Rundbrief 2020-02 Wilhelm Groß

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Feber 2020!

Dietrich Bonhoeffer kannte Werke des evangelischen Bildhauers und Predigers Wilhelm Groß. In seiner Vorlesung Christologie im Sommersemester 1933 an der Berliner Universität erwähnte er seinen Namen: „Oder denken wir an die Christusentstellung von Grosz“ (DBW 12, S. 287).

      

Wilhelm Groß 1906 (Geburtsjahr Bonhoeffers) und sein Holzschnitt
„Der verlorene Sohn“ nach Lukas 15

Wilhelm Groß wurde am 12. Januar 1883 in Schlawe in Hinterpommern geboren und starb am 9. Februar 1974 in Oranienburg-Eden bei Berlin. 1915 heiratete er Frieda Pumplun, mit der er sechs Kinder hatte. Die Familie lebte ab 1916 in Berlin-Dahlem und seit 1919 in Oranienburg-Eden. Unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges fand er zum christlichen Glauben. In Nazi-Deutschland galt er nach den Nürnberger Rassegesetzen als Halbjude und wurde daher diskriminiert - Ausstellungsverbot, Ausschluss aus der Reichskulturkammer und Diffamierung seiner Werke als entartete Kunst. Nach dem Kriegsende 1945 nahm er befreite KZ-Häftlinge in sein Haus auf. Im August 1945 ordinierte ihn der Bruderrat der Bekennenden Kirche der Provinz Brandenburg zum Prediger. Groß lebte dann in der DDR, einem Staat, der den künstlerisch-geistlichen Anspruch seiner Werke nicht würdigte. Er wurde 1974 auf dem Stadtfriedhof Oranienburg beigesetzt.

Groß schuf ca. 1000 Werke - Skulpturen und Holzschnitte, Zeichnungen, Scherenschnitte, Siegel, Grabreliefs und Pastellzeichnungen. Er praktizierte seine Kunst als Verkündigung des christlichen Glaubens. Seine größte Schaffensperiode lag in den 1930er Jahren, in denen er jedoch nur geheime Aufträge annahm, beispielsweise von der Bekennenden Kirche. Groß half beim Auf- und Ausbau des Predigerseminares Finkenwalde mit, dass Bonhoeffer ab 1935 leitete.

In einem Dankbrief vom Oktober 1935 aus dem Finkenwalder Predigerseminar, in einem Brief aus Finkenwalde, in einem Bericht eines Zeitzeugen und in einer Bonhoefferbiographie heißt es: „Als wir im Juni hier in Finkenwalde unsere neue Heimat aufschlugen, wußten wir nicht, womit wir anfangen sollten. Das große Haus stand bis auf einige noch dazu schlechte Möbel leer, und die Räume waren verwahrlost…Unsere Kapelle war früher die Turnhalle des Pädagogiums, das in unserem Haus untergebracht war. Herr Bildhauer Groß aus Oranienburg half uns beim Ausbau. Wir können nur sagen, daß wir eine feine Kirche haben, ganz einfach und schlicht und doch schön…Nun noch die Mitteilung, dass Bruder Groß-Oranienburg die Altarbibel fertiggestellt und übersandt hat, die unser Semester dem Seminar zu schenken vorhatte. Sie ist sehr schön geworden, die Deckel bestehen aus dunklen Holzplatten, in die, mit Gold hervorgehoben, einige Zeichen eingeschnitzt sind. Sie soll 30 RM kosten…Ebenerdig in der Mitte ein Raum mit großzügiger Öffnung zur Terrasse hin. Der Flügel Bonhoeffers stand hier. Nebenan ein Raum für Essen, Andacht und Lehrbetrieb. Auf der anderen Seite eine Art Saal…Daneben…eine schlecht ausgebaute Turnhalle, die der Bildhauer Wilhelm Gross in die Kapelle des Seminars verwandelt hat. Zur Seite das Programmwort `HAPAX` aus dem Herbräerbrief, ´ein für alle Mal`. Alles einfach und schmucklos. Später war eine Propheten-Holzplastik hinzugekommen, ebenfalls gearbeitet von Wilhelm Gross, dem verfolgten Nichtarier…Die Turnhalle verwandelten die Seminaristen unter der Anleitung von Bildhauer Wilhelm Groß mit etwas Leinfarbe, Kistenholz und Nessel in die Kapelle des Seminars und der Bekenntnisgemeinde Finkenwalde. Wilhelm Groß schnitzte die schweren Holzdeckel der Altarbibel. An der Stirnwand leuchtete in Goldbuchstaben das programmatische Wort aus dem Hebräerbrief (Kap. 9, 26-28) ´HAPAX` (Ein für allemal). Das griechische Wort faßte lapidar zusammen, was damals der erste christozentrische Satz von Barmen gegen die deutschchristliche Irrlehre von Offenbarungen in der neuesten Geschichte bekannte…“ (Quellen: DBW Ergänzungsband, S. 40, 43, 108, 548; Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. Theologe-Christ-Zeitgenosse, S. 490)          

HAPAX war das programmatische Wort für die Arbeit und das Leben im Predigerseminar Finkenwalde. Der Bildhauer Groß hat dieses Wort im Andachtsraum gut und würdig visualisiert. Mit diesem Wort haben sich Bonhoeffer und seine Seminaristen identifiziert. Daher ist HAPAX auch der richtige Name für unseren Verein, mit dem wir unmittelbar mit der Person Bonhoeffers und mit seinen Worten und Taten verbunden sind.

 

Literaturtipp: Natalie Gommert/Dieter Wendland: Wilhelm Gross. Bildhauer und Prediger, 2014 (steht in unserer Bonhoefferbibliothek).

 

Lesen wir bis zum Rundbrief März 2020: 

Psalmen 7 - 9; Matthäus-Evangelium Kapitel 16, die Verse 21 – 23.

Liebe Grüße,

Euer Obmann Uwe