ ein Grundrecht ist. Es ist weniger Recht als Pflicht, denn ein Recht zu sterben haben wir nicht. Und wo bleibt das Recht auf körperliche Unversehrtheit, wenn wir todkrank sind und mit aller Macht am Leben gehalten werden? Nach langem gerichtlichen Streit haben wir heute die Möglichkeit einer sogenannten Patientenverfügung. Hierin können wir über lebenserhaltende Maßnahmen für uns selbst entscheiden. Die freie Entscheidung, nicht mehr leben zu wollen, haben wir noch immer nicht außer durch gewaltsamen (rechtswidrigen) Suizid.

Wir haben das Recht auf freie Ausübung unseres Glaubens, sofern er sich mit den Moralvorstellungen unserer Gesellschaft vereinbaren lässt. (So bspw. nicht bei der Schächtung!) – Ist DAS unsere Freiheit?

Ist ein Bekenntnis zu einem Glauben überhaupt Freiheit, oder ist es Unterwerfung?
In unseren Glaubensbekenntnissen unterwerfen wir unsere Freiheit den Bestimmungen unserer Religionen.

Die einzige noch existierende absolute Monarchie in Europa ist übrigens der Vatikanstaat…

Bei Immanuel Kant heißt es: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“

Ist Freiheit also relativ?!

Was bedeutet Freiheit für Dich?

Uwe hat hierzu bereits etwas geschrieben:
„Martin Luther schrieb 1520 seine berühmte Schrift Von der ´Freiheit eines Christenmenschen`.
Die Kernaussage ist: ´Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.`
Diese an sich paradoxe Formulierung ist eine sehr gute Zusammenfassung der lutherschen Rechtfertigungslehre. Das Evangelium macht den Menschen frei von allen Gesetzen, Werken und irdischen Autoritäten in der Sorge um seine Seligkeit; es macht ihn frei zum Dienst am Nächsten, frei zur Liebe an den Nächsten.“

Auf weitere Antworten freue ich mich - gerne auf WhatsApp „HAPAX-Diskussion“!

Wer die WhatsApp-Gruppe HAPAX-Diskussion noch nicht kennt: Wir hatten hier, besonders in der Corona-Lockdown-Zeit, netten und regen Gedankenaustausch unter unseren Mitgliedern zu verschiedenen, auch tagesaktuellen, Themen.
Außerdem gibt es via „HAPAX-Info“ eine kurze Benachrichtigung sobald es Neues auf unserer Homepage gibt.
Wer in der HAPAX-WhatsApp-Gruppe auch dabei sein möchte, sende mir bitte eine kurze Nachricht J Immer herzlich willkommen!

Einen freiheitlichen Gruß (nicht politisch gemeint!) ;-)

John