Andacht 2022-11-20 In Gott geborgen

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich begrüße Sie und Euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 20. November 2022. Dieser wird Toten- oder Ewigkeitssonntag genannt und ist der letzte Sonntag des evangelischen Kirchenjahres 2021/2022. Wir lesen die Andacht mit dem Vertrauen, dass unsere Verstorbenen bei Gott geborgen sind und daher im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Verse aus Psalm 31 nach der Basis Bibel: Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht. Lass mich nicht scheitern, zu keiner Zeit! Rette mich, du bist doch gerecht! Hab ein offenes Ohr für mich und hilf mir schnell! Sei für mich ein Fels, ein Versteck, eine feste Burg, in die ich mich retten kann! Ja, du bist mein Fels und meine Burg! Zeig mir den Weg und führe mich! Dafür stehst du mit deinem Namen ein. Du bist meine Zuflucht. In deine Hand lege ich mein Leben. Ich vertraute auf den Herrn. Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann. Hab Erbarmen mit mir, Herr! Denn mir ist angst und bange. Mein Leben verschwimmt mir vor Augen, mein Leid durchdringt Seele und Leib. Ja, mein Leben verrinnt unter Schmerzen, und unter Seufzen vergehen meine Jahre. Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Amen.

Lesung: Offenbarung, Kapitel 21, die Verse 1 – 6: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Lied: „Der Himmel, der ist“, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 153, die Strophen 1 – 5:
Strophe 1: Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen.
Strophe 2: Der Himmel, der kommt, das ist der kommende Herr, wenn die Herren der Erde gegangen.
Strophe 3: Der Himmel, der kommt, das ist die Welt ohne Leid, wo Gewalttat und Elend besiegt sind.
Strophe 4: Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.
Strophe 5: Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist, wenn die Liebe das Leben verändert. 

Gedanken zur Lesung: Der Toten- oder Ewigkeitssonntag ist voll von Erinnerungen an unsere Verstorbenen. Manchmal ist die Erinnerung so nahe und lebendig, dass wir sie für Realität halten könnten. An gewissen Tagen haben wir das Gefühl, als ob unsere lieben Verstorbenen wirklich unter uns sind. Wenn wir Bilder von ihnen anschauen, dann wird vieles wieder ganz lebendig. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen mit Dankbarkeit und Tränen. Aber Bilder haben nicht nur mit Vergangenheit und Gegenwart zu tun. Sie können auch ganz weit in die Zukunft führen. Das ist in unserem Predigttext aus der Offenbarung der Fall. Der Verfasser Johannes hat eine Zukunft vor Augen, die irgendwann Realität wird. Auf der einen Seite beschreibt er Dinge, die wir aus unserer Wirklichkeit kennen: Tränen, Tod, Leid und Schmerzen. Wir erfahren Krisen in unserem Leben, unserem Glauben und in der Welt. Am Toten- oder Ewigkeitssonntag steht auch die eigene Endlichkeit deutlicher als sonst vor unseren Augen. Was bleibt denn einmal von mir - das Haus, das ich gebaut habe?; der Betrieb, den ich aufgebaut habe?; das Geld, das ich angespart habe? Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich die Gräber unserer beiden Friedhöfe anschaue und auch aufgelassene Gräber entdecke. Tröstlich ist dann das Bild von einer heilen Zukunft, wenn die Hütte Gottes bei den Menschen sein wird. Der große und allmächtige Gott wohnt bei und mit den Menschen, ist ihnen ganz nah und kommt dorthin, wo das Leben gefährdet und bedroht ist. Er ist dann nicht mehr unerreichbar und rätselhaft. Keiner braucht mehr zu fragen und zu zweifeln: Wo ist denn nun dein Gott? Gott wohnt dann mit den Menschen im neuen Jerusalem, der ewigen Stadt Gottes. In dieser Stadt geht es ganz anders zu, als wir das kennen: Der Tod ist abgeschafft und wird entsorgt. Es gibt keine bangen Fragen mehr: Ist diese Krankheit heilbar? Muss ich Angst um meine Existenz haben? Wie soll ich ohne den Verstorbenen mit dem Leben fertig werden? Ganze Berufszweige, die den Tod verhindern oder verwalten sollen, gibt es nicht mehr: Alten- und Krankenpfleger, Ärzte Rettungen und Beerdigungsinstitute. Auch für die Geistlichen fällt ein wichtiges Aufgabenfeld weg. Alles, was unser kostbares Leben gefährden und auslöschen könnte, gehört der Vergangenheit an. Böse Mächte in der Welt gibt es nicht mehr. Die Sünde schlechthin, also die Trennung zwischen Mensch und Gott, Erde und Himmel ist endgültig aufgehoben, weil das Herz der Menschen durch Gott erneuert wird. Das bedeutet, dass dann der ewige und universelle Frieden zwischen Menschen und Völkern, aber auch der zwischen Mensch und Natur anbricht und bleibt. Auch Tempel, Kirchen oder andere heilige Orte sind nicht mehr nötig, um Gott zu suchen und zu finden. Er wird vielmehr in unserer Mitte wohnen. Die ganze von Gott erneuerte Menschheit wird ein einziges Volk, nämlich das Volk Gottes werden. Dann wird es auch ein großes Fest der Liebe und des Friedens geben, wenn Gott mit den Menschen an einem Tisch sitzt. Die schönsten Feste, die wir je gefeiert haben, sind nur schwache Bilder für das Fest, das Gott für uns bereiten wird. Die Vision vom Leben in der neuen Welt Gottes will uns Hoffnung angesichts und trotz der Erfahrung von Angst und Leid schenken. Wir alle haben die tiefe Sehnsucht nach Heil und Frieden. Gottes neue Welt wartet auf uns, ist jetzt schon im Glauben spürbar und wird auch unseren Verstorbenen verheißen. Bei Gott finden wir das, was unsere Seelen und was auch unsere Verstorbenen brauchen: Wertschätzung und Würdigung, Liebe und Respekt. Bei ihm ist keiner verloren oder vergessen. Wir sind und bleiben seine geliebten Geschöpfe auch über den Tod hinaus. Gottes neue Welt bricht mitten unter uns an. Sie verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In dieser neuen Welt Gottes wird alles neu und völlig anders als in unserer gegenwärtigen. „Siehe, ich lösche alles Leben“, sagt der Tod. „Siehe, ich mache alles alt“, sagt die Zeit. „Siehe, ich mache alles anders“, sagt die Jugend. „Siehe, ich bin von Gott getrennt“, sagt die Sünde. Aber Gott sagt dir und uns: „Siehe, ich mache alles neu!“ Ich wünsche uns allen, dass wir spüren, dass das Licht aus Gottes neuer Welt in unsere Welt hineinscheint, dass dieses unser Abschiednehmen von unseren Verstorbenen überstrahlt und dass es uns Mut gibt – wie wir gleich lesen werden – an der Hand unseres Meisters zu gehen, weil Jesus Christus mit uns geht und bei uns ist bis an das Ende der Welt. Amen.

Lied: Nun aufwärts froh den Blick gewandt, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 394, die Strophen 1 – 5
Strophe 1: Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.
Strophe 2: Vergesset, was dahinten liegt und euern Weg beschwert; was ewig euer Herz vergnügt, ist wohl des Opfers wert.
Strophe 3: Und was euch noch gefangen hält, o werft es von euch ab! Begraben sei die ganze Welt für euch in Christi Grab.
Strophe 4: So steigt ihr frei mit ihm hinan zu lichten Himmelshöhn. Er uns vorauf, er bricht uns Bahn – wer will ihm widerstehn?
Strophe 5: Drum aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.

Fürbitten: Guter Gott! Unsere Zeit liegt in deiner Hand. Du hast uns die Zeit zum Leben geschenkt. Hilf uns, jedem Tag sein eigenes Recht zu geben! Lass uns das Schöne und das Schwere bewusst durchleben! Zu Dir kommen wir mit unserer Trauer um unsere Verstorbenen! Schenke uns die Gewissheit, dass sie in Deinem Frieden geborgen sind und lass uns getrost Deiner Zukunft entgegengehen, die Du uns verheißen hast in Jesus Christus, unserm Herrn! Wir bitten Dich für alle, die einsam sind. Steh ihnen bei, dass sie in ihrer Einsamkeit nicht verbittern und schicke ihnen Menschen, die sich ihnen zuwenden! Wir bitten für alle, die krank sind. Steh ihnen bei, dass sie in ihrer Krankheit nicht verzweifeln und schicke ihnen Menschen, die ihre Krankheit mittragen! Wir bitten für alle, die keinen Sinn mehr im Leben sehen und innerlich erkalten! Steh ihnen bei, dass sie in ihrer Ausweglosigkeit den Lebensmut nicht verlieren und schicke ihnen Menschen, die ihnen neuem Mut zusprechen! Wir bitten für alle, die einer besonderen Belastung ausgesetzt sind und sich deshalb kraftlos fühlen. Steh ihnen bei, dass sie unter dieser Last nicht zusammenbrechen und schicke ihnen Menschen, die sich helfend an ihre Seite stellen! Wir bitten für alle, die einen lieben Menschen verloren haben und in Trauer leben. Steh ihnen bei, dass sie durch den Verlust nicht verzagen und schicke ihnen Menschen, die trösten und ihre Trauer mit aufarbeiten! Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche Euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag an der Hand des Gottes, dem wir unsere Verstorbenen getrost übergeben können. Es segne Sie und Euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Alles Gute, Ihr und Euer Obmann Uwe