Andacht 2022-11-06 Kostbare Ebenbilder

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich begrüße Sie und Euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 6. November 2022. Wir lesen diese im Namen des Gottes, für den wir seine kostbaren Ebenbilder sind und daher im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 32 nach der Basis Bibel: Glücklich darf sich jeder schätzen, dessen Vergehen vergeben werden, dessen Sünden zugedeckt sind. Glücklich zu preisen ist der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet. So täuscht er sich nicht über sich selbst. Doch als ich meine Schuld verschwieg, verloren meine Glieder jede Kraft. Ich stöhnte den ganzen Tag. Tag und Nacht spürte ich, wie deine Hand mich niederdrückte. Ich lag da wie ein Feld, das die Sommerhitze ausgedörrt hat. Doch dann gestand ich dir meine Sünden und versteckte nicht länger meine Schuld. Ich sagte: Ich bekenne dem Herrn meine Vergehen! Da hast du die Schuld von mir genommen, die ich auf mich geladen hatte. Deshalb soll jeder Fromme zu dir beten, wenn er in Bedrängnis gerät. Wenn dann die Wellen hochschlagen, wird ihn das Wasser nicht erreichen. Du bist mein Schutz, bewahrst mich vor Bedrängnis. Du umgibst mich mit Menschen, die meine Rettung bejubeln. Freut euch über den Herrn und jubelt, ihr Gerechten! Seid alle fröhlich, die ihr aufrichtig seid!

Lesung: Evangelium nach Markus, Kapitel 2, die Verse 1 – 12 nach der Basis Bibel: Ein paar Tage später kam Jesus nach Kapernaum zurück. Es sprach sich herum, dass er wieder zu Hause war. Daraufhin strömten so viele Menschen herbei, dass der Platz nicht ausreichte –nicht einmal draußen vor der Tür. Jesus verkündete ihnen das Wort Gottes. Da brachten Leute einen Gelähmten zu Jesus. Er wurde von vier Männern getragen. Aber wegen der Volksmenge konnten sie nicht bis zu ihm vordringen. Deshalb öffneten sie das Dachgenau über der Stelle, wo Jesus war. Sie machten ein Loch hinein und ließen den Gelähmten auf seiner Matte herunter. Jesus sah, wie groß ihr Glaube war, und sagte zu dem Gelähmten: Mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen aber auch einige Schriftgelehrte dabei. Die dachten: Wie kann er so etwas sagen? Das ist Gotteslästerung! Nur Gott allein kann Sünden vergeben. Doch Jesus wusste sofort, was sie dachten. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Gedanken? Was ist einfacher? Dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder: Steh auf, nimm deine Matte und geh umher? Aber ihr sollt sehen, dass der Menschensohn von Gott Vollmacht bekommen hat. So kann er hier auf der Erde den Menschen ihre Sünden vergeben. Deshalb sagte er zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause. Da stand der Mann auf, nahm rasch seine Matte und ging weg – vor ihren Augen. Sie gerieten außer sich, lobten Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie erlebt. Amen.

Lied: Nun lasst uns Gott, dem Herrn Dank sagen, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 320, die Strophen 1 – 4:
Strophe 1: Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

Strophe 2: Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben; dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.
Strophe 3: Nahrung gibt er dem Leibe; die Seele muss auch bleiben, wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünden.
Strophe 4: Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben; Christus, für uns gestorben, der hat das Heil erworben.

Gedanken zur Lesung: Ich mag die Geschichte, die wir vorhin aus dem Evangelium nach Markus gelesen haben und die viele kennen dürften. Diese Geschichte kann man gut und anschaulich nacherzählen – sei es im Religionsunterricht oder in der Kinderstunde. Da ist der gelähmte Mann, der keinen Schritt tun und sich nicht rühren kann. Dann kommen Freunde, die davon gehört haben, dass Jesus Kranke heil macht und er gerade in die Stadt gekommen ist. Sie fackeln nicht lange und verabreden sich im Hause des Gelähmten. Sie heben ihn sofort mit seiner Liege auf und tragen ihn aus seinem Hause, schleppen ihn durch die Straßen und versuchen, in das Haus zu gelangen, wo Jesus predigt. Doch bis draußen stehen die Leute dicht gedrängt. An ein Durchkommen ist da nicht zu denken. Denn Sonderrechte für Behinderte gibt es damals schon gar nicht. Im Gegenteil: “Was wollt ihr denn mit dem hier“? „Selber schuld, wenn er nicht gehen kann!“, spotten die Leute. Die Männer lassen sich nicht abwimmeln, finden eine Leiter, besorgen Seile, Spitzhacke und Schaufeln und hieven ihren Freund auf das Flachdach und hacken es auf. Eigentumsbeschädigung ist ihnen egal. Denn es geht nur um eins - dafür zu sorgen, dass der Kranke irgendwie zu Jesus kommt. Die Proteste und das Kopfschütteln der empörten Menschen bringen sie nicht aus der Ruhe. Brocken fallen auf die Köpfe und in die Nacken der Menschen unter ihnen. Vielleicht fallen auch Brocken auf Jesu Kopf und in seinen Nacken. Der Protest des Hausbesitzers ist ihnen auch egal. Dieser hat sich bestimmt von seinem Besucher Jesus etwas anderes versprochen und nicht erwartet, dass sein Haus von Fremden demoliert wird. Immer größer wird das Loch, bis die Liege durchpasst, die sie dann an Seilen herablassen. Die Leute machen Platz und geben endlich Ruhe. Es wird auf einmal still. Jesus sieht auf die vier Männer da oben, die sich so mutig und entschlossen für ihren Freund einsetzen und damit einen Glauben an den Tag legen, der sich durch kein Hindernis abschrecken und aufhalten lässt. Dann sieht Jesus auf den Gelähmten. Er sieht, wie hundeelend dem zumute ist. Er sieht die Blicke verärgerter Menschen, die die Predigt von Jesus hören wollen. Jesus behält die Ruhe und spricht den Gelähmten liebevoll und fürsorglich an: „Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben.“ Mit meinen Worten heißt das: „Was dich klein und unbedeutend gemacht hat, was dir alle Hoffnung und allen Glauben genommen hat – das gilt nicht mehr. In Gottes Namen nehme ich das alles weg und sage dir: Du bist ein Sohn Gottes und hast damit eine Würde und einen Wert, der weit über dem liegt, was Menschen dir geben oder nehmen können.“ Und dann steht der Gelähmte auf, nimmt die Liege unter den Arm und geht freudestrahlend ins Leben zurück. Diese Geschichte enthält tiefgründige Wahrheiten über unser Leben und unseren Glauben. Da ist erstens das Verhältnis von Glauben und Heilungswunder. Normalerweise denken wir ja, der Glaube braucht das Wunder, braucht wunderbare Erfahrungen, um entstehen und lebendig bleiben zu können. Wie schnell geraten wir mit dem Glauben in eine Krise, wenn nicht kommt, worum wir bitten, wenn zum Beispiel die erhoffte Heilung von einer Krankheit nicht kommt. Und wer kennt nicht die Menschen, die selbstgefällig verkünden, dass sie den Glauben an Gott nicht mehr brauchen und für hirnlos abstempeln, weil es so viel Leid in der Welt gibt. Bei Jesus ist es aber genau umgekehrt. Da kommt der Glaube nicht aus dem Wunder, sondern bei ihm beginnt das Wunder mit dem Glauben. Bei ihm eröffnet der Glaube so etwas wie einen Weg, der zu einem Wunder werden kann. Wer glaubt, ergibt sich nicht schicksalsergeben in Krankheit und Not. Wer glaubt, kämpft dagegen an und entdeckt und mobilisiert, was ihm helfen kann. Der Glaube selbst ist hilfreich. „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus immer wieder. Ohne Glaube war auch Jesus hilflos. Da ist zum zweiten der stellvertretende Glaube. Der Glaube der Freunde des Gelähmten, der sich für den stark macht, in dem kein Glaube mehr ist, sondern nur noch Lähmung, Lähmung nicht nur der Muskeln, sondern auch des Herzens und des Selbstbewusstseins. Wer keinen Glauben mehr hat, gilt gerade unter Protestanten, bei denen alles auf den Glauben ankommt, als hoffnungsloser Fall. Das gilt aber nicht für Jesus, solange andere da sind, die für den Gelähmten glauben und sich dabei von nichts und niemandem aufhalten lassen. Eine moderne Fortsetzung der vier Freunde unserer Geschichte ist für mich unsere Rettung, wenn sie mit Martinshorn und Blaulicht die Vorfahrt für Verletzte erzwingt, die ganz und gar auf die Initiative anderer Menschen angewiesen sind. Auch hier kommt großer Glauben an Rettung und Heilung für den Verletzten zum Ausdruck. Wenn wir selbst innerlich leer und am Ende sind, dann vertrauen wir darauf, dass es Menschen gibt, die für uns hoffen, für uns beten und alles tun, damit uns geholfen wird. Und dann ist da noch die Frage, wieso vor der Heilung die Sündenvergebung steht. Was kann denn der Gelähmte schon getan haben, dass ihm erst die Sünden vergeben werden müssen? Gar nichts hat er getan. Er ist aber innerlich ganz starr geworden und hat sich schon lange aufgegeben, hat lange aufgegeben, sich als Geschöpf und Ebenbild Gottes zu sehen. Das ist Sünde im eigentlichen Sinne – keine verwerflichen Taten, keine moralische Schuld, sondern zuerst und vor allem ist Sünde Beziehungslosigkeit gegenüber Gott. Die muss erst aufgehoben werden, bevor der Weg des Glaubens hin zum Heilwerden beginnen kann. Diese Beziehung wiederherstellen, uns in die Gotteskindschaft zurückholen – das kann wirklich nur Gott allein. Und genau dazu ist Jesus in die Welt gekommen, um uns nahezubringen: Gott will uns, ist hinter uns her, und es gibt nichts, was uns trennen kann von der Liebe unseres himmlischen Vaters. Mit den Worten „Dir sind deine Sünden vergeben“, sagt Jesus dem Gelähmten: Deine Freunde haben Recht: Dir muss geholfen werden. Denn Gott legt Wert auf dich und will, dass du heil wirst und dich deines Lebens wieder freuen kannst. Ja, und dann tritt Heilung ein mit dem Wort „Steh auf!“ Und der Gelähmte steht auf.  Genau dieses Wort steht überall dort, wo es um die Auferstehung von den Toten geht. Und spätestens da kommen wir ins Spiel.  Sichtbar wird das darin, dass der Gelähmte durch ein Loch hinabgelassen wird – so wie das auf uns alle am Ende unsers Lebens zukommt. Und dann liegen wir wie der Gelähmte vor Jesus, der zu jeder und jedem von uns sagen wird: „Steh auf, geh ins Leben und fall in Gottes Hände. Amen.

Lied: Nun lasst uns Gott, dem Herrn Dank sagen, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 320, die Strophen 5 – 8:
Strophe 5: Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider alles Unheil; der Heilig Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen.

Strophe 6: Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben. Im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben!
Strophe 7: Wir bitten Deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen; du kannst‘s nicht böse meinen.
Strophe 8: Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesus Christus. Amen.

Fürbitten: Guter Gott!  Wir danken Dir, dass wir deine kostbaren Ebenbilder sind und dass wir uns auf Dich verlassen und Dir vertrauen können. Du schenkst uns Neuanfänge im Leben und im Glauben, die uns zum Besten dienen, auch wenn wir das manchmal nicht so empfinden. Im Vertrauen auf Dich bitten wir: Gib uns Kraft und Mut, dass wir unseren christlichen Glauben bekennen und unserer evangelischen Kirche die Treue halten! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für alle, die von Ängsten und Sorgen erdrückt werden; für alle, die Angst um ihre Existenz haben; für alle, die ihren Glauben verloren haben; für alle, die um einen lieben Menschen trauern. Tröste sie mit hoffnungsvollen Menschen, die ihnen Mut zusprechen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für eine gute Zukunft der Kinder und Jugendlichen; für alle, die wegen ihrer Religion und Hautfarbe benachteiligt oder verfolgt werden. Gib denen Kraft und Weisheit, die die Rechte und Würde dieser Menschen nicht aus den Augen verlieren! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für Frieden in der Welt und in unseren Familien; für unsere Verantwortung zur Natur; für alle, die wegen Krieg und Naturzerstörungen ihre Heimat verlassen müssen; Gib allen Menschen Kraft, Geduld und Weisheit, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Naturschutz einsetzen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für alle, die in den christlichen Kirchen, politischen Gemeinden, Tourismusverbänden, Rettungen und Schulen, Firmen und Vereinen und woanders Verantwortung haben! Segne sie, dass Ihre Worte und Taten mit Liebe zu den Menschen erfüllt sind. Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen: Ich wünsche Euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag an der Hand des Gottes, für den wir seine kostbaren Ebenbilder sind. Es segne Euch und Sie der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe