Rundbrief 2026-10 Innerer Frieden

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Oktober 2026!

Unser Vereinsmitglied John hat eine biografische Fiktion über Dietrich Bonhoeffers letzten Stunden seines Lebens geschrieben, die wir innerhalb der September-Versammlung am 14. September 2026 gelesen haben. John schreibt am Ende seiner biografischen Fiktion (den gesamten Text könnt Ihr unter „Beiträge“ unserer Homepage nachlesen):

„Er wandte sich noch einmal um zu Payne Best, seinem Mitgefangenen, der das Entsetzen in den Augen stehen hatte. Inmitten des grauen Raums reichte er ihm die Hand. Bonhoeffers Stimme war fest, als er ihm die Worte mitgab, die bleiben sollten: ‚Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.‘ … Während er den langen, düsteren Gang hinab zum Hof geführt wurde, wich das Gefühl der kargen Zelle einer unendlichen Weite in seinem Geist. Draußen kündigte das erste Morgenlicht den neuen Tag an. Für die Welt da draußen ging der Krieg seinem Ende entgegen. Für ihn öffnete sich nun eine andere Tür. Mit festem Schritt ging er seinem Schicksal entgegen – ungebrochen, getragen von einem tiefen, inneren Frieden, den ihm keine Waffe der Welt mehr nehmen konnte.“

Payne Best (1885 – 1978) war Captain beim britischen Geheimdienst und war in Frankreich, in Belgien und in den Niederlanden im Einsatz. Im Herbst 1939 wurde er an der niederländisch-deutschen Grenze bei Venlo von einem SS-Sonderkommando nach Deutschland entführt. Dadurch wurde das gesamte Spionagenetz des britischen Geheimdienstes entlarvt. Als „wertvoller Gefangener“ wurde Best im Konzentrationslager Sachsenhausen (Brandenburg) inhaftiert. Im Feber 1945 kam er in das Konzentrationslager Buchenwald (Thüringen), lernte dort Dietrich Bonhoeffer als Mitgefangenen kennen und kam zusammen mit ihm Anfang April 1945 in den bayerischen Ort Schönberg. Dort trennten sich ihre Wege. Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg (Bayern) ermordet. Best wurde in die Alpen gebracht, wo er befreit wurde. 1950 erschienen seine Tagebuchaufzeichnungen als Buch mit dem Titel „The Venlo Incident“ (der Zwischenfall von Venlo).

In diesem Buch steht eine detaillierte Chronik über Dietrich Bonhoeffers letzte Lebenswoche. Dort sind auch seine letzten Worte an Payne Best abgedruckt: „The following day, Sunday 8th April, 1945, Pastor Bonnhöfer held a little service and spoke to us in a manner which reached the hearts of all, finding just the right words to express the spirit of our imprisionment and the thoughts and resolutions which it had brought. He had hardly finished his last prayer when the door opened and two evil-looking men in civilian clothes came in and said: ‚Prisoner Bonnhöfer. Get ready to come with us.‘ Those words ‚Come with us‘ – for all prisoners they had come to mean one thing only – the scaffold. We bade him good-bye – he drew me aside – ‚This is the end‘, he said. „For me the beginning of life,‘ and then he gave me a message to give, if I could, to the Bishop of Chichester, a friend to all evangelical pastors in Germany. Next day, at Flossenbürg, he was hanged.“ (Quelle: Payne Best: The Venlo Incident, London 2009, S. 200; die deutsche Übersetzung von Bonhoeffers Worte an Best ist auf S. 31 des Beiheftes zu Eberhard Bethges Biografie über Dietrich Bonhoeffer abgedruckt: „Wir sagten ihm auf Wiedersehen. Er zog mich auf die Seite: ‚Dies ist das Ende‘, sagte er, ‚für mich der Anfang des Lebens‘.“)

Payne Best schrieb im März 1951 an Bonhoeffers Zwillingschwester Sabine Leibholz, geborene Bonhoeffer: „Bonhoeffer war ganz Bescheidenheit und Freundlichkeit; er schien eine Atmosphäre von Glück zu verbreiten, von Freude an jedem kleinsten Ereignis des Lebens und von tiefer Dankbarkeit für die bloße Tatsache, daß er lebte. In seinen Augen war etwas von dem treuen Blick eines Hundes und der Freude, wenn man ihm zeigte, daß man ihn gern hatte. Er war einer der ganz wenigen Männer, die ich je getroffen habe, denen ihr Gott wirklich und immer nahe war … Tatsächlich waren meine Empfindungen viel stärker, als diese Worte andeuten. Er war, ohne Ausnahme, der lauterste und liebenswerteste Mann, den ich je getroffen habe … Bonhoeffer war anders; einfach ruhig und normal, offensichtlich ganz entspannt … seine Seele leuchtete in der dunklen Verzweiflung unseres Gefängnisses … (Wir befanden) uns in voller Übereinstimmung, daß unsere Wächter und Aufseher viel mehr Mitleid brauchten als wir und es absurd war, sie für ihre Handlungen zu tadeln.“ (die original englischen Ausführungen dieser deutschen Übersetzung sind abgedruckt in: Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse, München 1967, S. 1029; die deutsche Übersetzung ist auf S. 30 des Beiheftes dieser Biografie abgedruckt)      

Vergleicht man die Schlussworte der biografischen Fiktion unseres Vereinsmitgliedes John über die letzten Stunden von Bonhoeffers Leben mit den Wahrnehmungen von Payne Best über Bonhoeffers Seelenzustand am Ende seines Lebens, dann könnte man meinen, dass auch John ein Mitgefangener Bonhoeffers gewesen war. 

Interessant ist auch zu überlegen, was Bonhoeffer mit seinen Worten an Best – „Dies ist das Ende, für mich der Anfang des Lebens“? - ausdrücken und mitteilen wollte. Meinte er die christliche Hoffnung auf ein ewiges und neues Leben bei Gott? Meinte er einen politischen Neuanfang für Deutschland und Europa mit Frieden und Demokratie? Meinte er eine neue Strukturierung der evangelischen Kirche in Deutschland?   

Fragen zum Nachdenken:

  • Hast Du schon mal etwas über Payne Best gehört oder gelesen?
  • Fürchtest Du Dich vor dem Sterben?
  • Wie interpretierst Du Bonhoeffers letzte Worte an Payne Best – „Dies ist das Ende, für mich der Anfang des Lebens“?

Lesen wir bis zum Rundbrief November 2026:

Psalm 90; Matthäus-Evangelium, Kapitel 12, die Verse 15 - 21

Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe