Rundbrief 2016-08 Reiseführer Auf den Spuren Bonhoeffers

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HAPAX und ein herzliches Hallo!

Es ist angedacht, dass unser Verein zusammen mit der Evangelischen Akademie Kärnten 2017 oder 2018 eine Studienreise „Auf den Spuren Bonhoeffers“ organisiert und gestaltet.

Im März 2016 erschien der kleine und gute Reiseführer „Dietrich Bonhoeffer. Lebensorte & Wirkungsstätte“ von Dirk Klingner. Dieser steht in unserer Bonhoeffer-Bibliothek und ist eine gute Hilfe, die richtigen Orte für diese Studienfahrt zu finden. Ich erkläre nun kurz alle Wirkungsstätten Bonhoeffers, die in dem Reiseführer erwähnt werden. Welche Orte für eine ca. einwöchige Studienfahrt interessieren Euch?

Deutschland:

Altenburg: Maria von Wedemeyer, die Verlobte von Bonhoeffer, kam 1936 im Alter von 12 Jahren in die ostthüringische Kreisstadt und besuchte das ev. Magdalenenstift, das sie nach zwei Jahren mit der mittleren Reife verließ. Heute gehört das Magdalenenstift zur Diakonie.

Berlin: Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Bonhoeffer in Berlin.

  1. Bochumer Straße: Seit 1913 besuchte Bonhoeffer dort das humanistische Friedrichswerdersche Gymnasium.
  2. Wangenheimstraße: Im Jahr 1916 bezog die Familie Bonhoeffer dort ein großes Haus.
  3. Herbertstraße: Ab 1919 besuchte Bonhoeffer dort das Grunewald-Gymnasium, das heute Walter-Rathenau-Schule heißt. Walter Rathenau war Außenminister der Weimarer Republik.
  4. Bismarckallee: Bonhoeffer wurde in der Grunewaldkirche konfirmiert und machte innerhalb seines Theologiestudiums ein Praktikum in dieser Pfarrgemeinde.
  5. Burgstraße: Bonhoeffer begann 1923 sein Studium der ev. Theologie in Tübingen. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Rom setzte er sein Studium von 1924 – 1927 an der ev.-theologischen Fakultät in der Berliner Burgstraße fort. In der Eingangshalle der Fakultät steht eine Büste von Bonhoeffer. Über der Büste steht ein Zitat Bonhoeffers: „Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören.“
  6. Matthäikirchplatz: 1931 wurde Bonhoeffer in der Matthäus-Kirche in Berlin–Tiergarten ordiniert. Seit 2006 (100. Geburtstag von Bonhoeffer) erinnert eine Gedenktafel neben dem Hauptportal der Kirche an Bonhoeffers Ordination.
  7. Breitscheidplatz: 1932 und 1933 predigte Bonhoeffer öfters in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.
  8. Zionskirchplatz: Im März 1932 konfirmierte Bonhoeffer in der Zionskirche 40 bis 50 Konfirmanden aus schwierigem sozialem Milieu, die er mit seinem Konfirmandenunterricht für den christlichen Glauben interessieren konnte.
  9. Berlin-Dahlem: Bonhoeffer nahm am 1. November 1938 an einer Versammlung der Bekennenden Kirche in der Gemeinde Dahlem teil und wurde hier verhaftet. Zwar wurde er schnell wieder entlassen, erhielt aber ein Aufenthaltsverbot für Berlin, das für Privatbesuche aufgehoben wurde.
  10. Albrechtstraße: 1935 übernahm Bonhoeffer die Leitung eines der Predigerseminare der illegalen Bekennenden Kirche. Mit den Teilnehmern des Predigerseminars besuchte er im September 1935 die Bekenntnissynode im Gemeindehaus der Markuskirchengemeinde in Berlin-Steglitz.
  11. Marienburger Allee: Im Oktober 1935 zogen die Eltern Bonhoeffers aus der Wangenheimstraße in die Marienburger Allee 43 im Stadtteil Charlottenburg. Bonhoeffer hatte ein Zimmer im obersten Stockwerk. In diesem Haus war das letzte Familientreffen am 31. März 1943 anlässlich des 75. Geburtstages von Bonhoeffers Vater Karl. Hier wurde Bonhoeffer am 5. April 1943 verhaftet. Heute heißt dieses Haus Bonhoeffer-Haus und ist Gedenkstätte mit einer ständigen Ausstellung.
  12. Seidelstraße: Nach seiner Festnahme wurde Bonhoeffer im Wehrmachtsgefängnis Berlin Tegel inhaftiert. Im Gefängnis schrieb Bonhoeffer zahlreiche Briefe an seinen besten Freund Eberhard Bethge, die in dem Buch Widerstand und Ergebung abgedruckt sind. Bonhoeffer wurde später in die Zelle 92 in der zweiten Etage verlegt, in der er seine Brautbriefe an seine Verlobte Maria von Wedemeyer schrieb.
  13. Prinz-Albrecht-Straße: Am 8. Oktober 1944 wurde Bonhoeffer in das Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes verlegt und wurde dadurch Gefangener der Gestapo. Im Dezember 1944 schrieb Bonhoeffer das berühmte Gedicht „Von guten Mächten“. Heute ist auf dem Gelände des Gefängnisses, das im Feber 1944 durch Bomben zerstört wurde, die Ausstellung „Topographie des Terrors“.
  14. Chausseestraße und Trakehner Allee: Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße erinnern ein Kreuz und Steinquader an Bonhoeffer und an weitere von den Nazis ermordete Widerstandskämpfer. Als Ehrengrab des Landes Berlin blieb das Grab von Bonhoeffers Eltern Karl und Paula auf dem Friedhof Heerstraße in der Trakehner Allee im Stadtteil Westend erhalten.
  15. Staatsbibliothek Berlin: Der Nachlass Dietrich Bonhoeffers wurde 1996 durch die Staatsbibliothek Berlin (Potsdamer Straße) von Renate und Eberhard Bethge erworben. Im Foyer der Staatsbibliothek befindet sich seit 2002 eine Bonhoeffer-Skulptur des österreichischen Künstlers Alfred Hrdlicka (1928 – 2009).

Bielefeld: Im Stadtteil Bethel sind die „Von Bodelschwingschen Anstalten“ der Diakonie. Im August 1933 kam Bonhoeffer nach Bethel. Hier verfasste Bonhoeffer mit zwei anderen Pfarrern das „Betheler Bekenntnis“, um den christlichen Glauben von der Theologie des nazitreuen Reichsbischofs Ludwig Müller (1883 – 1945) abzugrenzen.

Breslau: Bonhoeffer wurde am 4. Feber 1906 in Breslau (früher Schlesien, heute Polen) geboren. An Bonhoeffer erinnert heute in Breslau neben seinem Geburtshaus auch ein kreuzähnlicher Metalltorso vor der Elisabethkirche.

Ettal: Den Winter 1940/41 verbrachte Bonhoeffer in Ettal (Bayern) und schrieb im Benediktinerkloster Ettal einen Teil seiner Ethik. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an den kath. Pater Rupert Mayer (1876 – 1945) und an Bonhoeffer: „Um Christi Willen im Widerstand gegen das Naziregime verfolgt, weilten in Ettal P. Rupert Mayer SJ und Pastor Dietrich Bonhoeffer.“

Finkenwalde bei Stettin (früher Pommern, heute Polen): Im Sommer 1935 wurde der kleine Ort Finkenwalde Standort des Predigerseminars der illegalen Bekennenden Kirche. Das Predigerseminar wurde in einem ehemaligen Gutshaus eingerichtet. Die Turnhalle wurde zur Kapelle umgestaltet. Am Altar hing das Antependium mit der Aufschrift HAPAX (Name unseres Vereins). Bonhoeffer stiftete die Bibliothek. Im Jahr 2012 wurde der „Dietrich-Bonhoeffer-Garten der Stille und Meditation“ eröffnet.

Flossenbürg: Am frühen Morgen des 9. April 1945 wurden Bonhoeffer, Wilhelm Canaris und Hans Oster im Konzentrationslager Flossenbürg (Nordbayern) durch die Nazis ermordet. Im Arresthof erinnert eine Gedenktafel an die Hinrichtung Bonhoeffers und der anderen Mitglieder der Verschwörung gegen Hitler. Über dem „Tal des Todes“ erhebt sich die Kapelle „Jesus im Kerker“, in der eine Büste das Andenken an Bonhoeffer wachhält.

Friedrichsbrunn (Sachsen-Anhalt): Hier hatte die Familie Bonhoeffer ein Ferienhaus, in dem Bonhoeffer Teile seiner Ethik schrieb. Seit 2014 ist in diesem Haus die Ausstellung „Die Familie Bonhoeffer in Friedrichsbrunn“.

Gernsbach: Bonhoeffers Verlobte Maria von Wedemeyer starb 1977 in Boston. Die Urne mit ihrer Asche wurde 1997 auf dem kath. Friedhof Gernsbach (Baden Würtemberg) bestattet. An der Friedhofskapelle findet sich eine kreuzförmige Stahlplastik mit dem ganzen Text des Gedichtes „Von guten Mächten“, das Bonhoeffer im Dezember 1944 an seine Verlobte geschrieben hat.

Hinterpommern (heute Polen):

  1. Groß Schlönwitz: Im Pfarrhaus des Dorfes wohnten von 1937 – 1939 Vikare des illegalen Predigerseminares der Bekennenden Kirche, die Bonhoeffer dort unterrichtete.
  2. Kieckow: Seit 1800 befand sich das Gutsdorf Kieckow im Besitz der Familie von Kleist-Retzow. Aus dieser Familie stammt Bonhoeffers Verlobte Maria von Wedemeyer, die dort ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Zwischen 1938 und 1942 verweilte Bonhoeffer oft in Kieckow, führte dort persönliche und theologische Gespräche mit Ruth von Kleist–Retzows (Oma von Maria von Wedemeyer) und schrieb Teile seiner Ethik. An der Dorfkirche ist eine Gedenktafel für Bonhoeffer befestigt.
  3. Klein Krössin: Bonhoeffer war im Juni 1942 dort und begegnete hier erneut seiner ehemaligen Konfirmandin und inzwischen 18-jährige Maria von Wedemeyer, die später seine Verlobte wurde.
  4. Kösslin: Von 1937 bis 1939 konnten vier Vikariatskurse der illegalen Bekennenden Kirche stattfinden, die Bonhoeffer leitete.
  5. Schlawe: Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge waren hier Hilfsprediger.
  6. Sigurdshof: Am 15. März 1940 beendete hier die letzte Vikariatsgruppe der illegalen Bekennenden Kirche ihren Kurs. Drei Tage später schloss die Gestapo dieses Predigerseminar.

Pätzig (früher Pommern, heute Polen): Hier wurde am 23. April 1924 Bonhoeffers Verlobte Maria von Wedemeyer geboren. Ihr Vater Hans und Bruder Max fielen 1942 in Russland. Anfang 1945 musste Maria ihre Heimat verlassen. Ihr Elternhaus wurde von den Russen niedergebrannt.

Schönberg (Bayern): Am 8. April 1945 hielt Bonhoeffer in der Schönberger Mädchenschule seine letzte Andacht über die Tageslosung aus Jesaja 53, 5 und über den Lehrtext aus 1. Petrus 1, 3. Die ev. Kirche Schönberg und eine Straße tragen den Namen Bonhoeffers.

Tübingen (Baden Würtemberg): Hier begann Bonhoeffer im April 1923 sein Studium der ev. Theologie und war dort in der Studentenverbindung „Igel“, einem Freundschaftsbund, der nicht wie traditionelle studentische Verbindungen Bestimmungsmensuren schlug.

Weimar (Thüringen): Bonhoeffer war von Feber bis Anfang April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald (Nähe Weimar) inhaftiert.

Wuppertal (Nordrhein Westfalen): Im Mai 1934 wurde in Wuppertal-Barmen die Barmer Theologische Erklärung von der Bekennenden Kirche verfasst. Bonhoeffer war an der Abfassung nicht beteiligt, weil er in London Pfarrer war. Zusammen mit dem anglikanischen Bischof George Bell von Chichester veröffentlichte er aber den Wortlaut der Erklärung in der Londoner Zeitung „Times“ vom 4. Juni 1934.

Zingst (Mecklenburg-Vorpommern, Ostsee): Im Zingsthof war der erste Vikariatskurs der illegalen Bekennenden Kirche, den Bonhoeffer leitete. An diesem Kurs nahm auch Eberhard Bethge teil, der später zum besten Freund Bonhoeffers wurde. Heute ist im Zingsthof, der ein Erholungs- und Rüstheim ist, eine Bonhoeffer-Kapelle.

Europa und Nordamerika:

Barcelona: Ende 1927 absolvierte Bonhoeffer in der deutschen Gemeinde in Barcelona sein Vikariat. Die Glocke der ev. Kirche der deutschen Gemeinde in Barcelona trägt den Namen Dietrich Bonhoeffer. Diese Gemeinde hat auch einen Film über Bonhoeffer gedreht. (Siehe www.deg-barcelona.es)

England:

  1. Chichester: Bonhoeffer hatte eine Freundschaft mit Goerge Bell, dem Bischof von Chichester. Durch diese kamen geheime Informationen von der Verschwörung gegen Hitler nach England.
  2. London: Von 1933 bis 1935 war Bonhoeffer Pfarrer der deutschen reformierten Kirche St. Paul im East End und der deutschen Gemeinde in Sydenham. Beide Kirchen wurden durch deutsche Bomben zerstört. Die deutsche Gemeinde in Sydenham, die heute Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde heißt, hat 1959 eine neue Kirche gebaut und unterhält das „Dietrich-Bonhoeffer-Centre-London. Bischof George Bell feierte am 27. Juli 1945 in der Holy Trinity Church am Kingsway einen Gedenkgottesdienst für seinen Freund Dietrich Bonhoeffer. Über dem Westportal von Westminster Abbey erinnert seit 1998 eine Statue an Dietrich Bonhoeffer. Mit Bonhoeffer stehen dort 10 Statuen von Märtyrern des 20. Jahrhunderts.

Rom: Als junger Student reiste der 18-jährige Bonhoeffer im April 1924 mit seinem Bruder nach Rom, hielt sich dort zwei Monate auf und besuchte auch andere Orte in Italien. Seine Offenheit und Aufgeschlossenheit für den Katholizismus beeinflussten auch sein Engagement für die beginnende ökumenische Bewegung in Europa.

Schweden: Im März 1936 machte Bonhoeffer mit Vikaren des illegalen Predigerseminars der Bekennenden Kirche eine Studienfahrt nach Schweden. Ende Mai 1942 traf Bonhoeffer in Sigtuna seinen Freund Bischof George Bell, mit dem er aktuelle Informationen über die Verschwörung gegen Hitler austauschte.

USA – New York: September 1930 reiste Bonhoeffer nach New York und hatte bis Juni 1931 einen Studienaufenthalt am Union Theological Seminary in New York. Fasziniert haben ihn dort die Spiritualität, die Musik und die Predigten der afroamerikanischen Christen, enttäuscht war er über die unzureichend qualifizierte Universitätstheologie. Am 2. Juni 1939 reiste er erneut in die USA, weil sich die politische Situation in Deutschland und Europa bedenklich verschlechterte. Im Juli 1939 war er allerdings wieder in Berlin, weil er letztendlich seiner wahren Bestimmung treu bleiben musste, seine Brüder der Bekennenden Kirche nicht im Stich lassen und das asoziale Regime der Nazis zu stürzen.

Lesen wir bis zum nächsten Rundbrief im September 2016:

Psalmen 40 – 42;

Die von Bonhoeffer geschätzte Bergpredigt (Matthäus 5 – 7) haben wir fertig gelesen.
Beginnen wir mit Matthäus, Kapitel 8, die Verse 1 – 13

Beste Grüße, Euer Obmann Uwe