Rundbrief 2026-01 Innere Kraft
HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Jänner 2026, den ich mit einem „aufrechten, Gott-starken und Christus-frohen, sieghaften Neujahrsgruß“ an Euch geschrieben habe.
Diesen Neujahrsgruß schrieb der aus Vorarlberg stammende katholische Priester Carl Lampert in einem Brief an seinen Bruder Julius. Im November 2025 hörte ich im Sender „Radio Maria“ eine Sendung über ihn. Sein Leben und Zeugnis hat mich angesprochen und mich für diesen Rundbrief inspiriert. Er war ein Zeitgenosse Bonhoeffers. Beide haben sich aber nicht gekannt.
Carl Lampert war der ranghöchste österreichische Geistliche, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Am 13. November 2011 wurde er in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn seliggesprochen. Er wurde am 9. Jänner 1894 in Gölfis (Vorarlberg) geboren, studierte katholische Theologie und wurde Priester. 1939 wurde er zum Provikar (kirchlicher Ehrentitel) des Tiroler Teils der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Da die Nationalsozialisten die Seelsorge der Priester stark einschränkten, Klöster in Tirol und Vorarlberg beschlagnahmten und die katholische Fakultät der Universität Innsbruck auflösten, kam Lampert immer mehr mit den Nationalsozialisten in Konflikt. Inhaftierungen in den Gefängnissen Innsbruck, Stettin (früher Pommern, heute Polen), Torgau und Halle/Saale (beide Städte liegen in Ostdeutschland) und in den Konzentrationslagern Dachau (Nähe München) und Sachsenhausen (Nähe Berlin) waren die Folge. Im August 1941 wurde er zwar freigelassen, wurde aber aus dem Gau Tirol-Vorarlberg ausgewiesen und zog nach Stettin (in der Nähe von Stettin lag das Predigerseminar Finkenwalde, das Bonhoeffer geleitet hat). Dort wurde er von Franz Pissaritsch aus Klagenfurt (1916 – 2005) beobachtet, der unter dem Decknamen Georg Hagen als Nazi-Spitzel arbeitete. Durch seine vielen Kirchenbesuche wollte er Lamperts Vertrauen erschleichen. Pissaritsch klagte Lampert bei seinem Vorgesetzten wegen angeblicher Spionage, Hören von Feindsendern und Wehrkraftzersetzung an. Daraufhin wurde er am 13. November 1944 im Gefängnis „Roter Ochse“ in Halle/Saale hingerichtet. Am 13. November 1948 wurde seine Urne im Priestergrab vor der Kirche seines Geburtsortes Göfis beigesetzt. Franz Pissaritsch wurde für seine Taten von der österreichischen Justiz nie zur Rechenschaft gezogen. Eine Erinnerungsstätte über Carl Lampert befindet sich in der Pfarrkirche Göfis. Das Carl Lampert Forum der Katholischen Kirche Vorarlberg pflegt das Gedenken an ihn und bringt sein Glaubenszeugnis in Kirche und Gesellschaft ins Gespräch. Am 17. Jänner 2026 gibt es ein Theaterstück über ihn im Landestheater in Bregenz.
Was zu seiner Verurteilung geführt hat, sind nicht nur seine antinationalsozialistischen Worte und Taten, sondern auch die Tatsache, dass er wegen seines hohen kirchlichen Amtes als Provikar ein Dorn im Auge des Nazis war. In einem Vernehmungsprotokoll steht: „Herr Lampert, sind sie doch vernünftig, verlassen Sie die Kirche und das Priestertum. Das ist doch alles nur Hokuspokus. Zeugen Sie Kinder für den Führer Adolf Hitler. Ich werde Ihnen einen guten Posten verschaffen. Lampert antwortete: Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priesteramt: Ich stehe für Christus und liebe seine Kirche.“ (Quelle: Susanne Emerich (Hg.): Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis, Innsbruck 2012, S. 77)
Für seine Aufgaben als Priester, Provikar und Christ im Widerstand hatte er eine innere Kraft. Am 4. April 1943, als er Häftling im Gefängnis in Stettin war, schrieb er an seinen Bruder Julius: „Hätte ich nicht eine innere Kraft, so möcht‘ man verzweifeln an solchem Wahnsinn des Lebens. Aber alles Geschehen hat schließlich einen Sinn und Zweck gefunden, dass muss mich trösten … geistig aber bin ich in ‚freier Fahrt‘ stündlich und täglich bei all denen, die ich schätze und liebe, mit denen ich mitdachte und sorgte und arbeitete; und Gott weiß es, - wie gerne ich es weiter täte.“ (Quelle: Susanne Emerich (Hg.): Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis, Innsbruck 2012, S. 50.)
Neujahr 1944 schrieb Lampert an seinen Bruder: „Wie danke ich Gott, diesen Gruß und Wunsch senden zu dürfen! Neujahrsmorgen 1944 – was kündest Du mir!? … Die Bestätigung, was Menschen bestimmt, oder nicht! Ich hab‘ nur eine Antwort: ‚Herr, dein Wille geschehe‘ … Todtraurig waren meine Weihnachtstage äußerlich, innerlich aber strahlte das Weihnachtslicht in mein tieferes Lebensdunkel und gab Trost … Euch allen Herz und Hand und innigen Dank für alles; dem Herrn sei alles nun befohlen – immer mit Euch! Wenn auch wie S. Pietro in vinculis (hl. Petrus in Ketten), so doch aufrechten, Gott-starken und Christus-frohen, sieghaften Neujahrsgruß 1944.“ (Quelle: Susanne Emerich (Hg.): Hätte ich nicht eine innere Kraft … Leben und Zeugnis, Innsbruck 2012, S. 73 f.)
Der Impuls, der durch das Leben von Carl Lampert für uns ausgeht, ist: Entscheidend sind nicht nur unsere Worte und Glaubensbekenntnisse, sondern auch die Taten, in denen christliche Überzeugungen und Werte zum Ausdruck kommen. Möge der seliggesprochene Carl Lampert ein beispielhafter Beweger für ein überzeugendes christliches Leben sein. Was für Carl Lampert gilt, gilt natürlich auch im hohen Maße für Dietrich Bonhoeffer, der uns in der Strophe eins seines weltberühmten Gedichtes „Von guten Mächten“ auch einen „aufrechten, Gott-starken und Christus-frohen, sieghaften“ Neujahrsgruß überliefert hat: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mich euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ (Quelle: Widerstand und Ergebung, Dietrich-Bonhoeffer-Werke Band 8, S. 607.)
Fragen zum Nachdenken:
- Was weißt Du von Carl Lampert?
- Was meint er unter „innere Kraft“?
- Woraus schöpfst Du innere Kraft?
- Was kündet Dir der Neujahrsmorgen 2026 bzw. das neue Jahr?
Lesen wir bis zum Rundbrief Feber 2026: Psalm 81; Matthäus-Evangelium, Kapitel 10, die Verse 27 – 33.
Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe
