2019-04 HAPAX - Wir sind online

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief April 2019!

Am 9. April 2015 gründeten wir zum 70. Todestag Bonhoeffers (9. April 1945) unseren Verein HAPAX im Pfarrhaus Wiedweg, der nun vier Jahre jung ist.

Drei Jahre vor der Gründungsversammlung habe ich unseren Vereinsmitgliedern Ilse Maier und Gerhard Freundl von meiner Idee, einen Bonhoeffer-Verein zu gründen, erzählt. Meine Idee wurde vor allem durch eine Predigt Bonhoeffers in London inspiriert und vorangetrieben (siehe mein kurzes Statement auf unserer Homepage!).

Ilse und Gerhard haben meine Idee unterstützt. Daraufhin haben wir noch andere Interessierte gefunden und in vielen kleinen Schritten die Statuten ausgearbeitet. Außerdem besuchte ich in München Mitglieder des Deutschen Bonhoeffer-Vereins, um mit diesen wegen unserer Vereinsgründung zu reden.

Gründungsversammlung 09 04 2015 kleinGründungsversammlung am 9. April 2015

Derzeit haben wir 36 Mitglieder, 34 Personen, den Deutschen Dietrich-Bonhoeffer-Verein und den Verein Ev. Studentenwohnheim Linz Dietrich Bonhoeffer. Ich bedanke mich herzlich bei allen Vereinsmitgliedern für Ihre Mitgliedschaft.

Der Vorstand unseres Vereins hat im Herbst 2018 die Errichtung einer Homepage beschlossen. Die Zeit dazu war reif. Zum vierten Gründungstag am 9. April 2019 werden wir mit unserer neuen Homepage online sein – www.hapax.at. Wir (Dagmar Gangl, Goetz John und ich) haben als Redaktionsteam des Vereins mit ca. 250 Stunden eine ansprechende Homepage gestaltet. Ein herzliches Vergelt‘s Gott!

Ich gehe davon aus, dass unser Verein bekannter und größer wird und dass wir auch mit den Beiträgen und Kommentaren unserer Vereinsmitglieder in Österreich und weltweit ein vielfältiges Echo auslösen können.        

Wolfgang Huber, emeritierter Professor für systematische Theologie und ehemaliger Vorsitzender des Rates der Ev. Kirche in Deutschland, hat 2019 ein Buch über Bonhoeffer veröffentlicht: Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit. Ein Portrait, München 2019. Dieses Buch steht in unserer Bonhoeffer-Bibliothek.

Im Epilog seines Buches, den ich im Folgenden in Auszügen zusammenfasse, sind die letzten Worte Bonhoeffers kurz vor seiner Hinrichtung im KZ Flossenbürg am 9. April 1945 abgedruckt. Diese stehen auch als Zitat des Monats auf der ersten Seite unserer Homepage unter dem beeindruckenden Bild unseres Vereinsmitgliedes Ute Korell: „Das ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens."

Epilog: „Was bleibt“ (S. 279 – 300): „Fragt man nach Personen aus dem Bereich der christlichen Theologie, deren Stimme nach 1945 weltweit ein vielfältiges Echo auslösten, so ist…insbesondere Dietrich Bonhoeffer zu nennen…Dass er mit seiner ganzen Existenz für seine Überzeugung eingetreten war und wegen des Widerstands aus Glauben sein Leben verloren hatte, war der Grund für eine solche Würdigung…

Für die Auseinandersetzung mit Bonhoeffer in Deutschland sind drei Themenfelder zentral: Die Frage der politischen Resistenz, die Verantwortung für den Frieden und die öffentliche Rolle der Kirche.

Für die Frage politischer Resistenz orientierte man sich an der prominenten Rolle, die Bonhoeffer im Kreis der Konspiration gegen das Hitler-Regime zuerkannt wurde, sowie an der herausgehobenen Bedeutung des Wortes Widerstand…

Bonhoeffers Beispiel diente dazu, Klarheit in der politischen und ethischen Beurteilung widerständigen Handelns zu gewinnen…

In Westdeutschland berief man sich auf Bonhoeffers Beispiel, um den zivilen Ungehorsam als Mittel der politischen Demonstration aus moralischen Gründen zu legitimieren. Zugleich spielte sein Beitrag für eine Verantwortungsethik eine zentrale Rolle. Nicht eine vermeintliche Heldenhaftigkeit der eigenen Taten, sondern die Frage, wie zukünftige Generationen leben können, trat als entscheidender Maßstab der Resistenz hervor, für die Bonhoeffer…in Anspruch genommen wurde…Während Bonhoeffers eigener Weg vom Pazifismus…zum Widerstand führte, verlief der Weg seiner Rezeption umgekehrt, nämlich vom Widerstand zur Verantwortung für den Frieden.

Immer wieder wurde Bonhoeffers Appell an das ‚Eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt zitiert“, das die ‚Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt‘…

Die christliche Friedensethik steht…vor großen Herausforderungen. Sie wandelt sich vielerorts von einer Ethik des gerechten Krieges zu einer Ethik des gerechten Friedens…Keine öffentliche Theologie kommt ohne ein Nachdenken über die Kirche und ihren Ort in der Öffentlichkeit aus…

Bonhoeffers Wirklichkeitsverständnis war durch die Überzeugung bestimmt, dass in Jesus Christis die Gotteswirklichkeit in die Weltwirklichkeit eingehe…Weltweite Migrationsbewegungen, digitale Transformation, Klimawandel und demographische Veränderungen bilden dafür heute die größten Herausforderungen…Bonhoeffer stand mehrfach in seinem Leben vor der inneren Notwendigkeit, neu anzufangen…

Als er schließlich das Ende seines Lebens vor Augen hatte, wurde ihm auch das zu einem neuen Anfang, wie seine letzten überlieferten Worte an Bischof George Bell bezeugen: ‚Das ist für mich das Ende, aber auch der Beginn.‘

Im Angesicht des Todes hielt er sich an die Gnade Gottes: sein letzter Neubeginn transzendierte sein irdisches Leben…Die neuen Anfänge, die sein Leben prägten, führten Dietrich Bonhoeffer immer wieder zu einer ‚innerste[n] Konzentration für den Dienst nach außen‘…

Inzwischen wirken die großen globalen Fragen – Klimawandel und Bevölkerungswachstum, Terror und Flucht, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, Digitalisierung und religiöser Fundamentalismus, Populismus und gesellschaftliche Spaltung – so einschüchternd, dass sich viele Menschen von der Auseinandersetzung mit ihnen überfordert fühlen…

Von Bonhoeffer lässt sich lernen, solchen Fragen nicht auszuweichen…Gerade angesichts der Umwälzungen, die Bonhoeffer in seiner Gefängniszeit kommen sieht, wächst seine Sehnsucht nach einer Christenheit und einer Kirche, die betet, das Gerechte tut und auf Gottes Zeit wartet… Über seinen Tod hinaus wirkte und wirkt Dietrich Bonhoeffer nicht zuletzt durch seine Gedichte, die er in der Zeit seiner Inhaftierung zu Papier brachte und die seinen Tod überdauerten.

Das berühmteste von ihnen wird im Allgemeinen nach seinen Anfangsworten zitiert: Von guten Mächten…Im Angesicht des Todes fand Bonhoeffer die Kraft zu derart stillen und zuversichtlichen Zeilen…

Nur die Worte ‚Von guten Mächten‘ zu Beginn lassen schon anklingen, was am Ende kommt und auch ans Ende gehört: die verhaltene Sprache eines Vertrauens auf Gott, eine Sprache, in der sogar der Gottesname erst ganz zum Schluss auftaucht, damit dieses Vertrauen jeden auf seine Weise erreichen kann. Dieses Vertrauen, so still und persönlich, so unsentimental und ergreifend es in diesem Gedicht formuliert wird, bildet eine Summe dessen, was man Dietrich Bonhoeffers Vermächtnis nennen kann.“

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Zwei Fragen zum Nachdenken und Diskutieren:

  1. Welche Neuanfänge hattest du in deinem Leben?
  2. Wer ist Jesus Christus für dich heute?

Lesen wir bis zum Rundbrief Mai 2019:

Psalmen 128 – 130;
Matthäus-Evangelium Kapitel 14, die Verse 22 – 33.          

Liebe Grüße
Euer Obmann Uwe