2017-12 Die Erklärung "Nie wieder"

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Dezember 2017!

Wir gratulieren unseren beiden Vereinsmitgliedern Gerhard Pleschberger und Kurt Udermann, denn beide haben ein Buch herausgegeben. Ihre Bücher von 2017 könnt Ihr bei ihnen oder im Buchhandel kaufen und stehen auch in unserer Bonhoeffer-Bibliothek.

Pleschberger, Gerhard: Ich warte. Weihnachtliches von Gerhard Pleschberger. Gedanken, Geschichten und Gebetgedichte in Mundart und Hochsprache, Villach 2017. Gerhard präsentierte sein Buch am 26. Oktober 2017 in der ev. Kirche Bad Kleinkirchheim.

Udermann, Kurt: Neuer Wein gehört in neue Schläuche. Mit dem Wort Gottes durchs Leben. Gedanken zu den Sonn- und Feiertagsevangelien im Jahreskreis B, Glödnitz 2017. Kurt präsentierte sein Buch am 21. November 2017 in der Buchhandlung Breschan in Feldkirchen/Ktn. Er hat auch schon 2016 ein Buch herausgegeben: Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Predigten zu den Evangelien im Jahreskreis A.

Gemeinsame Erklärung „Nie wieder“ – Offener Brief an den Nationalrat

Die konstituierende Sitzung des im Oktober 2017 neu gewählten Nationalrates am Donnerstag, 9. November 2017, fällt auf den 79. Jahrestag der vom NS-Regime inszenierten Novemberpogrome von 1938.

Vor diesem Hintergrund haben der kath. Kardinal Christoph Schönborn, der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis gemeinsam mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, eine Erklärung mit dem Titel „Nie wieder“ veröffentlicht.

In der Erklärung, die in einem offenen Brief den neuen Nationalratsabgeordneten übermittelt wurde, plädieren die Unterzeichnenden für ein Eintreten gegen wiederaufkeimende rassistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen.

Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war es im gesamten deutschen Machtbereich zu organisierten Ausschreitungen gegen Juden und jüdische Einrichtungen gekommen.

Viele Jüdinnen und Juden wurden ermordet oder verschleppt, hunderte Synagogen und Gebetshäuser sowie tausende jüdische Geschäfte zerstört.

Die Erklärung „Nie wieder“

„Die konstituierende Sitzung des neugewählten österreichischen Nationalrats fällt auf den 9. November. Es ist ein Tag der schmerzlichen und bitteren Erinnerung an die vom nationalsozialistischen Regime im Jahr 1938 inszenierte Pogromnacht, bei der tausende österreichische Juden und Jüdinnen beraubt und verhaftet, ja schwer verletzt oder getötet wurden. Es ist ein Tag der schamvollen Erinnerung, die zugleich das oft zitierte, aber immer wieder zu wenig ernstgenommene Wort „Nie wieder“ birgt.

Es geht nicht darum, an die Brust der damaligen Generation zu schlagen, wenngleich vor dem Vergeben das Erinnern mit der schmerzlichen Frage: Wo warst du Kain? notwendig und unverzichtbar ist. Denn diese Frage ist nicht nur hilfreich im Hinblick auf die damalige Situation, sondern auch angesichts neuer Herausforderungen.

Die Pogromnacht kam nicht aus heiterem Himmel. Es ging ihr ein jahrzehntelanger, tief in das 19. Jahrhundert hineinreichender Prozess voraus, in dem mit pseudowissenschaftlichen Argumenten dramatische Unterschiede der Menschen konstruiert wurden. Es waren diese absurden Konstruktionen, die im Denken allzu vieler der damaligen Zeitgenossen dazu führten, Rechte und Würde ganzer Menschengruppen zu verneinen.

In der Gewissensforschung nach der Katastrophe der Shoah wurde deutlich, dass der Widerstand der Christen gegen dieses Denken viel zu schwach war – und dies, obwohl ihr Glaube die Botschaft von der gleichen Würde aller Menschen auf Grund ihrer Gottebenbildlichkeit enthält. Diese Botschaft ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 in säkularer Form Gemeingut der Menschheit geworden.

Mit Bedrückung erleben wir in den letzten Jahren, dass überwunden geglaubte falsche Denkmuster wieder aufleben. Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus sind nicht nur Themen historischer Analysen vergangener Zeiten, angesichts neuer Entwicklungen flackern wieder Brandherde von Haltungen auf, die erledigt schienen. Das verleiht auch dem Gedenken am 9. November besonderes Gewicht – und sollte dies auch für jene haben, die Politik gestalten.

Das kommende Jahr ist ein Jahr vielfachen Gedenkens. Es ist wünschenswert, dass insbesondere der 9. November – an dem des schmachvollen Tages gedacht wird, an dem jüdische Österreicherinnen und Österreicher ihrer Würde und ihrer Rechte beraubt wurden – und der 10. Dezember – der Jahrestag der Proklamierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – zusammengesehen und entsprechend begangen werden. So kann vor allem die Jugend verstehen, warum Menschen niemals ausgegrenzt werden dürfen.

Am diesjährigen 9. November gedenken viele Christen an unterschiedlichen Orten in Österreich der düsteren Ereignisse jener Nacht und jenes Tages des Jahres 1938. In der Wiener Ruprechtskirche wird am 9. November – wie alljährlich – der Opfer der Pogromnacht gedacht, auch im anschließenden Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz, der zugleich Ziel der Aktion jüdischer Jugendlicher „Light of Hope“ ist.
Und danach werden sich viele Christen aus unterschiedlichen Konfessionen im Wiener Stephansdom versammeln, um in einem ökumenischen Gebet für ein friedliches Miteinander in einem Europa einzutreten, in dem die Menschenrechte respektiert und ernst genommen werden. In diesem Gottesdienst mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch aus den Nachbarländern geht es um Versöhnung, um Solidarität, Frieden und Toleranz in Europa.

Im Gedenken an die Opfer der Pogromnacht kann dieses Gebet ein deutliches Bekenntnis der unbedingten Treue zum Grundsatz „Nie wieder“ werden.“

Paragraph 2 der Statuten unseres Vereins HAPAX (Zweck des Vereins) ist auch ein deutliches Bekenntnis zum Grundsatz „Nie wieder“, wenn es in diesem Paragraphen heißt:
„Der „HAPAX – Dietrich-Bonhoeffer-Verein in Österreich“ bezweckt, Dietrich Bonhoeffer bekannt zu machen und seine Bedeutung und Aktualität zu bewahren und zu fördern in Bezug auf:

(1) die persönliche Spiritualität und das christliche Leben im Alltag.

(2) die christliche Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

(3) die Verkündigung der christlichen Kirchen, ihre ökumenische Beziehung zueinander und ihren Dialog mit anderen Religionen.

(4) die gegenwärtige Situation in der österreichischen, europäischen und weltweiten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

(5) den Widerstand gegen die Verletzung der Menschenrechte durch politischen und religiösen Radikalismus.

Auch Kurt Uderman und Gerhard Pleschberger haben in ihren Büchern Worte zum Grundsatz „Nie wieder“.

Kurt schreibt: „Die Geburt des Kindes stellt uns auch vor die Entscheidung, in welcher Welt ich leben will. In der Welt, in der der Mensch des Menschen Wolf ist, weil er im Mitmenschen ein Mittel für seine Zwecke sieht und der dem eigenen Nutzen zu dienen hat? Oder entscheide ich mich für die Welt Gottes, in der das Kind von Bethlehem die Spielregeln vorgibt: Den anderen als Bruder oder Schwester zu sehen und von ihm her zu denken und an seinem Erlösungswerk mitzuarbeiten?“ (Neuer Wein gehört in neue Schläuche, S. 32)

Gerhard schreibt: „Ich sah Bilder vor mir von geschundenen, ausgehungerten Körpern, von Augen, deren einzige Hoffnung der Tod zu sein schien. Bilder, die mich beschämten. Bilder, die ich verdrängen wollte. Weil sie meine heile Welt störten, meine Zufriedenheit, meine Selbstgefälligkeit. Und dennoch ist sie wohl fröhlich, diese Weihnacht. Weil in dieser geweihten Nacht die Hoffnung geboren wurde, für all die geschundenen, ausgehungerten Seelen. Weil DU, Herr, uns Deinen Sohn in die Krippe gelegt hast.“ (Ich warte, S. 114)

 

Im Namen unseres Vereins HAPAX wünsche ich Euch eine besinnliche und friedliche Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr 2018.

Lesen wir bis zum Rundbrief Jänner 2018:

Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2; Texte aus den Psalmen und des Matthäus-Evangeliums lesen wir ab Jänner 2018 weiter. 

Beste Grüße, Euer Obmann Uwe