2015-06 Der erste Rundbrief, Sinn und Ziel der Rundbriefe

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum ersten Rundbrief Juni 2015!

 

Dietrich Bonhoeffer war von 1935 – 1937 Leiter des Predigerseminares der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Nähe Stettin, heute Polen). Dieses wurde am 24. Juni 1935 eröffnet und am 28. September 1937 durch die Gestapo geschlossen. Die Ausbildung ging aber illegal an anderen Orten weiter. Bonhoeffer bildete in Finkenwalde angehende Pfarrer der Bekennenden Kirche aus und lebte mit ihnen zusammen. Die jeweiligen Kurse dauerten fünf bis sechs Monate. Für die ehemaligen Kursteilnehmer, die mittlerweile Pfarrer geworden waren, schrieb Bonhoeffer und einige seiner Schüler (z. B. sein bester Freund Eberhard Bethge) sogenannte Rundbriefe, um nicht nur Kontakt mit den ehemaligen Brüdern zu halten, sondern auch um diese für Ihren Dienst als Pfarrer aufzubauen und zu ermutigen. Diese Rundbriefe hatten Themen aus Kirche und Theologie, Politik, Gesellschaft und Wissenschaften. Am Ende der Rundbriefe standen Textvorschläge aus der Bibel, die gelesen und studiert werden sollten. Der letzte persönliche Rundbrief von Dietrich Bonhoeffer ist am 29. November 1942 verfasst worden.

 

Ich habe auf der letzten monatlichen Versammlung vom 13. Mai 2015 angedeutet, dass ich beginnend mit Juni 2015 monatlich an alle Mitglieder unseres Vereins HAPAX Rundbriefe schreiben werde, um die Kommunikation und Diskussion unter den Vereinsmitgliedern zu befruchten und um das Profil unseres Vereins, das vor allem in den Paragraphen eins und zwei unserer Statuten beschrieben wird, zu fördern.

Diese Rundbriefe sind als Denkanstöße gedacht und können in den Versammlungen diskutiert werden.

 

Ich werde wie Bonhoeffer Themen aus Kirche und Religion, Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft wählen oder auch Themen, die mich gerade beschäftigen. Textvorschläge aus der Bibel zum Studieren schließen den Rundbrief.

Dietrich Bonhoeffer starb am 9. April 2015 im KZ Flossenbürg als Märtyrer. Wer ist ein Märtyrer? So fragt der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und erläutert seine Sichtweise und Antwort in seinem Aufsatz „Wer ist ein Märtyrer?“ (erschienen in der Zeitschrift Herder Korrespondenz 69, 2015, SS. 173 – 177) bzw. in seinem 2015 erschienenen Buch „Entschiedenheit und Widerstand“. In seinem Aufsatz schreibt er (Seite 174): „Die meisten Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts starben nicht nur wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben oder, wie in der Anfangszeit der Kirche, im Namen Jesu, sondern wegen der Konsequenzen, die das Christsein für sie im öffentlichen Raume hatte. Sie starben als Märtyrer des Friedens und der Gerechtigkeit, als Märtyrer der Nächstenliebe und der Solidarität mit den Armen und Unterdrückten. Der Grund, warum sie mit den Mächtigen in Konflikt gerieten, war in der Regel nicht ihr religiöses Bekenntnis, zumindest nicht im Sinn eines formellen Anklagetitels, sondern ihre Bereitschaft, die mit ihrem Glauben verbundenen ethischen Konsequenzen mit äußerster Entschlossenheit ernst zu nehmen.“

Dietrich Bonhoeffer war also ein solcher Märtyrer, der mit äußerster Entschlossenheit im öffentlichen Raum die hässlichen und mörderischen Fratzen der Nazis anprangerte, weil diese mit den christlichen Werten wie Frieden und Gerechtigkeit nicht zusammen passten.

Ein solcher Märtyrer war auch der Jesuit Alfred Delp. Wie Dietrich Bonhoeffer war Alfred Delp von den Nazis verhaftet worden und war in Berlin inhaftiert. Beide sind sich aber nie begegnet. In seinen Gefängnisschriften fordert Alfred Delp, dass die Kirchen sich entschlossen in den Dienst des Menschen stellen und den Kampf um eine menschenwürdige Ordnung des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Lebens aufnehmen sollten und auch die Verteidigung des Menschen als Menschen.

Haben wir als Vereinsmitglieder von HAPAX auch genügend Mut, Überzeugung und Kraft, im öffentlichen Raum für die Überzeugung des Vereins einzutreten? Wir werden sicherlich auch Erklärungen und Schriften veröffentlichen und Worte sagen, die uns nicht nur Beifall bringen, sondern auch massive Kritik und Anfeindungen. Themen für solche Erklärungen unseres Vereins, die dann auch in den öffentlichen Raum gestellt werden müssen, gibt es genug. Denken wir gegenwärtig an die menschenverachtende Forderung von Errichtung von Zeltlagern für Flüchtlinge, die bestimmt nicht freiwillig ihre Heimat verlassen haben. Dass fordern auch Politiker eines modernen demokratischen Staates Österreich!

In der Fresacher Erklärung zur Toleranz, die vom Verein DenkRaum Fresach im Mai 2015 verabschiedet wurde, heißt es: „Toleranz bedeutet die Aufnahme von Menschen, deren Lebensumstände und -bedingungen sie zur Flucht getrieben haben. Toleranz bedeutet Respekt und Anerkennung und schafft Frieden.“ Möge Gott unseren Verein HAPAX segnen und beistehen, damit wir uns entschieden und gemeinsam für Frieden und Toleranz, Respekt und Anerkennung einsetzen.

Dietrich Bonhoeffer hat die Psalmen und die Bergpredigt sehr geschätzt.

Lesen und studieren wir schrittweise alle 150 Psalmen und die Bergepredigt!

Beginnen wir bis zum nächsten Rundbrief im Juli 2015 zunächst mit der Meditation der Psalmen 1–3 und von Matthäus 5, 1–12!

Beste HAPAX-Grüße, Euer Obmann Uwe