Rundbrief 2018-09 Die Krypta des Xantener Doms als Gedenkstätte

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief September 2018!

Mitte August 2018 war ich in meiner niederrheinischen Heimat (liegt im Westen des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen mit der Hauptstadt Düsseldorf) und besichtigte den Xantener Dom.

Diese katholische Pfarr- und ehemalige Stiftskirche St. Viktor wird wegen ihrer Bedeutung und Größe als Xantener Dom bezeichnet, obwohl sie nie Bischofskirche war. Die Grundsteinlegung war 1263. Der Bau dauerte 281 Jahre und wurde 1544 vollendet. Die Türme sind 72 und 74 Meter hoch. 1937 wurde dem Gotteshaus von Papst Pius XI. der Titel einer Basilica minor verliehen, zudem ist es heute Propsteikirche.

Die Krypta des Doms war für mich besonders interessant. Dort befinden sich nämlich zum einen Urnen mit Asche aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Dachau.

Zum anderen sind dort Gedenktafeln von niederrheinischen Zeitgenossen Dietrich Bonhoeffers zu sehen, die wie er Opfer des Nationalsozialismus waren - Heinz Bello, Karl Leisner, Gerhard Storm, Wilhelm Frede, Nikolaus Groß und Johannes Maria Verweyen. Außerdem wird hier eine Reliquie des Bischofs Clemens August Graf von Galen aufbewahrt, der von den Nazis ermordet werden sollte.

Heinz Bello wurde am 5. September 1920 in Breslau (Geburtsstadt von Bonhoeffer) geboren und starb am 29. Juni 1944 in Berlin als katholischer Märtyrer. Während des Luftschutzdienstes als Student der Medizin in Münster im Juli 1943 sagte er: „Die Laternenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und die Kommißköpfe daran aufzuhängen.“ Für diese Bemerkung wurde er vom NS-Regime verfolgt. Er lehnte Möglichkeiten der Flucht aus Sorge vor Repressalien gegen seine Familie ab. „Laudetur Jesus Christus (sci. gelobt sei Jesus Christus) – 29. Juni 1944 – 7.30.“ ist die letzte Eintragung von ihm auf einem Kalenderblatt vor seiner Erschießung am selben Tage in Berlin-Tegel.

Karl Leisner wurde am 28. Februar 1915 in Rees geboren und starb am 12. August 1945 in Krailling. Er studierte Theologie in Münster und baute dort verbotene Jugendgruppen auf. 1934 ernannte ihn Bischof von Galen zum Diözesan-Jungscharführer, der ihn auch am 25. März 1939 zum Diakon weihte. Wegen seiner Hitler-Kritik wurde er verhaftet und kam in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau. Dort wurde er am 17. Dezember 1944 zum Priester geweiht und war der einzige, der jemals in einem Konzentrationslager die Priesterweihe empfing. Im KZ erkrankte er an Tuberkulose, erlebte zwar im April 1945 die Befreiung, starb aber wenig später an den Folgen der Krankheit.

Gerhard Storm wurde am 1. April 1888 in Sonsfeld und starb am 20. August 1942 im KZ Dachau. Er studierte Theologie in Münster und wurde dort am 8. März 1913 zum Priester geweiht. Infolge des Verbots kirchlicher Jugendverbände wurde Storm zum Jugendseelsorger, so dass die Nationalsozialisten ihn beschatteten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er Lazarett­pfarrer. Aufgrund einer Aussage in seiner Predigt vom 11. Januar 1942 wurde er verhaftet: „Genauso ginge es einem Staate, der durch Gesetze und Verordnungen das morsche Staatsgebilde künstlich aufputzte und so weiter. Auch dieses Staatsgebilde bräche zusammen, wenn die Zeit da sei.“ Er kam in das KZ Dachau, wo er wegen einer Lungenerkrankung am 20. August 1944 verstarb.

Wilhelm Frede wurde am 29. Juni 1875 in Duisburg (meine Geburtsstadt) geboren und starb am 13. März 1942 im KZ Sachsenhausen. Er war ein deutscher Diplomat in Diensten des niederländischen Konsulats. Aufgrund seines Bekenntnisses zur katholischen Kirche, seines Einsatzes für Ausreisewillige aus Nazi-Deutschland, seiner Kritik an den Judenprogromen der Nazis von 1938 und seiner Weigerung in die NSDAP einzutreten kam es zunehmend zu Konflikten mit dem NS-Regime. Am 7. Februar 1942 wurde er in das KZ Sachsenhausen inhaftiert, wo er am 13. März 1942 als Häftling Nr. 41.087 verstarb. Ein Mithäftling berichtete, dass Frede erfror, weil Soldaten der SS ihn an eine Wand hängten und mit Wasser überschütteten.

Nikolaus Groß wurde am 30. September 1898 in Hattingen geboren und starb am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee. Als christlicher Gewerkschafter engagierte er sich in der katholischen Arbeiterbewegung. Mit Freunden aus diesen Organisationen diskutierte er über Alternativen zum NS-Regime. Am 12. August 1944 wurde Nikolaus Groß in Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet, obwohl er nicht daran beteiligt war. Am 15. Januar 1945 verurteilte ihn der Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Nazi-Richter Freisler zum Tode. Am 23. Januar 1945 wurde er in Plötzensee ermordet. Am 7. Oktober 2001 wurde Nikolaus Groß von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Johannes Maria Verweyen wurde am 11. Mai 1883 in Bedburg-Hau geboren und starb am 21. März 1945 im KZ Bergen-Belsen. Er war ein deutscher Dichter und Philosoph. Wegen seiner offenen Kritik am Nationalsozialismus entzog man ihm 1934 die Lehrerlaubnis. Wegen eines kritischen Vortrages zu den Rassentheorien der Nazis wurden seine gesamten Schriften verboten. Ohne Anklage oder Gerichtsverfahren verschleppte man ihn im Mai 1942 in das KZ Sachsenhausen. Dort betätigte er sich als Seelsorger für seine Mithäftlinge. Bei der Evakuierung des Lagers am 4. Februar 1945 meldete er sich freiwillig zum Transport in das KZ Bergen-Belsen, wo er am 21. März 1945 an Fleckfieber verstarb.

Clemens August Kardinal Graf von Galen wurde am 16. März 1878 in Dinklage, geboren und starb am 22. März 1946 in Münster. Er war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. Bekannt wurde er vor allem durch sein öffentliches Auftreten gegen die Lehre der Nazis von der Vernichtung lebensunwerten Lebens. In seiner Predigt vom 3. August 1941 über Lukas 19, 41 Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie“ sagte er: „Es handelt sich hier ja nicht um Maschinen, es handelt sich nicht um ein Pferd oder eine Kuh… Nein, hier handelt es sich um Menschen, unsere Mitmenschen, unsere Brüder und Schwestern! Arme Menschen, kranke Menschen, unproduktive Menschen meinetwegen! Aber haben sie damit das Recht auf das Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind, solange wir von den anderen als produktiv anerkannt werden? Wenn man den Grundsatz aufstelle, dass man den unproduktiven Mitmenschen töten dürfe, dann sei keiner seines Lebens mehr sicher, keiner könne Vertrauen zum Arzt haben, und allgemeines gegenseitiges Misstrauen werde bis in die Familien hinein getragen.“ Martin Bormann wollte von Galen hängen lassen. Joseph Goebbels wollte keine katholischen Märtyrer während des Krieges und sprach sich dafür aus, die Ermordung von Galens auf die Zeit nach dem Endsieg zu verschieben, da er Unruhen im Münsterland befürchtete. Bischof von Galen wurde am 18. Februar 1946 von Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt und starb ca. 4 Wochen später. Am 9. Oktober 2005 wurde er durch Papst Benedikt XVI. selig gesprochen.

 

Eine Frage zum Nachdenken und Diskutieren:

Welche Parallelen und Unterschiede erkennt Ihr zwischen dem Leben Bonhoeffers und dem seiner oben genannten Zeitgenossen?

 

Lesen wir bis zum Rundbrief Oktober 2018:

Psalmen 107 – 109; Matthäus-Evangelium Kapitel 13, die Verse 24 – 30

 

Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe