Andacht 2021-10-03 Freude

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 03. Oktober 2021. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gott bei uns ist und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Verse aus Psalm 32 nach der Lutherbibel von 2017: „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist! Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen. Freuet euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.“

Lesung: Evangelium nach Johannes, Kapitel 5, die Verse 1–16 nach der Basis Bibel: „Einige Zeit später war wieder ein jüdisches Fest und Jesus zog nach Jerusalem. Beim Schaftor in Jerusalem gibt es einen Teich mit fünf Säulenhallen. Auf Hebräisch wird dieser Ort Betesda genannt. In den Hallen lagen viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Menschen mit verkrüppelten Gliedern. Dort war auch ein Mann, der seit 38 Jahren krank war. Jesus sah ihn dort liegen und erkannte, dass er schon lange krank war. Da fragte er ihn: ‚Willst du gesund werden?‘ Der Kranke antwortete: ‚Herr, ich habe keinen, der mich in den Teich bringt, sobald das Wasser in Bewegung gerät. Wenn ich es aber allein versuche, steigt immer ein anderer vor mir hinein.‘ Da sagte Jesus zu ihm: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh!‘ Im selben Augenblick wurde der Mann gesund. Er nahm seine Matte und ging. Der Tag, an dem dies geschah, war ein Sabbat. Da sagten die Vertreter der jüdischen Behörden zu dem Geheilten: ‚Es ist Sabbat! Du darfst deine Matte nicht tragen!‘ Er antwortete ihnen: ‚Der Mann, der mich geheilt hat, der hat zu mir gesagt: Nimm deine Matte und geh!‘ Sie fragten ihn: ‚Wer ist das gewesen? Wer hat zu dir gesagt: Nimm deine Matte und geh!?‘ Der Geheilte wusste es aber nicht. Denn Jesus war in der Menschenmenge verschwunden, die sich dort versammelt hatte. Später traf Jesus den Mann im Tempel und sagte zu ihm: ‚Du bist gesund geworden! Lade keine Schuld mehr auf dich, damit dir nichts Schlimmeres geschieht.‘ Der Mann ging weg und berichtete den jüdischen Behörden: ‚Es war Jesus, der mich gesund gemacht hat.‘ Von da an verfolgten die jüdischen Behörden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.“ Amen.

Lied: „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen“, Evangelisches Gesangbuch, 272: „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen. Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja! Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!“

Gedanken zur Lesung: In Düsseldorf wurde 1982 die bekannte deutsche Rockband „Die Toten Hosen“ gegründet. Der Sänger heißt Campino. 2012 erschien ihr Lied, das bis heute im Radio zu hören ist: „Tage wie diese“. Dort heißt es: „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit. An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit. Ich wart' seit Wochen auf diesen Tag und tanz' vor Freude über den Asphalt. Kein Ende ist in Sicht.“ Ja, es gibt Tage, an dem man diese Unendlichkeit spürt und dann vor Freude über den Asphalt tanzen möchte. Man spürt Glück und Friede, Heil und Liebe. Diese Augenblicke sind intensiv und gut und sollten ewig bleiben. Solche Augenblicke erlebt der kranke Mann in unserer Geschichte. 38 Jahre liegt der Mann am Teich Betesda in Jerusalem und wartet und wartet, hofft und hofft Tag für Tag, dass er endlich in das heilende Wasser steigen und eintauchen kann. Er wartet und hofft nicht allein. Am Teich sind nämlich noch andere Kranke - Blinde, Lahme und Verkrüppelte. Die Menschen damals am Teich Betesda hatten eine magische Vorstellung: Wenn sich das Wasser bewegt, wird der Mensch gesund, der als Erster hineinsteigt. Doch der Mann schafft es wegen seiner Krankheit nicht, aus eigener Kraft zum Wasser zu kommen. Frust, Enttäuschungen und Wut muss er wohl gefühlt haben. Doch er bleibt am Teich sitzen. Er scheint viel Geduld zu haben, aber auch Hoffnung und Glauben. Er will leben und überleben und übernimmt so Verantwortung für sein Leben. Heute wird nicht nur von der Verantwortung für das eigene Leben, sondern auch von der für das eigene Sterben geredet und diskutiert. Wer ein Recht auf sein Leben hat, hat auch ein Recht über sein eigenes Sterben und über seinen eigenen Tod zu entscheiden. Auch heute gibt es unheilbare Kranke, die über Selbstmord oder über eine aktive oder passive Sterbehilfe nachdenken. Viele Zeitgenossen haben keine Angst vor dem Tod, aber vor einem langen Sterben und Dahinsiechen. Andere tragen auch über viele Jahre - ja bis zum Tod - Lasten und Probleme mit sich herum, die nicht bewältigt oder verarbeitet worden sind. Oft sind solche Lasten, die auf Körper, Geist und Seele drücken, vergangene oder gegenwärtige Beziehungen zu anderen Menschen. Viele kranke Zeitgenossen haben Hoffnung auf Heilung durch neue Medikamente und Therapien. Das Heilwasser war die letzte Hoffnung des kranken Mannes unserer Geschichte. Er beobachtet das Wasser und betet. Gebete brauchen Geduld und Offenheit. Gott erhört unsere aufrichtigen Gebete und antwortet darauf, aber oft nicht sofort, damit wir uns nicht zu sehr auf unseren Verstand verlassen, sondern vielmehr auf Gott. Aber wir wollen oft eine schnelle Antwort. Wenn wir keine Antwort Gottes spüren oder wahrnehmen, dann geben wir auf und lassen das Gebet. Wir brauchen Geduld, auf Gottes Antworten zu warten und auch Offenheit für Zeichen und Spuren Gottes in unserem Leben. Wir sollten offene Augen behalten, denn Gottes Antwort kommt nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Seine Lösungen sind manchmal ein wenig anders, so auch bei dem Mann. Nachdem er 38 Jahre auf das heilende Wasser wartet, begegnet er auf einmal Jesus. Jesus dürfte ihm wohl unbekannt sein. Vielleicht hat er von ihm gehört. Jesus sieht das Elend des Mannes, redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern kommt schnell auf den Punkt und fragt den Mann: „Willst du gesund werden?“ Diese Frage ist irgendwie merkwürdig, als ob der Mann vielleicht gar nicht gesund werden möchte?! Welcher Mensch will das nicht, wieder gesund werden und bleiben, also wieder richtig leben, durchatmen können und sich dann unendliche Freude wünschen. Was ist Gesundheit? Jeder will diese. Jeder weiß, wann diese fehlt. Gesundheit ist ein wichtiges Menschenrecht. Gesundheit ist die Kraft, im Alltag mit körperlichen und seelischen Einschränkungen so gut wie möglich zu leben. Jesus spricht das rettende Wort: „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ Sogleich wird der Kranke gesund, er nimmt seine Matte und geht. Überwältigung, Glück, Freudentränen, Lachen! Schmerzen und Frust sind weg. Ewig sollte für ihn dieser Glücksmoment anhalten! „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit. Ich wart' seit Wochen auf diesen Tag und tanz' vor Freude über den Asphalt. Kein Ende ist in Sicht.“ Wie selbstverständlich geht der Mann in den Tempel, um zu beten und Gott für seine Heilung zu danken. Nun muss der Mann als Gesunder das Leben neu anpacken und ordnen. Er muss ich neu orientieren. Jetzt wird er wohl auch Geld spenden, wenn er Kranken und Bedürftigen begegnet. Lebensumstellungen gibt es bei Menschen immer wieder: wenn Kinder oder Jugendliche erwachsen werden; wenn die Ausbildung abgeschlossen ist und das Berufsleben beginnt; wenn Kinder und Enkelkinder geboren werden; wenn liebe Menschen zu Grabe getragen werden müssen; wenn die Pension beginnt usw. Wann haben wir zum letzten Mal intensive Moment erlebt und uns gewünscht, sie würden ewig dauern? Ich hatte Mitte Juli einen solchen Moment. Ich taufte ein Kind, das als Frühchen geboren wurde. Sein Leben stand auf der Kippe. Das Kind hat es geschafft und überlebte mit Gebeten und der Fürsorge der Eltern und mit Hilfe der modernen Medizin. Die Eltern weinten bei der Taufe. In der Freude über ihr Kind spürte ich Gottes Gegenwart. Liebe Gemeinde, Jesus hat von der Liebe Gottes erzählt und Menschen geheilt. Für Jesus stand immer das heilige und von Gott gegebene Leben im Mittelpunkt. Deswegen sprach er vom Reich Gottes, das Gott selbst irgendwann mit dem ewigen Frieden und dem ewigen Heil aufrichten wird, denn Gott ist ein Gott des Lebens. Daher ist es sicherlich auch sein Anliegen, wenn wir trotz aller negativen Spuren in unserem Leben immer wieder aufs Neue sagen können: „Das Leben ist schön. An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit und Freude und Tanz über den Asphalt.“ Amen.

Lied: „Meine Hoffnung und meine Freude“, Evangelisches Gesangbuch, 641: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“

Fürbitten: Guter Gott! Stärke unseren Glauben und gib uns Kraft, anderen Menschen mit Liebe und Wertschätzung zu begegnen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für alle, die von Ängsten und Sorgen erdrückt werden; für alle, die um Ihre Existenz fürchten; für alle, die ihren Glauben verloren haben; für alle, die krank sind; für alle, die um einen lieben Menschen trauern! Tröste diese durch hoffnungsvolle Menschen, die ihnen Mut zusprechen und für sie beten. Im Vertrauen auf Dich bitten wir für eine gute Zukunft der Kinder und Jugendlichen; für alle, die wegen ihrer Religion und Hautfarbe benachteiligt oder verfolgt werden! Gib denen Kraft und Weisheit, die die Rechte und Würde dieser Menschen nicht aus den Augen verlieren! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für Frieden in der Welt und in unseren Familien; für unsere Achtsamkeit zur Natur; für alle, die wegen Krieg und Naturzerstörung ihre Heimat verlassen müssen! Gib allen Menschen, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Naturschutz einsetzen, Kraft, Geduld und Weisheit! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für das Personal in Krankenhäusern, Ordinationen und Seniorenheimen, bei den Rettungen und Feuerwehren, bei der Polizei und beim Bundesheer; für alle, die in den christlichen Kirchen, Schulen, Tourismusverbänden, politischen Gemeinden und woanders Verantwortung haben! Segne sie, dass ihre Worte und Taten mit Liebe zu den Menschen erfüllt sind! Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag an der Hand dessen, der bei uns ist. Es segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Bleibt von Gott behütet!

Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe