2023-01-08 Auslegung zu Apostelgeschichte 10,34-38(40) Taufe des Herrn

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Kurt Udermann, Obmannstellverteter

"Taufe des Herrn", Lesejahr A nach der katholischen Leseordnung: Apg 10,34-38(40)

34 Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, 35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. 36 Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller.

37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: 38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.

(39 Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. 40 Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen…)

(1) Zwei Visionen bestimmen das Geschehen dieses Kapitels. Dem römischen Hauptmann der Italischen Kohorte, die in Caesarea stationiert ist, Kornelius, erscheint ein Engel, der ihm aufträgt, nach Simon Petrus zu schicken, der sich in Joppe im Haus Simons des Gerbers aufhält. Kornelius gehorcht und beauftragt drei Männer, Petrus abzuholen (Apg 10,1-8). Auch Petrus hat in Joppe eine Vision. Dem eingefleischten Judenchristen bringt der Heilige Geist mit sanftem Druck bei, dass er nicht für unrein erklären darf, was Gott für rein erklärt hat. Schlussendlich stehen die drei von Kornelius gesandten Männer vor der Haustür und legen Petrus ihren Auftrag vor. Er folgt ihnen widerspruchslos, weil er in der Vision dazu aufgefordert worden war (Apg 10,9-23).

Bevor Petrus sich erklären lässt, warum nach ihm geschickt wurde, erzählt er den Anwesenden, was Gott ihn gelehrt hat: „Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf. (Apg 10,28)“ Nach Kornelius Auskunft, weshalb er nach Petrus schickte, sprach Petrus ausführlich zu den anwesenden Verwandten und Freunden des Hausherren Kornelius. Seine Ausführungen mündeten in die Taufe des Hauptmannes und seines Hauses.

(2) Die Öffnung der Kirchentür auch für die Heiden wird für den eingefleischten Judenchristen Petrus nicht leicht gewesen sein. Aber Gott belehrte ihn eines anderen und er gehorchte. Sein Bekenntnis, dass Gott nicht auf die Person schaut,[1] „sondern ihm in jedem Volk willkommen ist, wer Gott fürchtet und tut, was gerecht ist“, kommt überraschend und ist daher umso erstaunlicher. Jesu öffentliches Wirken und sein Sterben öffnete durch seine Auferstehung und die Sendung des Heiligen Geistes auch den Heiden die Tür zur Kirche.

Der Heilsweg der Kirche steht allen offen und dieser Heilsweg ist Jesus Christus. Die Botschaft Gottes ist zunächst an die „Kinder Israels“ ergangen. Ihnen wurde durch Jesus „Frieden“ verkündet. Der Friede mit Gott ist die wesentliche Voraussetzung allen Heils. Aber Jesus Christus und sein Friedenswerk reicht über Israels Grenzen hinaus[2]: „Er ist der Herr aller.“

Da Petrus von der Bedeutung des irdischen Lebens Jesu für die nachösterliche Verkündigung überzeugt ist, referiert er vor den Anwesenden die Lebensgeschichte Jesu. Um Jesus zu kennen, ihn zu lieben und ihm zu folgen, bedarf es dieser Kenntnis. Petrus folgt in seiner Predigt (Apg 10,36-40)[3] den Schwerpunkten der Verkündigung, wie sie auch im Lukas-Evangelium genannt werden: Taufe, öffentliche Verkündigung, Tod, Auferstehung und Erscheinungen.

Petrus betont, dass Jesus nicht irgendwo wirkte, sondern im ganzen Land der Juden, in Galiläa und in Jerusalem. Damit bezeugte Jesus sein Judesein und sah sich als Erfüllung der Verheißungen Gottes (Lk 4,16-21). Jesus wollte ganz Israel sammeln und neu an Gott orientieren und gab sein Leben für alle hin. Ein markantes Ereignis im Leben Jesu war für Petrus die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Für Jesus war der Täufer nicht nur der größte Prophet, sondern auch der Größte unter den Menschen. Er war der Wegbereiter des Messias. Er hat mit Wasser getauft, damit Jesus nach ihm mit Wasser und Heiligem Geist taufen konnte. Johannes betonte, dass Gott in seinem Zorn über die Sünder im Recht ist. Jesus setzte sich davon ab und betonte, dass Gott noch mehr mit seiner Liebe im Recht ist.

In seiner Darstellung der Jesusgeschichte hebt Petrus die Salbung Jesu durch Gott hervor. Durch die Salbung wird ein Mensch in die Sphäre Gottes gehoben. Er wird geheiligt, um eine Aufgabe zu erfüllen, z.B. gerecht zu herrschen, das Wort Gottes zu verkünden oder die Sünder mit Gott zu versöhnen. Diese drei Momente des Königlichen, des Priesterlichen und Prophetischen verbinden sich mit der Gestalt des Messias (Gesalbter, Christus). Die Salbung Jesu schließt den Auftrag zur messianischen Verkündigung ein. Jesus beginnt sie sofort nach der Taufe. Er wurde in der Taufe als gesalbter, messianischer Gottessohn dem Volk Gottes geoffenbart. Die Kraft, die Jesus bei der Salbung geschenkt wurde, ist Kraft für sein Heilswirken. Auf Jesu Machttaten wies Petrus schon in seiner Pfingstpredigt hin.

Jesu Heilungen sind ein wichtiges Zeichen. Krankheiten zu seiner Zeit bedeuteten nicht bloß ein medizinisches, sondern auch ein religiöses und soziales Problem. Aussätzige z. B. wurden in die Isolation verbannt. Durch ihre Heilung sind sie nicht nur gesund geworden, sondern auch sozial und religiös wieder integriert worden. Sie kehrten zurück in das Leben mit anderen (Lk 5,12-16). Drastisch redet Petrus von den Heilungen derer, die „in der Gewalt des Teufels waren“. Gemeint sind die von einem Dämon besessenen, also fremdbestimmte Menschen. Die Macht Gottes bricht in Jesus die Macht des Widersachers, der will, dass die Menschen elend zugrunde gehen. Diese Heil-Kraft wirkt nach Ostern weiter, aber immer als Heil-Kraft, die Gott Jesus verliehen hat.

Petrus schließt Jesu Wirken mit einer kurzen Notiz: „denn Gott war mit ihm.“ Ein Unterschied zum Evangelium fällt auf. Dort heißt es, dass Jesus mit Gott war, dass er Gottes Nähe im Gebet gesucht und gefunden hat (Lk 3,21; 6,12; 9,18.28 u.a.). In Petrus Predigt ist Gott Jesus nah, d.h. Gott stellt sich auf die Seite Jesu, seines Gesalbten; er ist gegenwärtig, wo Jesus ist. In Jesus begegnet uns Gott selbst.

Schließlich verweist Petrus auf die Zeugen, zu denen er sich auch selbst zählt und beruft sich dabei auf das, was die Augenzeugen und die Diener des Wortes überliefert haben. Es sind die Apostel, die im Idealfall von der Taufe Jesu bis zu seiner Aufnahme in den Himmel dabei waren und alles Entscheidende über Jesus wissen.

(3) Der römische Hauptmann Kornelius, der mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig lebte, „gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott. (Apg 10,2)“ Gott führte ihn mit Petrus zusammen. Dieser vervollständigte dessen Wissen über die Geschichte Jesu und wurde so zu einem Akteur der ersten Taufe eines Heiden: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. (Apg 10,47f)“

[1] Vgl. 1 Sam 16,7

[2] Vgl. Röm 3,2ff; Gal 3,26ff

[3] Vgl. T. Söding, Gottessohn, 231-236