2023-01-22 Auslegung zu 1. Korinther 1,10-13.17   

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Kurt Udermann, Obmannstellvertreter

3. Sonntag im Jahreskreis A nach der katholischen Leseordnung: 1 Kor 1,10-13.17      

10 Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung!11 Es wurde mir nämlich, meine Brüder und Schwestern, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Streitigkeiten unter euch gibt. 12 Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus. 13 Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden? … 17 Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

(1) Die Evangelien berichten über das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu. Die Apostelgeschichte zeigt, wie der Same, den Jesus ausgestreut hat, durch den Dienst der Missionare im Mittelmeerraum, allmählich aufgeht und Frucht bringt. Die neutestamentlichen Briefe sind schriftliche Verkündigung des Evangeliums. Sie thematisieren die Probleme in den gegründeten Gemeinden, dienen ihrem Aufbau und sind Zeugnis für die Inkulturation des Evangeliums in juden- und heidenchristlichen Gemeinden.

Paulus hat den ersten Brief an die Gemeinde von Korinth zwischen 53 und 55 nach Christus in Ephesus geschrieben. Der Grund für den Brief sind Fragen, die ihm von "Leuten der Chloe" und durch eine schriftliche Anfrage übermittelt wurden. Der Brief gibt Einblick in das Leben und die Probleme einer von Paulus gegründeten heidenchristlichen Gemeinde. Es ist erstaunlich, dass der Völkerapostel sich Zeit nimmt und Kraft investiert, um sich eingehend mit den Problemen der von ihm gegründeten Gemeinde auseinanderzusetzen.

(2) Die "Leute der Chloe" meldeten, dass es Streit und Zank in der Gemeinde gibt. Damit wird ihr Zeugnis verdunkelt. Die Sicht auf die "Stadt auf dem Berg“ wird verstellt. So kann die Gemeinde weder "Salz der Erde", noch "Licht der Welt" sein (Mt 5,13-16). Offenbar ist es für den Apostel selbstverständlich, dass er mutig und konkret vor der gemeindlichen Öffentlichkeit in Form eines Briefes dazu Stellung nimmt. Und er hat auch kein Problem, die Übermittler des Missstandes zu nennen.[1] Paulus mahnt eindringlich zur Einmütigkeit. Spaltungen sind ein absolutes "No go" und er fordert die Gemeindemitglieder auf, eines Sinnes und einer Meinung zu sein.

Als Grund für den Streit und den Zank werden Parteiungen genannt, weil offenbar jeder zu jemand anderen hält: "Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus." Die Wortführer der unterschiedlichen Gruppen missbrauchten die Namensträger für ihre eigenen Interessen. Möglicherweise sahen deren Parteigänger ihre Wünsche und Erwartungen bei dieser oder jener Person und dessen Anhängerschaft besser aufgehoben.

Welche Gründe können ausschlaggebend sein, sich dieser oder jener Gruppe anzuschließen? Vielleicht ist es eine Idee oder eine Vorstellung, die jemand veranlasst, sich dieser oder jener Gruppierung anzuschließen? Oder ist es ganz einfach ein materieller Vorteil oder Nutzen, sich für eine dieser Gruppen zu entscheiden? Vielleicht ist es auch der ganz banale Wunsch, mit jemandem eine alte Rechnung begleichen zu wollen? Eigensinn, Eigennutz und Eigenwille sind die treibenden Kräfte. Obwohl es allzu menschlich ist, dass Menschen erwarten, dass Gott ihnen ihre Wünsche und Träume erfüllt, Getaufte jedoch sollten sich mühen, Gottes Willen und Träume zu erfüllen. Die Einheit kann dann am besten gewahrt werden, wenn die Beteiligten bei einer gemeinsamen Entscheidungsfindung sich ehrlich fragen: „Will ich der Sache Gottes dienen oder meiner eigenen?“

Die Antwort des Paulus lautet: "Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt... Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau... Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus." (1 Kor 3,6-11)

Paulus weiß sich von Jesus Christus gesandt, das Evangelium zu verkünden, aber so, "damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird." Wenn Paulus vom Kreuz Christi spricht, geht es ihm auch um Teilhabe an der Demut, dem Gehorsam und der Liebe Jesu.

(3) Das ist es, was uns die heutige Lesung zu bedenken gibt: Ist uns bewusst, dass wir als Gemeinde - auch und vor allem durch unseren Umgang mit Fragen, Konflikten und Problemen - die Botschaft Christi verdunkeln oder bestätigen? Bestehen unsere Gemeinden bloß aus Individualisten, die ihr persönliches Heil suchen, oder gibt es eine gemeinsame Praxis aufgrund des gemeinsamen Glaubens? Sind wir ehrlich miteinander oder bevorzugen wir ein Denunziantentum? Geht es uns um die Sache Christi oder um die eigene?

[1] Viele Diözesanleitungen, die ein sensibles Gehör für Denunziationen und anonyme Anklagen haben, sich aber scheuen ein Problem in der gemeindlichen Öffentlichkeit auszutragen bzw. den Gemeinden zu helfen, handeln in krassem Gegensatz dazu.