2017-07 Toleranzgespräche "Die Zukunft der Freiheit"

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Juli 2017!

Vom 30. Mai bis 3. Juni 2017 waren die dritten Europäischen Toleranzgespräche zum Thema „Die Zukunft der Freiheit“ im ev. Kulturzentrum Fresach (Kärnten), organisiert und veranstaltet von DENK.RAUM.FRESACH (www.fresach.org). Unser Vereinsmitglied Superintendent Manfred Sauer ist einer der Hauptinitiatoren dieser Toleranzgespräche.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eine Freiheitserklärung erarbeitet, die der Landesregierung in Klagenfurt, der Bundesregierung in Wien und dem Europäischen Parlament in Brüssel vorgelegt werden soll. Insgesamt 80 Personen aus Fresach, Kärnten, Österreich, Europa und der arabischen Welt haben formuliert, was ihnen für die Zukunft der Freiheit wichtig ist.

Das zweiseitige Dokument gliedert sich in drei Teile: Persönliche Freiheit, Politische Freiheit und Religiöse Freiheit. Im Anhang findet Ihr diese Erklärung zur Freiheit.

Zum Vergleich habe ich vier Texte zur Freiheit von Dietrich Bonhoeffer zusammenge-stellt:

  1. „Stationen der Freiheit“, ein Gedicht aus der Haft, das wir innerhalb einer monatlichen Versammlung diskutiert haben (Quelle: DBW 8, SS. 570 – 572).

„Zucht: Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen. Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist! Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat: Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens, nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.

Leiden: Wunderbare Verwandlung. Die starken, tätigen Hände sind dir gebunden. Ohnmächtig, einsam siehst du das Ende deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden. Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit, dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod: Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit, Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele, dass wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist. Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden. Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.“

Einen Text aus seiner Ethik (Quelle: DBW 6, S. 288)

„Jesus steht vor Gott als der Gehorsame und als der Freie. Als der Gehorsame tut er den Willen des Vaters in blinder Befolgung des ihm befohlenen Gesetzes. Als der Freie bejaht er den Willen aus eigenster Erkenntnis, mit offenen Augen und freudigem Herzen, schafft er ihn gleichsam aus sich selbst heraus aufs Neue. Gehorsam ohne Freiheit ist Sklaverei, Freiheit ohne Gehorsam ist Willkür. Der Gehorsam bindet die Freiheit, die Freiheit adelt den Gehorsam. Der Gehorsam bindet das Geschöpf an den Schöpfer, die Freiheit stellt das Geschöpf in seiner Ebenbildlichkeit dem Schöpfer gegenüber. Der Gehorsam zeigt dem Menschen, daß er sich sagen lassen muß, was gut ist und was Gott von ihm fordert (Micha 6, 8), die Freiheit läßt den Menschen das Gute selbst schaffen. Gehorsam weiß, was gut ist, und tut es. Die Freiheit wagt zu handeln und stellt das Urteilüber Gut und Böse Gott anheim. Gehorsam folgt blind, Freiheit hat offene Augen. Gehorsam handelt, ohne zu fragen, Freiheit fragt nach dem Sinn. Gehorsam hat gebundene Hände, Freiheit ist schöpferisch. Im Gehorsam befolgt der Mensch den Dekalog Gottes, in der Freiheit schafft der Mensch neue Dekaloge.
In der Verantwortung realisiert sich beides, Gehorsam und Freiheit. Sie trägt diese Spannung in sich. Jede Verselbständigung des einen gegen das andere wäre das Ende der Verantwortung. Verantwortliches Handeln ist gebunden und doch schöpferisch.“

Einen Text aus seiner Zeit in Barcelona, Berlin, Amerika 1928-1931, (Quelle: DBW 10, SS. 330 f.).

„Das christlich ethische Handeln ist ein Handeln aus Freiheit, aus der Freiheit eines Menschen, der nichts an sich selbst und alles an seinem Gott hat, der immer neu sein Handeln durch die Ewigkeit bestätigen und bekräftigen läßt. In großen Worten redet das Neue Testament von dieser Freiheit: »Der Herr ist Geist, wo aber der Herr Geist ist, da ist Freiheit« (2 Korinther 3, 17).

Bei Johannes: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, seid ihr meine rechten Jünger und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.
So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei« (Johannes 8, 32. 36). …

Christus ist der Bringer der Freiheit, frei von der Welt, frei für die Ewigkeit zu werden. Es gibt für den Christen kein Gesetz mehr, als das Gesetz der Freiheit wie es
einmal paradox im Neuen Testament heißt (Jakobus 2, 12), kein allgemein gültiges Gesetz, das ihm von andern, oder das ihm von sich selbst auferlegt werden könnte. Wer die Freiheit aufgibt, gibt sein Christsein auf. Der Christ steht frei ohne irgendwelche Rückendeckung vor Gott und vor der Welt, auf ihm allein ruht die ganze Verantwortung dafür, wie er mit dem Geschenk der Freiheit umgeht. Durch diese Freiheit aber wird der Christ im ethischen Handeln schöpferisch.“

Einen Text aus der Zeit Konspiration und Haft 1940 – 1945 (Quelle: DBW 16, S. 540).

„Der Begriff der Freiheit ist auch in der deutschen Geistesgeschichte ein hohes Gut (Idealismus). Aber er bedarf der näheren Bestimmung.

Das Freisein von etwas erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freisein allein um des Freiseins willen aber führt zur Anarchie.

Freiheit bedeutet biblisch: Frei sein für den Dienst an Gott und am Nächsten, Freisein für den Gehorsam gegen die Gebote Gottes. Das setzt voraus: Freisein von jedem inneren und äußeren Zwang, der uns an diesem Dienst hindert. Freiheit bedeutet also nicht Auflösung aller Autorität, sondern es bedeutet: leben innerhalb der durch Gottes Wort geordneten und begrenzten Autoritäten und Bindungen.

Die Frage der individuellen Freiheiten, wie die Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit etc. ist erst in diesem übergeordneten Zusammenhang zu beantworten. Es kommt darauf an, wieweit diese Freiheiten notwendig und geeignet sind, die Freiheit des Lebens nach den Geboten Gottes zu fördern und sicherzustellen. Freiheit ist eben nicht in erster Linie ein individuelles Recht, sondern eine Verantwortung, Freiheit ist nicht in erster Linie ausgerichtet am Individuum, sondern am Nächsten.“

Lesen wir bis zum nächsten Rundbrief im August 2017:

Psalmen 71 – 73; Matthäus-Evangelium Kapitel 11, die Verse 1 – 6.

Beste Grüße, Euer Obmann Uwe