Rassismus

Von G.John, Vereinsmitglied

Vorwort:

Selten war ein Artikel so oft ergänzt und korrigiert. Das Thema ist aktuell und bedingt es von vielen Seiten beleuchtet zu werden. Herzlichen Dank für die Anregungen und Kritiken unseres Redaktionsteams. Es wurde quasi so zu einer Gemeinschaftsarbeit.

Rassismus

Eine Rasse ist eine durch Züchtung entstandene Lebensform in der Tierwelt.
In unserem Sprachgebrauch fand dieses Wort durch die so genannten Rassentheorien im 19. Jahrhundert auch Anwendung auf Menschen. Sie wurden durch die Wissenschaft bis heute widerlegt. Das Wort Rasse in Bezug auf Menschen ist also falsch.

In Deutschland gibt es Bestrebungen, das Wort Rasse aus der Verfassung zu streichen, denn hier steht „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“
Das Wort Rasse soll durch das Wort Ethnie, also der gesellschaftlichen Zusammengehörigkeit oder Art / Herkunft, also der Zusammengehörigkeit von Völkergruppen gleicher körperlicher Merkmale ersetzt werden.
Wenn das Wort Rasse keinen Bezug mehr auf Menschen haben soll, müssen auch Worte wie Rassismus und Antirassismus einen Ersatz finden, z. B. Diskriminierung.
Dieses Wort werde ich ersetzend in meinem weiteren Text nutzen.

Warum ist eine Änderung des Gebrauchs des Wortes „Rasse“ notwendig?

Diskriminierung findet im Kopf statt und wird durch Sprachgebrauch verbreitet.

Seit den 1970er Jahren haben wir uns Stück für Stück Worte wie Neger, Kanaken, Hottentotten, Zigeuner, Zwerge, Liliputaner, Krüppel und ähnliche abgewöhnt. Auch die Industrie und Werbung tragen dem Rechnung. So gibt es heute weder Negerküsse noch Zigeunerschnitzel. Sicherlich sind die „Schwedenbomben“ zu hinterfragen, ist es doch eine Assoziation zur Belagerung Wiens durch die Schweden im 17. Jahrhundert. Ebenso Bezeichnungen wie „Windische“ für die slowenische Minderheit in Österreich und „Piefke“ für Deutsche. Das Wort polarisiert. Einige finden es herabwürdigend, andere empfinden es als liebevolle Frotzelei. Das Wort geht auf eine Fernsehreihe „Die Piefke-Saga“ zurück, in der die oft als großspurig und wichtigtuerisch empfundene Art Deutscher, aber auch die als tumb dargestellten Tiroler auf bissig-humoristische Art aufs Korn genommen werden. Auch die Bürger der ehemaligen DDR kennen eine solche Einstufung und nannten die Westdeutschen, die oft die DDR-Bürger von oben herab behandelten, als „Besser-Wessis“. Das missinterpretierte „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“ ist tatsächlich bis heute noch in (zu) vielen Köpfen.
Die Beschimpfung als Kanake ist besonders widersinnig, bedeutet das Wort doch „Mensch“.

Diskriminierung ist keinesfalls ein „weißes“ Phänomen, es gibt sie in allen Ethnien, Religionen und Ländern – und jeder gegen jeden. Besonders die Diskriminierung wider Frauen ist in fast allen Ländern und Religionen zu finden. Besonders auffällig im Islam und in der katholischen Kirche.

Diskriminierung findet im Kopf statt – und treibt manch seltene Blüte.

So ist das deutsche Wort Fräulein mittlerweile verpönt. Eine im Besonderen junge, unverheiratete Frau im romanischen oder englischen Sprachraum wäre empört, wenn man sie nicht als Signorita, Mademoiselle oder Miss ansprechen würde. Im Deutschen gab es übrigens mal das männliche Pendant Junker. Im korrekten Sprachgebrauch ist das Pendant von Dame „Herr“, von Mann „Frau“. Die logische Anrede für eine Frau müsste also eigentlich „Dame“ sein, wie für die Männer „Herr“ üblich ist. Es heißt ja auch "Sehr geehrte Damen und Herren" und nicht "Sehr geehrte Frauen und Männer". Ich werde das in Zukunft genauso machen. Ohne Witz – ab sofort heißt es bei mir "Sehr geehrte Dame XY"! Diskriminierung von Frauen gehört besonders in Österreich leider zum Alltag. So wurde eine Vorgängerin von mir als General Manager in Tirol am Stammtisch nur als „das Mädchen“ bezeichnet, trotz abgeschlossenem Studiums und vieljähriger Praxis.

Aber auch in unserem tagtäglichen Umfeld gibt es noch immer unsägliche Diskriminierungen, unter denen Menschen leiden, die unsere Nachbarn sind.

In meiner Nachbarschaft gibt es etliche ungarisch- und slowenischstämmige Familien.
Während die hellhäutigen Ausländer wie Slowenen, Ungarn und Deutsche akzeptiert werden, ist der Kontakt zu der einen Familie recht unterschiedlich. Erst gestern kam es zu einer Hilfeaktion wegen einer von den Kindern (schwarz) verlorenen Drohne in einem Baum. Ein Nachbar lästerte vom Balkon aus, einige schauten neugierig und drei halfen aktiv. Einer brachte eine Leiter, einer eine Teleskopstange und ein Dritter eine Astsäge. Zusammen befreiten wir zur Freude der Kinder die Drohne. Die Mutter bedankte sich überschwänglich. Wir wiegelten ab und sagten, das wäre doch unter Nachbarn selbstverständlich. Sie schlug die Augen nieder und sagte mit leiser Stimme: „Nein!“

Dieses leise Nein bohrte sich tief in mein Herz. Auch ihr Sohn erfährt unter Gleichaltrigen in der Grundschule und auf dem Spielplatz Diskriminierung. Nicht von allen aber doch von einigen.

Diskriminierung fängt im Kopf an und das meist in dem der Eltern.

Es ist schwierig, Worte zu finden, die nicht verletzend und diskriminierend empfunden werden (siehe Piefke). Der Begriff „Farbige“ wird auch nicht gerne gehört. Ist, wer andere als „Farbige“ bezeichnet, selbst „farblos“?
Als „politisch korrekt“ wird von uns zur Zeit der Zusatz „…afrikanischer Herkunft“ empfunden – Aber – upps – haben wir nicht in der Schule gelernt, dass der Homo sapiens seinen Ursprung auf dem afrikanischen Kontinent hatte, wir also alle Menschen afrikanischer Herkunft sind?! In Jahrmillionen hat sich der Körper des Homo sapiens den verschiedenen Umweltbedingungen angepasst, unterschiedliche Körperstrukturen, besonders im Gesicht und bei der Hautfarbe entwickelt.

Selbst nennen sich Menschen afrikanischer Herkunft häufig „Schwarze“ und vielleicht ist eine Unterscheidung auf Grund der Hautfarbe gut. Wir müssen uns nur davon verabschieden, uns selbst als „Weiße“ zu bezeichnen. Die Bezeichnung „Weiße“ stammt aus der Zeit, als man sich Unmengen von Puder ins Gesicht schmierte, statt sich zu waschen. In den meisten Augen andersfarbiger Menschen sind wir rosa und nicht weiß! Kleine Kinder wissen es und malen Menschen rosa aus J Meine Nachbarin mit den schwarzen Kindern schaute erstaunt wegen „rosa“ und musste dann zustimmend herzhaft lachen.

Da hätten wir also schwarze, braune, rote, gelbe, oliv- und rosafarbene Menschen in jedem Staat dieser Welt.
Zwischenschattierungen wie Latte macchiato oder Mocca wären des Guten zu viel und die echten Roten liegen eigentlich in der prallen Sonne auf Mallorca.

„Alle Menschen sind unabhängig von ihrer Hautfarbe oder Religion vor dem Gesetz gleich und haben gleiche Rechte“. Es ist traurig, dies explizit erwähnen zu müssen. Es sollte eigentlich heißen:
Alle Menschen haben gleiche Rechte – Punkt –

Schlusswort:

„Diskriminierung findet im Kopf statt.“
Im Laufe des Schreibens dieses Artikels wurde mir immer mehr bewusst, wie sich auch in meinem Sprachgebrauch, wenn auch unbewusst, diskriminierendes Wortgut manifestiert hat.
„Es ist halt so üblich…“, „Man sagt so…“, „So ist der Sprachgebrauch…“
Ich habe mich bisher einfach daran gehalten, ohne es zu hinterfragen.

Dazu bin ich nicht mehr bereit.
Ab sofort räume ich damit auf – zuallererst in meinem eigenen Kopf…