Andacht 2021-11-07 Nachfolge

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 7. November 2021. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gott uns Kraft für den Glauben gibt und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Morgensegen Martin Luthers: Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Als dann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.

Lesung: Matthäus-Evangelium, Kapitel 10, die Verse 34 – 39 nach der Lutherbibel von 2017: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. Amen.

Gedanken zur Lesung: Stellen wir uns einer provokanten Frage: Hätten wir in der Welt mehr Frieden und Gerechtigkeit, wenn es keine Religionen geben würde? Die einen würden antworten: Es ist gut, dass es die Religionen gibt, denn in vielen liegt ein großes Friedenspotential. Die Goldene Regel zum Beispiel, die Jesus in seiner berühmten Bergpredigt erwähnt, findet sich auch im Judentum, Islam und Buddhismus. Diese Goldene Regel heißt: „Alles was ihr wollt, dass die Menschen euch tun, das tut ihnen ebenso.“ Im Buddhismus heißt diese so: „Was für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, das ist auch für den anderen eine unliebe und unangenehme Sache. Was da für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, wie könnte ich das einem anderen aufladen?“ Diese Goldene Regel ist ein gemeinsames Erbe der Religionen. Würden sich alle daran halten, gäbe es mehr Frieden in der Welt. Andere würden mit Hinweis auf die täglichen Nachrichten antworten, wie sehr Religion für Gewalt und Hass instrumentalisiert wird. Menschen töten, verletzen und quälen andere Menschen im Namen Gottes und meinen, damit etwas Gutes und Gott Wohlgefälliges zu tun. Wenn Glaube sich mit Machtinteressen oder anderen Interessen verbindet, dann steckt ein großes Potential zur Gewalt darin. Wenn wir die Geschichte des Christentums anschauen, dann finden wir dort dunkle Kapitel mit viel Gewalt, wie zum Beispiel die Zwangsmissionierung, die Inquisition, die Kreuzzüge, die Konfessionskämpfe usw. Zusammengefasst können wir festhalten: Religionen können Konflikte auslösen und anheizen oder auch Grundlage für ein friedliches Miteinander sein. Eine andere wichtige Frage, die sich heute stellt, ist: Wie kann man das Friedenpotential der Religionen in unserer zerrütteten Welt wirksam machen? Auch Jesus wusste, dass der Glaube an ihn und der Weg der Nachfolge Konflikte mitbringen. Jesu Worte sind an seine Jünger gerichtet und wollen sie darauf vorbereiten, welche Folgen ihr Auftrag, das Lehren und Wirken in der Nachfolge mit sich bringen werden. Seine Worte an seine Jünger und letztendlich auch an uns sind sehr harte Worte von einem Mann, den wir bald zu Weihnachten als Friedefürst verehren werden und der in seiner Bergpredigt die selig und Gottes Kinder nennt, die Frieden stiften. Gleichzeitig wusste er aber, dass die christliche Botschaft bei den Menschen positive und negative Reaktionen auslösen würden. Die Menschen des ersten Jahrhunderts, die sich der neuen christlichen Glaubensbewegung anschlossen, wurden oft zu Außenseitern in ihren Familien. Wenn nicht das ganze Haus die Entscheidung für Jesus mittrug, brachte die Taufe Unfrieden und Spaltung in die Familie, ja sogar Lebensgefahr, denn Christen wurden ja wegen ihres Glaubens an Jesus verfolgt und sogar getötet. In der Nachfolge Jesu zu leben, war im Urchristentum zeitweise weder friedfertig noch familienfreundlich. Auch heute ist das Bekenntnis zu Jesus nicht selbstverständlich eine wichtige Gemeinsamkeit in den Familien. Jungen Christen wird es oft schwer gemacht, wenn sie als Konfirmanden vor der Kirchentür zum Gottesdienst abgeliefert werden, und sie dabei den Eindruck haben, Vater und Mutter brauchen den Gottesdienst nicht und gehen lieber in Ruhe Kaffee trinken. Oder wenn im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz über den gespottet wird, dem der Glaube an Gott eine Kraft und etwas Heiliges ist. Sie gelten dann als Außenseiter. Auch Jugendliche belächeln die Oma, wenn ihr der Kirchgang und die Sonntagsheiligung selbstverständlich sind. Es tut weh, wenn solche Gräben durch die eigene Familie oder durch Freundschaften gehen. Es ist unangenehm, aber auch unfair, wenn Familie oder Freunde das, was einem wichtig und heilig ist, für belanglos, überflüssig und weltfremd ansehen. In zahlreichen Ländern ist es auch heute noch lebensgefährlich, sich als Christ zu bekennen - bei uns nicht. Aber um Jesu willen zu erdulden, dass man belächelt oder nicht verstanden wird oder mit seinem Glauben in einer glaubenslosen Umgebung lebt, das muss mancher und manche auch heute bei uns ertragen und aushalten können. Mit uns leben Mitbürger, die dem Islam oder anderen Religionen angehören. Wenige sind dabei Fanatiker, die einen Gottesstaat auch in Europa errichten möchten, in dem die Ungläubigen, also auch die Christen, unterdrückt werden. Die meisten leben ihren Glauben unauffällig und unaufdringlich, aber verleugnen würde ihn wohl keiner und keine. „Ich bin Moslem“, das wird viel eindeutiger gesagt als „Ich bin Christ“. Zu den christlichen Tugenden gehört die Toleranz. Wir wollen anderen mit Respekt begegnen und ihre Glaubensüberzeugung achten. Toleranz heißt, etwas tragen und ertragen können. Christen müssen es ertragen können, dass andere einen anderen Glauben haben und dass viele Menschen sich vom christlichen Glauben gelöst oder ihn nie angenommen haben. Die Zahl der Schüler, die ohne Bekenntnis sind, wird größer. Toleranz und Respekt dem anderen gegenüber dient dem Frieden und ist im Sinne Jesu. Neben den negativen Erfahrungen tut sich für uns als Glaubende aber auch die Schönheit und die Stärke unseres Glaubens an Gott auf. Das Wort Religion meint Rückbindung. Meine Religion, mein christlicher Glaube bedeutet für mich, dass ich an Gott rückgebunden bin. Mein Leben ist mit ihm verbunden. Ich habe ein Du, dem ich vertrauen kann. Dieses Du ist Gott und somit mein Gegenüber. Es sind seine freundlichen Augen, die über mir wachen. Es sind seine verständnisvollen Ohren, die mir zuhören. Es ist seine Hand, die für mich offen ist und mich hält, selbst wenn ich versage oder Fehler mache. Ich habe ein Du, das zu mir Ja sagt und für das ich wertvoll und kostbar bin. Dieses Du, dieses Gegenüber, nämlich Gott selbst, ist schön, weil er mich liebt. Man kann auf Dauer nur an etwas glauben, das man schön und würdig findet. Daher ist es gut, wenn Menschen sich gegenseitig von dem erzählen, was sie begeistert und was sie schön und würdig finden. Darin liegt ein guter Weg zum Frieden, wenn Menschen sich begegnen und miteinander statt übereinander reden, mehr aufeinander schauen und wenn sie von dem sprechen, was ihnen wirklich wichtig ist, was sie berührt und bewegt. Daher ist es gut und sinnvoll, wenn wir darüber nachdenken und uns austauschen, was das Schöne und das Tolle an unserem Glauben ist. Ich bin mir sicher, dass viele Argumente genannt werden. Ich glaube nämlich, wenn wir von der Schönheit unseres Glaubens erzählen, dann kann der Funke auf andere überspringen und auch andere anstecken. Dann kann heilsames Verständnis füreinander entstehen. Amen.

Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, Evangelischen Gesangbuch 369, die Strophen 1+5+7
Strophe 1: Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.
Strophe 5: Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.
Strophe 7: Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht. 

Gebet: Guter Gott! Stärke unseren Glauben an Dich und unser Bekenntnis zu Dir! Gib uns Kraft, dass wir voller Vertrauen und ohne Angst zu Dir reden können! Hilf uns, zu unterscheiden, was den Glauben stärkt und was ihn behindert! Im Vertrauen auf Dich bitten wir: für eine gute Zukunft der Kinder und Jugendlichen; für alle, die wegen Krieg und Naturzerstörung ihre Heimat verlassen müssen; für alle, die wegen ihrer Religion benachteiligt oder verfolgt werden; für alle, die krank sind; für alle, die im Sterben liegen; für alle, die einen lieben Menschen verloren haben. Wir bitten Dich für alle, die in den christlichen Kirchen, in der Politik und Wirtschaft, in Schulen und Universitäten, in Firmen und Vereinen Verantwortung haben; für Frieden in der Welt und in unseren Familien und für unsere Verantwortung für Deine Schöpfung. Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag an der Hand dessen, der uns Kraft für den Glauben gibt. Es segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Bleibt von Gott behütet!
Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe