Andacht 2022-05-08 Gute Neuanfänge

Geschrieben von Super User on . Posted in Andachten

Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße Sie und Euch sehr herzlich zur Hausandacht für Sonntag, den 8. Mai 2022! Wir lesen diese im Namen des Gottes, der uns gute Neuanfänge im Leben und Glauben schenkt und daher im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: „All Morgen ist ganz frisch und neu“, Evangelisches Gesangbuch 440, die Strophen 1 – 4 
Strophe 1: All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

Strophe 2: O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.
Strophe 3: Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
Strophe 4: zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Psalm 8 nach der Basis Bibel: Herr, unser Herrscher, wie machtvoll ist dein Name auf der ganzen Erde! Deine Herrlichkeit strahlt über dem Himmel auf! Dem Geschrei von Kindern und Säuglingen hast du Macht verliehen über deine Widersacher. Feinden und Rachgierigen setzt du ein Ende. Schaue ich hinauf zum Himmel, staune ich über das Werk deiner Finger. Betrachte ich den Mond und die Sterne, die du dort oben befestigt hast, so frage ich: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, das Menschenkind, dass du dich seiner annimmst? Kaum geringer als Gott – so hast du den Menschen geschaffen. Du schmückst ihn mit einer Krone – so schenkst du ihm Herrlichkeit und Würde. Die Werke deiner Hände hast du ihm anvertraut. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt: Schafe, Ziegen und Rinder – alle zusammen, und dazu die wilden Tiere auf dem Feld, die Vögel am Himmel und die Fische im Wasser und was sonst die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, wie machtvoll ist dein Name auf der ganzen Erde!

Lesung: Evangelium nach Johannes, Kapitel 21, die Verse 15 - 19 nach der Basis Bibel: Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Da sagte Jesus zu ihm: Führe meine Lämmer zur Weide! Dann fragte er ihn ein zweites Mal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Petrus antwortete: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe! Da sagte Jesus zu ihm: Hüte meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Da wurde Petrus traurig, weil er ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er sagte zu Jesus: Herr, du weißt alles! Du weißt, dass ich dich lieb habe! Da sagte Jesus zu ihm: Führe meine Schafe zur Weide! Amen, amen, das sage ich dir: Als du jung warst, hast du dir selbst den Gürtel umgebunden. Du bist dahin gegangen, wohin du wolltest. Aber wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken.
Dann wird ein anderer dir den Gürtel umbinden. Er wird dich dahin führen, wohin du nicht willst. Mit diesen Worten deutete Jesus an, wie Petrus sterben und dadurch die Herrlichkeit Gottes sichtbar machen würde. Dann sagte Jesus zu Petrus: Folge mir!

Gedanken zur Lesung: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Diese Volksweisheit fiel mir ein, als ich über den Predigttext nachdachte. Auffällig ist die dreimalige Frage des auferstandenen Jesus an Simon: „Hast du mich lieb?“ Mit Simon ist Petrus gemeint. Irgendwie scheint Jesus misstrauisch gegenüber Petrus zu sein. Jesus hatte ja auch allen Grund dazu. Denn Petrus hat hoch und heilig geschworen, Jesus bis zum Letzten treu zu sein, mit ihm durch dick und dünn zu gehen, ihn niemals im Stich zu lassen und zu verleugnen. Doch Jesus hatte vorausgesagt, dass Petrus ihn dreimal verleugnen werde. So kam es auch. Als Jesus vor Gericht geschleppt, gefoltert und zum Tode am Kreuz verurteilt wurde, verließ Petrus sein Mut und er vergaß sein Versprechen. Als die Gefahr immer größer wurde, als ein Anhänger Jesu erkannt zu werden, wurde sein Angst zu groß, auch am Kreuz zu enden. Daher leugnete er, Jesus überhaupt jemals gekannt zu haben. Dreimal. Dann krähte der Hahn. Und Petrus erinnerte sich an die Worte Jesu und erkannte, wie tief er gesunken war, ging weg und weinte bitterlich. Vielleicht kennen sie auch die Situation: Gerade dort, wo man am meisten leidet und am allermeisten Freunde braucht, da wird man im Stich gelassen! Das hatte Jesus auf schmerzliche Weise erfahren müssen. Was aber tut man, wenn man so grausam verraten und verkauft worden ist? Wie geht man mit seiner Enttäuschung um? Entstehen aus ihr vielleicht Rache und Vergeltung? Und was braucht es, damit wieder Vertrauen entsteht? Jesus reagierte auf das Versagen des Petrus auf sehr liebevolle und einfühlsame Weise. Von ihm kam kein Vorwurf, keine Ablehnung, keine Rache! Er fragte seinen treulosen Jünger vielmehr: „Liebst du mich?“ Mit dieser Frage legte er den Finger in die noch offene Wunde des Petrus. Aber nicht, um zu moralisieren oder unter Druck zu setzen, sondern um zu heilen. Wie ein guter Therapeut half er Petrus seine Vergangenheit zu bewältigen, indem er den dunklen, wunden Punkt aussprach und ihn Petrus noch einmal durchleben ließ. Dreimal fragte Jesus: "Hast du mich lieb?“ – genauso oft, wie Petrus seinen Herrn verleugnet hatte. Hier geschieht so etwas wie ein Durcharbeiten der Vergangenheit. Ja, das zeichnet einen guten Therapeuten aus, dass er den Patienten dazu anleitet, sich seiner wunden Punkte und verdrängten Gefühle bewusst zu werden, sie zuzulassen, sie auszusprechen, sie nochmals zu durchleben in all ihrer Schmerzhaftigkeit. All die Gefühle von Angst und Schuld, von Wut und Versagen, müssen noch einmal oder mehrmals durchlebt und durchlitten werden, bevor man sie wirklich hinter sich lassen kann, bevor ein Heilungsprozess möglich ist. Deshalb konnte auch Petrus es zulassen, dass Jesus den Finger in seine noch offene Wunde legte und bekam dadurch die Kraft, sich den dunklen Punkten seiner Vergangenheit zu stellen. Er bekam auch das Vertrauen zurück, von Jesus geliebt und angenommen zu sein. Aus Liebe wollte Jesus seinem Jünger helfen, seine Vergangenheit zu bewältigen und wieder frei für die Gegenwart und Zukunft zu werden. Petrus nahm die vergebende Liebe seines Herrn und Meisters an, ja er ließ sich dadurch zu einem heilvollen Neuanfang mit seiner Liebe zu Jesus und mit seiner Selbstliebe motivieren. Er bekam von Jesus eine neue Aufgabe: „Weide meine Schafe!“ Damit übertrug Jesus ihm eine große Verantwortung. Er sollte seine Gemeinde aufbauen und leiten – und zwar mit seinen Fähigkeiten und Stärken und mit allem, was seine eigene Persönlichkeit ausmachte. Das Vertrauen und die Liebe Jesu vergab das Versagen und die Schuld des Petrus. Nicht nur für Petrus war es eine große Freude, geliebt zu werden. Das gilt auch für uns, obwohl wir uns manchmal wenig liebenswert verhalten. Petrus ging mutig mit dem Segen Jesu, predigte entschieden das Wort Gottes und gewann viele Menschen für Jesus und heilte Kranke. Petrus kam auch nach Rom und wurde dort gekreuzigt. Nach der Tradition war er der erste Bischof von Rom. Über seinem Grab wurde die große Peterskirche mit Sitz des Papstes erbaut. Der heutige Predigttext ist in dreifacher Hinsicht ein Mutmachtext. Er macht erstens Mut, mich meinen Problemen, meinen dunklen, wunden Punkten und Gefühlen meines Lebens zu stellen und sie mit einem kompetenten Gesprächspartner anzuschauen und sie nicht unter den Teppich zu kehren, damit Heilung und ein Neuanfang möglich wird. Er macht zweitens Mut, meine Sorgen, Ängste und Schuld, aber auch meine Hoffnungen und Sehnsüchte vor unserem Herrn und Heiland Jesus Christus hinzulegen, ihm diese anzuvertrauen und ihn um Heilung und einen heilvollen Neuanfang mit mir selbst, mit anderen Menschen und mit Gott zu bitten. Und er macht drittens Mut, Wunden, Probleme und Schuld unserer Zeit aufzuarbeiten und mit Gottes Hilfe zu lösen. Jede Generation steht vor anderen Herausforderungen und Krisen. Eine große Herausforderung und Krise habe ich vor kurzem mit unseren Konfirmanden besprochen, nämlich die zunehmende globale Erderwärmung, auch Klimawandel genannt. Die evangelische Kirche in Österreich hat das Jahr 2022 zum Jahr der Schöpfung erklärt und zur Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung aufgerufen.  Leider steht diese Verantwortung durch uns immer noch auf wackeligen Füßen. Unser Verhalten und Lebensstil haben sich nur teilweise und zu wenig grundlegend verändert. Vieles läuft im Grunde genommen so weiter wie gehabt. Ich sehe jetzt schon die Tränen unsere Kinder und Enkelkinder über die fortschreitende Naturzerstörung. Ich höre jetzt schon die klagenden Worte unserer Kinder und Enkelkinder: „Warum habt ihr zu wenig getan? War euch unser Leben nicht wichtig genug?“ Wir werden uns dann rechtfertigen und sagen: „Wir waren doch alle machtlos. Wir konnten nichts tun. Die Politik hat versagt.“ Doch das Hinundherschieben von Vorwürfen hilft letztendlich nicht weiter. Auch in diesem Zusammenhang ist das Aufarbeiten von schuldhaften Taten, Worten und Verhalten gegenüber Gottes Schöpfung nötig und sinnvoll. Hilfreiche Therapeuten können biblische Texte wie die Schöpfungspsalmen Psalmen 8 und 104 sein oder das Verweilen – entweder alleine oder mit anderen Menschen – in unserer schönen Natur in Kärnten, um dort Gottes Spuren und Wirken zu entdecken und zu fühlen. Unser Predigttext ist in der Tat ein Mutmachtext, weil er nicht nur dazu ermutigt, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, sondern auch eine Perspektive in die Zukunft eröffnet. So wie Simon Petrus kläglich versagt hatte, so versagen auch wir immer wieder. Aber auch uns gegenüber antwortet Jesus auf unser Versagen mit seinem Vertrauen und seiner Liebe. Auch uns überträgt er Verantwortung trotz unseres Versagens. So wie er damals Petrus erneut in die Nachfolge gerufen hat, so ruft er auch uns heute in die Nachfolge und Verantwortung, jeden auf seine Art und Weise, jeden an seinem Platz, jeden mit seinen Gaben und Fähigkeiten. Allerdings sollten wir uns im Klaren sein, dass wir mit unseren Worten und Taten nicht nur Lob und Lorbeeren ernten, sondern auch mit negativer Kritik und Nachteilen rechnen müssen. Aber das sollte uns nicht weiter stören. Denn wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Amen.

Lied: „Meine Hoffnung und meine Freude“, Evangelisches Gesangbuch 641
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Fürbitten: Guter Gott des Himmels und der Erde! Bei Dir ist kein Mensch vergessen. Du kennst uns alle mit Namen. Wir danken Dir, dass Du uns durch das Kreuz und die Auferstehung Deines Sohnes Deine wertschätzende und vergebende Liebe zusprichst. Du schenkst uns Neuanfänge im Leben und im Glauben, die uns zum Besten dienen, auch wenn wir das manchmal nicht so empfinden. Gib uns einen weiten Blick, damit wir nicht nur unsere Probleme, sondern auch die Not anderer wahrnehmen! Lass uns Gutes tun, ohne nachzurechnen, ob es sich auch lohnt! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für alle, die für ihr eigenes Leben oder das Leben anderer nur noch schwarzsehen, weil sie eine Krankheit plagt; weil sie keine Kraft mehr in sich finden; weil sie einen lieben Menschen verloren haben; weil sie wegen Krieg und Naturzerstörung auf der Flucht sind. Schenke ihnen Hoffnung und Zuversicht und lass sie spüren, dass sie nicht alleine sind! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für die Kinder und Jugendlichen dieser Welt, dass sie fröhliche und mutige Menschen werden, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und ein offenes Herz für ihre Mitmenschen haben! Im Vertrauen auf Dich bitten wir um Deinen Segen für die Verantwortung für unser kostbares Leben und für Deine gute Schöpfung als unsere einzige Heimat! Im Vertrauen auf Dich bitten wir darum, dass die Politiker dieser Welt zum Frieden trachten und dass wir alle Boten Deiner Liebe, Deines Friedens und Deiner Gerechtigkeit werden! Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche Euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag an der Hand des Gottes, der uns gute Neuanfänge im Leben und Glauben schenkt. Es segne Euch und Sie der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.                         

Lied: „Der Herr segne dich und behüte dich“, Evangelisches Gesangbuch 570, die Strophen 1 - 3
Strophe 1: Der Herr segne dich und behüte dich, und Freude leuchtet über deinen Wegen. Der Herr segne dich und behüte dich, in seine Hände kannst du alles legen.

Kehrvers: Amen, Amen, Amen, du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen, es wird Friede sein.
Strophe 2: Der Herr segne dich und behüte dich, der auch den fernsten Stern beim Namen nennt. Der Herr segne dich und behüte dich. Er ist’s, der auch dein Licht und Dunkel kennt. Kehrvers
Strophe 3: Der Herr segne dich und behüte dich. Er ging für dich den Weg, der Liebe heißt. Der Herr segne dich und behüte dich. Er leitet dich mit seinem guten Geist.

Kehrvers

Seid von Gott behütet!
Obmann Uwe