Fragen auf unserem Juni-Treffen zur Corona-Zeit

von G. John, Vereinsmitglied

Bei unserem ersten Vereinstreffen nach dem Corona-bedingten Lockdown wurden unterschiedliche und interessante Fragen gestellt, die ich hier gerne zur Diskussion freigeben möchte.

Wo war während des Lockdowns die (Re-)Aktion der Kirche?
Sterbenden wurde die Gesellschaft ihrer Verwandtschaft verweigert. Warum hat die Kirche dagegen nicht interveniert?
Wo war das „Tut den Mund auf für die Stummen“? – Auch wir (ich) haben in diese Richtung nicht gedacht.

 

Ich bin sehr stolz auf „meine“ Österreicher (ich bin gebürtiger Piefke ;-), seit eineinhalb Jahrzehnten in diesem schönen Land und bekennender Kärntner und besonders Nockbergler). Wir haben uns brav an jede Restriktion gehalten und damit wahrscheinlich eine explosive Verbreitung des Virus wie in Amerika in unserem Land verhindert. Österreich war während des gesamten Lockdowns international stets um Wochen voraus, unsere Erkrankungsrate ein Vielfaches kleiner je 1 Million Einwohner.

Die Frage, die auftaucht: Waren wir nicht zu brav, zu gläubig?
War das nicht einfach Kadavergehorsam wie es auch im 3. Reich gang und gäbe war…?

Von „oben“ wird verordnet – wir folgen…
Waren und sind wir zu unkritisch?
In der Diskussion bei unserem Treffen wurde das Bild des hypnotisch erstarrten Kaninchens vor der Schlange berufen. Waren wir handlungsunfähig und obrigkeitsgläubig im Angesicht der gemeinsamen Gefahr?

Der Lockdown glorifizierte eine Re-Traditionalisierung der Frauenrolle der drei großen K - Kind, Küche, Kirche.
Ist das unpublizierte und bestehende Realität oder lediglich zeitlich begrenzte Nebenerscheinung der Krise?
Wird die Krise für die Unterstützung eines bestimmten Frauenbildes missbraucht?

Werden wir etwas aus der Krise gelernt haben?
Die Krise hat auch viel Positives mit sich gebracht. So haben wir soziale Kontakte und gegenseitige Rücksichtnahme wieder zu schätzen gelernt, ebenso (hoffentlich) die Wertschätzung der Leistung von Lehrern, Erntehelfern und Pflegepersonal? Letztere müssen wir erschreckenderweise häufig aus Kostengründen aus fremden Ländern „importieren“. Vielleicht sollten wir - statt Milliarden in Fluggesellschaften - lieber in die (auch und gerade finanzielle) Wertschätzung dieser, heute als „lebens-(wirtschafts)relevant“ erkannten Berufsgruppen investieren.

Überraschend positiv ist der ökologische Aspekt. Wann haben wir das letzte Mal den Grund des Canale Grande sehen können? Kaum acht Wochen touristischen Stillstands haben das bewirken können. Kein umweltpolitisches Programm vor 2020 hätte dies erzielen können. ACHT Wochen – keine jahre- und jahrzehntelangen Projekte!

Die hier aufgeführten Fragen sind in unserer monatlichen Vereinsversammlung entstanden und offenbaren Diskussions- und Handlungsbedarf.
Ich freue mich auf eine rege Diskussion – gerne auf Whats-App HAPAX-Diskussion- noch lieber auf unseren Treffen…

LG John