2015-08 Frieden

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HAPAX und herzliche Grüße zum Rundbrief August 2015!

Dietrich Bonhoeffers Friedensverständnis ist geprägt durch die Unterscheidung zwischen Frieden und Sicherheit. Dies macht er sehr deutlich auf der ökumenischen Fanö-Konferenz (Insel in Dänemark), die er dort am 28.8.1934 gehalten hat (abgedruckt in DB-Werke Band 13, Seiten 298 – 301):

„…Zwischen den Klippen des Nationalismus und des Internationalismus ruft die ökumenische Christenheit nach ihrem Herrn und nach seiner Weisung…Aber die Ökumene fragt nicht nach diesen, sondern nach den Geboten Gottes und ruft diese Gebote Gottes ohne Rücksicht mitten hinein in die Welt…„Friede auf Erden“, das ist kein Problem, sondern ein mit der Erscheinung Christi selbst gegebenes Gebot. Zum Gebot gibt es ein doppeltes Verhalten: den unbedingten, blinden Gehorsam der Tat oder die scheinheilige Frage der Schlange: sollte Gott gesagt haben? Diese Frage ist der Todfeind des Gehorsams, ist darum der Todfeind jeden echten Friedens. Sollte Gott nicht die menschliche Natur besser gekannt haben und wissen, daß Kriege in dieser Welt kommen müssen wie Naturgesetze? Sollte Gott nicht gemeint haben, wir sollten wohl von Frieden reden, aber so wörtlich sei das nicht in die Tat umzusetzen? Sollte Gott nicht doch gesagt haben, wir sollten wohl für den Frieden arbeiten, aber zur Sicherung sollten wir doch Tanks und Giftgase bereitstellen? Und dann das scheinbar Ernsteste: Sollte Gott gesagt haben, Du sollst dein Volk nicht schützen? Sollte Gott gesagt haben, Du sollst Deinen Nächsten dem Feind preisgeben? Nein, das alles hat Gott nicht gesagt, sondern gesagt hat er, daß Friede sein soll unter den Menschen, daß wir ihm vor allen weiteren Fragen gehorchen sollen, das hat er gemeint. Wer Gottes Gebot in Frage zieht, bevor er gehorcht, der hat ihn schon verleugnet. Friede soll sein, weil Christus in der Welt ist, d. h. Friede soll sein, weil es eine Kirche Christi gibt, um deretwillen allein die ganze Welt noch lebt…Wie wird Friede? Durch ein System von politischen Verträgen? Durch Investierung internationalen Kapitals in den verschiedenen Ländern? d. h. durch die Großbanken, durch das Geld? Oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung zum Zweck der Sicherstellung des Friedens? Nein, durch dieses alles aus dem einen Grunde nicht, weil hier Friede und Sicherheit verwechselt wird. Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muß gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und läßt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Mißtrauen haben, und dieses Mißtrauen gebiert wiederum Krieg. Sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen. Friede heißt sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes, keine Sicherung wollen, sondern in Glaube und Gehorsam dem allmächtigen Gott die Geschichte der Völker in die Hand legen und nicht selbstsüchtig über sie verfügen wollen. Kämpfe werden nicht mit Waffen gewonnen, sondern mit Gott. Sie werden auch dort noch gewonnen, wo der Weg ans Kreuz führt. Wer von uns darf denn sagen, daß er wüßte, was es für die Welt bedeuten könnte, wenn ein Volk – statt mit der Waffe in der Hand – betend und wehrlos und darum gerade bewaffnet mit der allein guten Wehr und Waffe den Angreifer empfinge?...Noch einmal darum: Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, daß die Welt es hört, zu hören gezwungen ist?, daß alle Völker darüber froh werden müssen? Der einzelne Christ kann das nicht – er kann wohl, wo alle schweigen, die Stimme erheben und Zeugnis ablegen, aber die Mächte der Welt können wortlos über ihn hinwegschreiten. Die einzelne Kirche kann auch wohl zeugen und leiden – ach, wenn sie es nur täte - aber auch sie wird erdrückt von der Gewalt des Hasses. Nur das Eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, daß die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muß und daß die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt…Wir wollen reden zu dieser Welt, kein halbes, sondern ein ganzes Wort, ein mutiges Wort, ein christliches Wort. Wir wollen beten, daß uns dieses Wort gegeben werde, – heute noch – wer weiß, ob wir uns im nächsten Jahr noch wiederfinden?“

Das folgende Lied/Gedicht des deutschen Gemeinde- und Jugendpfarrers Dieter Stork gibt Bonhoeffers Friedensgedanken wieder (abgedruckt in: Echelmeyer, Gustav / Stork, Dieter: Dietrich Bonhoeffer. Ein Lese- und Werkbuch für Schule und Konfirmandenunterricht mit Anregungen und Impulsen für die Arbeit mit Kindern vom 4. Schuljahr an, Neukirchen-Vluyn 2007, Seiten 23-24).

Frieden

  1. „Es gibt keinen Weg zum Frieden wegen der Sicherheit. Nur Friede bringt Kriege zum Frieden im bitterbösesten Streit. Der Friede verzichtet auf Waffen, setzt sich aufs Spiel und sagt, dass Frieden nur die Versöhnung, und nichts als Versöhnung wagt.
  1. Es brechen, wohin wir auch schauen, unendliche Kriege hervor. Er möchte dem Frieden nicht trauen, der Mensch, der den Frieden doch schwor. Es sterben in Angst die Bedrängten, weil Krieg in der Ferne nicht stört. Wagt Frieden, ihr Völker, wagt Frieden, die ihr den Friedensruf hört.
  1. Man kann am Krieg gut verdienen? Und Arbeit und Brot, die tun Not? Ach, legt doch, Nationen der Erde die Zukunft offen vor Gott. Wie werden wir Kämpfe gewinnen? Wenn wir der Ohnmacht vertraun und Häuser des zärtlichen Friedens aus Asche und Trümmern neu baun.
  1. Denn wer von uns könnte sagen, er wüsste, was schließlich passiert, wenn alle den Frieden wagen, wie Christus am Kreuz ihn riskiert? Er, der auf Kriege verzichtet, getötet – und hat uns beschenkt mit Frieden, der Kinder behütet und Menschen mit Zukunft bedenkt!“

Refrain nach jeder Strophe:

„Es gibt keinen Weg zum Frieden außer den Frieden selbst! Christus, unser Friede! Christus, unser Friede.“

Hass, Gewalt und Krieg sind letztendlich keine Lösungen. Nur Christus ist unser Friede und die einzig wahre Antwort auf Krieg. Wir wissen das! Weil aber – wie es leider in Strophe 2 heißt – der Mensch anscheinend dem Frieden nicht traut, wird es wohl immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen und auch zu Gewalt, um Freiheit und Frieden zu gewährleisten. Das dürfte wohl auch Bonhoeffer gesehen haben, als er sich der Verschwörung gegen Hitler anschloss, um ihn mit Gewalt zu beseitigen. Heute wütet der Terror des Islamischen Staates in einigen Staaten dieser Welt. Auch hier gilt, dass die Antwort demokratischer Staaten mit Waffen letztendlich nur mehr Gewalt bringen wird. Aber um die extreme Unmenschlichkeit des Islamischen Staates zu stoppen, sehe ich gegenwärtig keine Alternative als den Einsatz von schlagkräftigen Waffen der westlichen Welt. Aber das sollte die Ultima Ratio sein!

Lesen wir weiter bis zum vierten Rundbrief im September 2015:

Psalmen 7 – 9; Bergpredigt Jesu in Matthäus 5, 21 – 26.

Beste HAPAX-Grüße, Euer Obmann Uwe