Corona - Humanismus, Gemeinschaft des Christentums – Chance? Illusion? Freiheit?

von G. John, Vereinsmitglied

Manchmal wird man von den aktuellen Geschehnissen überrannt. Dies gilt besonders in der Corona-Pandemie mit ihren täglichen Neuigkeiten – und somit ist dieses hier bereits die fünfte Version dieses Artikels.

Zunächst möchte ich weg von dem Begriff „Corona“.
Eine Corona ist etwas Schönes, Wunderbares - der Strahlenkranz, die „Krone“, denn Corona ist deren Wortstamm.
Corona war bis Ende 2019 eben dieses, weiters eine Gesangsgruppe mit einem Welthit der 1980er-Jahre und eine leckere Biersorte…

Ich nutze lieber den Begriff „Covid 19“.

Die Covid-19-Pandemie seit Frühjahr 2020 hätte zu einem gesellschaftlichen Umdenken im christlichen Sinne führen können – zu einer franziskanischen Solidarität - verbunden mit Achtsamkeit - mit den Schwächeren und Gefährdeten, weg von Ausbeutung und Ressourcenverschwendung, hin zu mehr Menschlichkeit und Bewahrung der Schöpfung, wozu ganz klar der Umweltschutz gehört.

Gerade zu Beginn des Lockdowns 2020 schien jedes Leben lebens- und schützenswert. Selbst beim Canale Grande in Venedig - sonst eine schlammigbraune Kloake - konnte man plötzlich wieder bis auf den Grund sehen, die Immissionswerte gingen drastisch zurück. Ganze Industrien wurden lahmgelegt, um gefährdete, vulnerable Personen zu schützen. In dieser Phase konnte man den Eindruck gewinnen: Vielleicht geht ein kleines Fenster auf und man besinnt sich darauf, neue Lebensbedingungen zu schaffen.

Erstmalig im 21. Jahrhundert betrifft ein Ereignis – in Form einer Seuche und ihrer Folgen – unmittelbar die gesamte Menschheit. Die wirtschaftlich-sozialen und die seelischen Erschütterungen könnten eine globale Besinnung anstoßen und unsere Werteskalen verändern. Damit geraten eine neue Chance für das Christentum und ein Wendepunkt der Geschichte in den Blick.
Im Hintergrund der Covid-Krise steht die ökologische Krise, die das verhängnisvolle Zusammenwirken eines materialistischen Naturbegriffs und einer hauptsächlich am Konsum orientierten Lebenspraxis als Grundlage hat.
An deren Stellen könnten ein franziskanisches Schöpfungsbewusstsein und ein christlich-humanistisch geprägtes Miteinander aller Menschen treten.

Plötzlich gab es ein fast überbordendes National- und Regionalbewusstsein. Neue regionale Marktmöglichkeiten und Online-Services wurden geschaffen – und genutzt. Eine zweite Phase ließ jedoch bereits das Vertrauen in die gesellschaftliche Solidarität schnell bröckeln.

Nun sind wir bereits in der vierten Welle auf Grund von Unvernunft, Uneinsichtigkeit, Verschwörungstheorien und politisch populistischem Machtmissbrauch. Nie waren die Infektionszahlen höher, die 15-tausend pro Tag in Österreich sind überschritten, Inzidenzen von über 1.000 pro 100.000 Einwohnern. Wohltönend wurde im Sommer von unserem „Alt“-Bundeskanzler das Ende der Pandemie verkündet. Anfang November kam die Versicherung unseres „Neu“-Kanzlers Alexander Schallenberg, es werde keinen neuen Lockdown geben und unsere Tourismusministerin beteuerte noch in dieser Woche, dass der Wintertourismus in Österreich nicht beeinträchtigt sein wird…
Viel zu spät, doch nun endlich haben unsere Verantwortlichen gehandelt und es kam zum vierten Lockdown und zur (wahrscheinlichen) Einführung einer Impfpflicht und zum vorgezogenen dritten Stich.
Der immer häufigere Durchbruch einer Infektion bei bereits Geimpften auf Grund des vielfach mutierten Virus und das Abflauen des Impfschutzes der zuerst Geimpften 2020/21 sprechen dafür.
Bisher JEDE Impfung bedurfte und bedarf einer Auffrischung, ob nun Tetanus, FSME, Influenza und andere.
Warum sollte Covid da eine Ausnahme bilden?

Es wird nicht bei einem dritten Stich bleiben!
Besonders in Hinblick auf die vielen Mutationen, die nächste steht mit Omikron bereits vor der Tür, werden ständige Weiterentwicklungen des Covid-Impfstoffes notwendig – und somit auch weitere Impfungen.

Wie verantwortungslos ist die Nichtimpfung unserer Kinder?
Die ersten liegen bereits auf den Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben. Erste Ärzte impften bereits in den letzten Wochen Kinder ab fünf Jahren – und wurden mit Strafanzeigen von zweifelhaften Rechtsanwälten verfolgt. Nun kommt endlich auch offiziell die Impfmöglichkeit für Kinder ab 5 Jahren.
Die Pocken, die tausenden Kindern in Europa das Leben und Gesundheit kosteten, konnten nur durch eine europaweite ImpfPFLICHT ausgerottet werden.

Und nun zum Widerspruch:
Unter dem bis heute gültigen Motto „Liberté, égalité, fraternité“ sagte der Mitbegründer der französischen Revolution Jean-Jacques Rousseau: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will!“ Das sind ebenso die Forderungen der Protestierenden versus die Beschränkungen gegen Nicht-Genesene und Ungeimpfte sowie der Impfwiderständler, zu denen auch erstaunlich viele Ärzte gehören.

Die Freiheit der Selbstbestimmung über unseren Körper ist in unserem Land gesetzlich festgeschrieben.
Im gleichen Tenor sagte die deutsche kommunistische Revolutionärin Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

Die Wiedereinführung einer Impfpflicht steht den Freiheitsrechten entgegen.

Also was nun? Freiheitliches Recht des Einzelnen oder Solidarität in der Gemeinschaft?

Herbert Kickl, selbst durch die Unvorsicht anderer an Covid erkrankt, sprach von Diktatur wegen der letzten Maßnahmen der Regierung. Ist es Diktatur?
Ja! Die Maßnahmen sind wider der Unvernünftigen, Unverantwortlichen und Verführten bestimmt durch das Diktat der Vernunft, dem Diktat der Verantwortung, dem Diktat der Solidarität und dem Diktat christlicher Nächstenliebe.

Der Vernunft steht die Dummheit (Ignoranz) entgegen.
Der evangelische Pfarrer und Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime Dietrich Bonhoeffer sagte: „Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. […] Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden.“ ( Quelle: Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, Seite 26 ff)

Kommt mir recht bekannt vor – heute – 80 Jahre später in Bezug auf Covid und andere Verschwörungstheorien.

Auf Grund meiner humanistisch geprägten Ausbildung erachte ich den freien Willen eines Menschen als sein höchstes Gut.
Doch Freiheit heißt nicht, dass man tun kann, was man will.
Solidarität während der Covid-19-Pandemie bedeutet, dass man für eine bestimmte Zeit auf seinen Individualismus verzichtet:
Mein angeheirateter Vorfahr Matthias Claudius meinte dazu „Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet!“.

Mr. Spock aus „Raumschiff Enterprise“ prägte den Satz: „Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen.“
Schon Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte kritisiert, dass man den Wert des Glückes nicht an der Zahl der Glücklichen festmachen kann.

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, so Immanuel Kant.

Bereits im Altertum gab es, wie hervorragend in den Romanen von Ken Follett und des am 22.November verstorbenen Noah Gordon beschrieben, Menschen, besonders klerikale, die Maßnahmen wie Isolierung von Erkrankten, Desinfizieren von Händen und Tragen von Mund-Nasen-Schutz ablehnten – und somit damals zur Verbreitung der Pest mit Millionen Toten beitrugen.
Anfang 2020 verfasste ich einen Artikel, den ich dann doch nicht veröffentlichte, da er mir zu pessimistisch erschien, schrieb ich damals von wahrscheinlich 100tausend Todesopfern durch die Pandemie. Heute sind es aktuell über 5 Millionen, eine Million allein in den letzten 3 Monaten – ein Ende ist noch nicht abzusehen – und sie werden immer jünger.
Jetzt die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid-Virus mittragen, persönliche Einschränkungen und Impfpflicht zum Wohle aller akzeptieren wäre wohl gelebter Humanismus und beste Christenpflicht.

Was ich mir wünsche?
Ich wünsche mir, dass dieser Lockdown der letzte sein wird.
Ich wünsche mir, dass am 14. Dezember ein Adventtreffen unseres Vereins möglich sein wird.
Ich wünsche mir, dass wir ein gesegnetes Weihnachtsfest mit unseren Lieben in Gesundheit und Freiheit verbringen können.

Hoffen wir, dass dieser Lockdown der letzte sein musste und wir ein gesegnetes Weihnachtsfest mit unseren Lieben und in Freiheit verbringen können!