Jüdischer Exodus 1947 via Österreich

von G. John, Vereinsmitglied

Die dunklen Jahre der anti-jüdischen Politik nach dem 2. Weltkrieg

Im Jänner 2020 habe ich in meinem Artikel „Schuld – ohne Sühne“ bereits über die zweifelhafte Rolle Englands im Umgang mit Juden und das Schiff Exodus geschrieben. Auch in Österreich wurde ein Stück dieser Geschichte mitgeschrieben, denn hier kam es 1947 zum
„Jüdischen Exodus über die Tauern“

England führte Krieg gegen Hitler-Deutschland und konnte es zusammen mit den alliierten Amerikanern und Sowjets bezwingen. Die Sowjets waren im Jänner 1945 die ersten Befreier von KZs in Deutschland, es folgten die KZs in den amerikanischen und englischen Kampfzonen. (Nein, ich habe die Franzosen nicht vergessen. Sie kamen nach Kriegsende, hoben den Finger und meinten, eigentlich haben wir doch auch gewonnen und wollen bitte auch ein Stück Deutschland…)

Obschon sie die durchlebten Gräuel der überlebenden Juden kannten, taten sie alles, um eine Einwanderung jüdischer Menschen, selbst von Kindern, in die Machtbereiche des Commonwealth zu verhindern.

Der Krieg endete mit 15 Millionen Flüchtlingen, darunter zwei- bis zweieinhalb Millionen Juden, die in ihren Heimatländern nicht mehr aufgenommen wurden...!
Wer Verwandte in Amerika hatte, wollte nach Amerika, aber mehr als eine Million Juden zog es nach Palästina. Bis zum Frühjahr 1947 konnten gegen den Willen Englands durch die jüdische Fluchthilfeorganisation „Bricha“  etwa 100.000 Juden mit Ziel Palästina über die französische Zone nach Italien gebracht werden. Die Franzosen hatten sie durchziehen lassen, obwohl die Engländer wiederholt interveniert hatten, sie sollen die Transporte stoppen. Schließlich wurde Frankreich von England genötigt, die Grenzen zu schließen.

Marko Feingold, ein Fluchthelfer der Bricha bemerkte, dass die Krimmler Tauern, die an Italien grenzen, zur amerikanischen Besatzungszone gehörten.

In den Monaten Juli bis Ende September 1947 hat ein organisierter Exodus von fast sechstausend Jüdinnen und Juden über die Krimmler Tauern stattgefunden. Er ging von dem englischen Internierungslager „Givat Avoda“ für „Displaced Persons“ in Saalfelden nach Krimml und von dort über den Tauernpass hinunter ins Südtiroler Ahrntal.

Auf der UNO-Vollversammlung in New York 1947 sollte darüber abgestimmt werden, ob in Palästina ein jüdischer Staat geschaffen werden soll. Die Engländer wollten keine Juden in Palästina haben und den Zuzug unterbinden.

Viktor Knopf, ein Flüchtling aus Breslau/Wrocław (heute Polen) hatte die illegale Leitung der Organisation für das Lager Saalfelden übernommen und fungierte als Bergführer. Um elf Uhr nachts kamen vier, fünf Fahrer mit ihren Lkws und luden je dreißig Leute auf. Auf Grund der schlechten Straßenlage kam man nur langsam vorwärts und so dauerte eine solche Fahrt nach Krimml bis drei oder vier Uhr früh. Von dort aus ging es zu Fuß weiter hoch zum Tauernhaus, weiter bis auf die italienische Seite ins Ahrntal. Von hier führte der Transport meist mit Bussen und der Bahn weiter nach Meran und von dort aus hinaus in die Welt. Mindestens dreimal pro Woche fanden diese Massenwanderungen statt, meist nachts.

Mit der Ausrufung des Staates Israel Ende 1947 wurde die Fluchthilfe beendet.

Einige Flüchtlingsschiffe, ähnlich dem wohl bekanntesten, der „Exodus“, wurden im Mittelmeer von den Engländern aufgegriffen, teilweise sogar beschossen und die jüdischen Flüchtlinge nach Zypern in ein Internierungslager gebracht.

Englische Lager wie in Saalfelden gab es noch bis 1950 - 1952.

Informationsquelle: u.a. Interview von 2017 mit dem damals 104-jährigen Marko Feingold in juedischesecho.at