Andacht 2021-07-18 Gnade

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 18. Juli 2021. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gott uns gnädig ist und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freude“, Evangelisches Gesangbuch 503, Strophen 1+4+6
Strophe 1: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.“

Strophe 4: „Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen.“
Strophe 6: „Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise.“

Worte aus Psalm 91 nach der Lutherbibel von 2017: „Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Lesung: 1. Mose, Kapitel 3, Verse 1-21 nach der Basis Bibel: „Die Schlange war schlauer als alle anderen Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: ‚Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?‘ Die Frau erwiderte der Schlange: ‚Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen. Nur die Früchte von dem Baum, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott uns verboten. Er hat gesagt: ‚Esst nicht davon, berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr sterben!‘ Die Schlange entgegnete der Frau: ‚Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. Denn Gott weiß: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf. Ihr werdet wie Gott sein und wissen, was Gut und Böse ist.‘ Da sah die Frau, dass dieser Baum zum Essen einlud. Er war eine Augenweide und verlockend, weil er Klugheit versprach. Sie nahm eine Frucht und biss hinein. Dann gab sie ihrem Mann davon, und auch er aß. Da gingen den beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie banden Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze. Als am Abend ein kühler Wind blies, ging Gott der Herr im Garten umher. Der Mann und seine Frau hörten ihn kommen. Da versteckten sie sich vor Gott dem Herrn zwischen den Bäumen im Garten. Gott der Herr rief den Menschen und fragte: ‚Wo bist du?‘ Der Mensch antwortete: ‚Ich habe dich im Garten gehört und Angst bekommen. Ich habe mich versteckt, weil ich nackt bin.‘ Gott fragte: ‚Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?‘ Der Mensch entgegnete: ‚Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, hat mir davon gegeben, und ich habe gegessen.‘ Da fragte Gott der Herr die Frau: ‚Was hast du getan?‘ Die Frau erwiderte: ‚Die Schlange hat mich dazu verführt, und ich habe gegessen.‘ Da sagte Gott der Herr zur Schlange: ‚Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein – unter allem Vieh und allen Tieren auf dem Feld! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang. Ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau, zwischen ihrem und deinem Nachwuchs. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse beißen.‘ Zur Frau sagte er: ‚Jedes Mal, wenn du schwanger bist, wirst du große Mühen haben. Unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich bestimmen.‘ Und zum Mann sagte er: ‚Du hast auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen. Ich hatte dir aber verboten, davon zu essen. Daher soll der Erdboden deinetwegen verflucht sein! Dein Leben lang musst du dich abmühen, um dich von ihm zu ernähren. Dornen und Disteln wird er hervorbringen, du musst aber von den Pflanzen des Feldes leben. Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst. Denn aus ihm bist du gemacht: Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.‘ Der Mensch, Adam, gab seiner Frau den Namen Eva, das heißt: Leben. Denn sie wurde die Mutter aller Lebenden. Gott der Herr machte für Adam und seine Frau Kleider aus Fellen. Die zog er ihnen an. Dann sprach Gott der Herr: ‚Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiß, was gut und böse ist.‘“

Gedanken zur Lesung: Im ersten Buch Mose sind uns zwei Berichte überliefert, die von den Anfängen der Welt, also von der Schöpfung der Welt durch Gott, erzählen. Im ersten wird erzählt, wie Gott die Welt und alles Leben in sieben Tagen erschuf. Im zweiten hören wir von dem Leben im Garten Eden, also im Paradies. Dort herrscht Harmonie. Gott und Mensch sind ganz unmittelbar zusammen und sozusagen ein Traumpaar. Es ist eine Welt, in der alles heil und gut ist. Die heile und gute Welt wird aber eine ferne Heimat, aus der wir kommen und nach der wir uns sehnen. Die Schlange im Paradies war schlauer als alle Tiere des Feldes. Klug und schlau sein sind nichts Böses. Es gibt viele Menschen, die klug und schlau sind und dadurch zum Wohle der Menschen beitragen. Es gibt auch kluge Tiere. Die Schlange gehört anscheinend dazu. Warum wird gerade die Schlange erwähnt? Warum wird gerade sie immer wieder mit dem Bösen in Verbindung gebracht? Vielleicht, weil sich die Schlange listig und klug unbemerkt anschleicht, auf einmal da ist und blitzschnell zupackt. Die Schlange und auch andere Tiere, die eine schlechtes Image haben – der Wolf, der Hai, das Krokodil usw. – sind gute Geschöpfe Gottes, die ihren Platz in der Natur haben und keineswegs mit dem Teufel einen Pakt geschlossen haben. Aber da ist von Anfang an etwas in der Welt, das die Versuchung an den Menschen heranträgt. Es lässt sich nicht richtig festlegen, sondern nimmt immer neue Gestalten an. Da ist auch etwas in uns Menschen, was für die Versuchung empfänglich macht. Woher das kommt, bleibt im Dunkeln. Es ist aber da, und damit müssen wir leben. Der Mensch kann und will sich über Gott hinwegsetzen. "Von allen Früchten darfst du essen, nur von diesem Baum nicht, dann wirst du sterben", hatte Gott gesagt. Im biblischen Originaltext steht nichts von einem Apfel. Aber schon in der frühen Christenheit sieht man auf Bildern, wie Adam und Eva an einem Apfelbaum stehen. Wahrscheinlich geht es um eine bewusste Wortspielerei mit einem lateinischen Wort. Auf Lateinisch heißt das Böse malum“ und Apfel heißt „malus“. Durch diese Wortspielerei wird die Frucht anschaulicher. Aber Äpfel sind keine bösen Früchte, sondern gute. Die Frau lässt sich einreden, dass sie sich von Gott nicht behandeln lassen will wie ein Kind. Sie sagt ABER und setzt sich so über Gott hinweg und will sogar an seine Stelle treten. Weil sie nur so weiterkommen, lernen und alles in den Griff bekommen will. Verbote reizen zum Übertreten. Sein wie Gott, Macht, Einfluss und Wissen, das ist verlockend für den ersten Menschen. Das ist es auch für den modernen Menschen von heute, der durch die großen Fortschritte in den Naturwissenschaften Gott für ungeklärte Fragen nicht mehr braucht. Das erste Menschenpaar stirbt nicht, auch wenn es Gott gegenüber ungehorsam ist. Ihnen werden die Augen aufgetan. Sie sind klüger geworden. Das ABER-SAGEN gegenüber Gott bringt dem ersten Menschenpaar in seiner Selbst- und seiner Welterkenntnis voran. Sie sehen allerdings die negativen Konsequenzen. Bloßgestellt sind sie, auch verletzlich, schutzbedürftig und empfindlich. So gehen sie auf Distanz zueinander und zu Gott. Übrigens: Oft wird vorschnell schlecht über Eva geredet, weil sie ihren Mann zum Bösen verführt haben soll. Schaut man aber genau hin, dann wird eher die Rolle von Adam deutlich. Keine Rede davon, dass er verführt wurde! Adam macht einfach nach, was seine Frau ihm vormacht. Er schließt sich seiner Frau wortlos an und ist dann nichts anderes als ein Mitläufer. Von Frauenfeindlichkeit kann hier nicht die Rede sein. Der Mensch will sein wie Gott. Er klagt aber, dass Gott nicht da ist, wenn man ihn braucht. Er duckt sich weg und versteckt sich, wenn er Gottes Ruf hört. Tag für Tag sind wir doch dabei, uns zu rechtfertigen und uns Schuld vom Leibe zu halten. Wir tun das auch dann, wenn gar kein Ankläger da ist. Gottes Ruf steckt immer schon in unserem Leben drin. „Adam, Mensch, wo bist du? Mensch, warum zeigst du dich nicht?“, fragt Gott. In unserer menschlichen Existenz geht es oft um das ewige Schuldverschieben und Schuldverdrängen. Adam entschuldigt sich. Sie verweist anklagend auf Eva. Und sie entschuldigt sich und verweist auf die Schlange. Als all die Verbrechen der Nazis ans Tageslicht kamen, haben diese Verbrecher gesagt: „Nicht schuldig. Ich bereue nichts. Ich habe nur meine Pflicht getan.“ Schuld trifft nie nur den einzelnen allein, weil er mit seiner Schuld immer in einem größeren Zusammenhang verwoben und verstrickt ist. Alle machen sich dann gerne klein, schauen weg, weil keiner verantwortlich sein will. Deshalb hört Gott nicht auf, den Menschen zu rufen, Verantwortung für seine Schuld zu übernehmen und umzukehren. Der Ungehorsam des ersten Menschenpaares gegenüber Gott verändert die Welt. Aus dem Sein-Wollen-wie-Gott und dem ständigen Schuldverschieben und Schuldverdrängen des Menschen hat Gott Konsequenzen gezogen. Die gute Schöpfung und der traumhaft schöne Lebensraum für Tiere und Menschen bekommen lebensfeindliche Risse. Mensch und Tier können zwar gut miteinander leben, aber es gibt auch eine Feindschaft zwischen ihnen, die auf Leben und Tod geht. Zwar kann der Mensch sich gefährliche Tiere vom Leibe halten, aber Tiere können auch Überträger von gefährlichen Krankheiten sein – denken wir an Aids und Corona. Es ist ein wahrer Segen, dass Frauen das Leben in sich wachsen lassen und es weitergeben können, aber Schwangerschaft, Geburt und Erziehung sind auch heute noch mit Angst, Schmerzen und Sorgen verbunden. Junge Frauen von heute meinen, die Nachteile des Mutterseins würden durch den Segen und das Glück von Muttersein nicht mehr ausgeglichen. Frauen entscheiden sich bewusst, keine Kinder in die Welt zu setzen, weil die Welt zum Beispiel durch die ökologische Krise nicht mehr so lebenswert sei, um Kindern eine gute Zukunft garantieren zu können. Es gehört zu den größten Freuden des Menschen, dass Gott ihn als Frau und Mann geschaffen hat und die beiden eine große Anziehungskraft füreinander empfinden. Die körperliche Überlegenheit des Mannes über die Frau ist zugleich eine Quelle von Angst und Demütigung. Viele Frauen haben Angst und trauen sich nicht, im Dunkeln allein auf der Straße zu sein oder in der Bahn zu sitzen. Viele Frauen leiden unter der Gewalt ihrer Männer, die still und heimlich in den eigenen vier Wänden passiert. Was für ein Segen ist es für den Menschen, arbeiten zu können! Da kann er zeigen, was in ihm steckt, kann seine Fähigkeiten und Stärken ausspielen, kann sich an der Gestaltung des Lebens beteiligen und sich mit anderen Menschen abstimmen und ergänzen.  Wieviel Unmut und Ärger handelt man sich aber auch mit zu viel Arbeit ein - Stress und Zeitnot, Burnout und psychische Krankheiten. Dadurch, dass der Mensch sich mit seinem widerspenstigen ABER von Gott abgesetzt hat und sich immer noch von ihm absetzt, gerät er in den Schatten des Todes, der sich trotz moderner Medizin  unauffällig anschleicht und plötzlich zupackt. Oft leben wir fern von und ohne Gott. Das nennt die Bibel Sünde. Aber wir sind von ihm nicht verlassen. Das ist eben der qualitative Unterschied zwischen Gott und Mensch. Fürsorglich - so wird am Ende erzählt - näht Gott Kleidungsstücke für die Menschen, damit sie dem Leben außerhalb des Paradieses nicht ungeschützt ausgesetzt sind. Er kümmert und sorgt sich um sie und auch heute um uns. Letztendlich ist Gott selbst der Erhalter seiner Schöpfung. Denn solange die Erde stehet, soll nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Gott geht sogar selbst auf die Anklagebank und übernimmt die Schuld der Menschen, indem er sich selbst durch Jesus Christus am Kreuz dem Leiden und Sterben aussetzt. Auch wenn wir Menschen immer wieder dazu neigen, zu Gott ABER zu sagen, wie Gott sein zu wollen und damit unsere Mündigkeit unterstreichen wollen – das letzte ABER spricht Gott selbst. Dieses letzte ABER ist seine vergebende Liebe in Jesus Christus, unserem Herrn. Und das bedeutet weiterhin Leben für die Welt. Amen.

Lied: „Ach, bleib mit deiner Gnade“, Evangelisches Gesangbuch 347, Strophen 1+5
Strophe 1: „Ach bleib mit deiner Gn ade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.“

Strophe 5: „Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.“

Fürbitten: Guter Gott! Stärke unseren Glauben an Dich und unser Bekenntnis zu Dir! Gib uns Weisheit und Kraft, böse Mächte in der Welt zu erkennen und ihnen zu widerstehen! Mach uns frei, dass wir voll Vertrauen und ohne Angst mit Dir reden können! Hilf uns, Dir zu sagen, worüber wir froh sind und was uns Kummer macht, womit wir noch nicht fertig sind und wonach wir uns sehnen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir: für alle, die von Ängsten und Sorgen erdrückt werden; für alle, die unter Stress und Zeitnot leiden; für alle, die ihren Glauben verloren haben; für eine gute Zukunft der Kinder und Jugendlichen; für alle, die wegen Krieg und Naturzerstörungen ihre Heimat verlassen müssen; für alle, die wegen ihrer Religion benachteiligt oder verfolgt werden; für alle, die schwer krank sind oder im Sterben liegen; für alle, die einen lieben Menschen verloren haben; für alle, die in den Kirchen, in der Wirtschaft und Politik, in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Tourismusverbänden und woanders Verantwortung haben; für Frieden in der Welt und in unseren Familien und für unsere Achtsamkeit zur Natur. Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag an der Hand dessen, der uns gnädig ist! Es segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Lied: „Ach, bleib mit deiner Gnade“, Evangelisches Gesangbuch 347, Strophe 4:
„Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.“

Bleibt von Gott behütet!
Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe