Amerikas 250. Geburtstag oder: Trumps endgültig zementierte Spaltung der Nation

Von G. John, Vereinsmitglied.

Man wirft einen Blick auf die Bilder aus South Dakota und weiß sofort, welche Stunde es geschlagen hat. Keine Spur von feierlicher Würde. Keine Spur von einem Moment, der einem ganzen Land gehören könnte. Stattdessen blanke Machtpolitik vor einer gewaltigen Kulisse.
Was hier stattfand, war keine Feier für alle. Es war der endgültige Bau einer unüberwindbaren Mauer zwischen den Menschen.

Wir erlebten es an diesem 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Normalerweise ist dieses große Jubiläum ein festes Ritual: Ein Präsident nutzt den Moment, um die Gräben im Land zuzuschütten. Er spricht zur gesamten Bevölkerung und erinnert an das gemeinsame Fundament.

Doch Donald Trump hat diese alte Tradition endgültig zertrümmert.

Er hat die offiziellen Feierlichkeiten für ein zutiefst parteipolitisches Schauspiel missbraucht. Schon im Vorfeld warb er ungeniert damit, dass dies „the most spectacular TRUMP RALLY of them all“ („die spektakulärste Trump-Kundgebung von allen“) werden würde. Es ging nie um Amerika.
Es ging von Anfang an nur um ihn, seine Bewegung und das feste Einbetonieren seiner Macht über die Köpfe der anderen Hälfte hinweg.

Besonders deutlich wurde dieser tiefe Einschnitt in seiner Rede am Mount Rushmore. Dort zog Trump eine brutale, unversöhnliche Trennlinie mitten durch die Gesellschaft, die nun steinhart wird. Er erklärte wörtlich: „You can be a communist, or you can be a patriot. You cannot be both.“ („Man kann ein Kommunist sein, oder man kann ein Patriot sein. Man kann nicht beides sein.“) Das erinnert sehr an die McCarthy-Ära der 1960er-Jahre und ihre politischen Verfolgungen. Wer politisch anders denkt, wer den Demokraten angehört oder links der Mitte steht, wird einfach als Feind abgestempelt. Er wurde mit einem einzigen Satz aus der Gemeinschaft der wahren Patrioten ausgeschlossen. Das Land wurde im Moment seines größten Jubiläums unwiderruflich auf die Größe seiner eigenen Wähler geschrumpft.

Wenn das höchste Amt im Staat die Verantwortung für das ganze Volk aufgibt und stattdessen den totalen Kulturkampf ausruft, geht das Zusammenleben kaputt.

Dietrich Bonhoeffer erinnerte uns im Widerstand daran, dass echtes Handeln nicht aus purem Eigennutz oder billigen Prinzipien geschehen darf. Es muss aus lebendiger Verantwortung für den Mitmenschen geschehen. Verantwortung gilt immer dem Nächsten – nicht nur dem, der die gleiche Kappe trägt oder das gleiche Kreuzchen macht. Wer die Spaltung einbetoniert, verweigert sich dieser Verantwortung völlig.

Was wir in Washington und am Mount Rushmore sehen, ist eine unmissverständliche Warnung. Amerika – und damit eine der größten Mächte der Welt – zerfällt nicht mehr nur vorübergehend. Diese Spaltung ist nun dauerhaft festgemauert. Schlimmer noch: An der Spitze steht ein Mann, der den Hass als festes Fundament für seine Herrschaft braucht.

Wo die politische Sprache die Gräben nicht mehr überbrückt, sondern endgültig zementiert, ist die Demokratie bereits im Kern zerstört!

Trumps offenkundiges Ziel ist die Spaltung der Nation – ein Weg, der bereits im April 1861 im Bürgerkrieg gipfelte. Damals brannte es nur in den U.S.A. – heute reicht das Feuer bis an das Fundament unserer eigenen Haustür...