Andacht 2021-06-06 Versöhnung und Miteinander

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 6. Juni 2021. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gottes Heiliger Geist Versöhnung unter den Menschen bewirkt und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: „Gott, des Himmels und der Erden“, Evangelisches Gesangbuch 445, Strophen 1 + 5 

Strophe 1: „Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist erhält.“

Strophe 5: „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.“

Psalm 32 nach der Übersetzung der Lutherbibel von 2017: „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist! Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen. Freuet euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.“

Lesung: 1. Mose, Kapitel 11, Verse 1 – 9 nach der Basis Bibel von 2021: „Damals hatten alle Menschen nur eine einzige Sprache – mit ein und denselben Wörtern. Sie brachen von Osten her auf und kamen zu einer Ebene im Land Schinar. Dort ließen sie sich nieder. Sie sagten zueinander: ‚Kommt! Lasst uns Lehmziegel formen und brennen!‘ Die Lehmziegel wollten sie als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel. Dann sagten sie: ‚Los! Lasst uns eine Stadt mit einem Turm bauen! Seine Spitze soll in den Himmel ragen. Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.‘ Da kam der Herr vom Himmel herab. Er wollte sich die Stadt und den Turm ansehen, die die Menschen bauten. Der Herr sagte: ‚Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Und das ist erst der Anfang! In Zukunft wird man sie nicht mehr aufhalten können. Sie werden tun, was sie wollen. Auf! Lasst uns hinabsteigen und ihre Sprache durcheinanderbringen! Dann wird keiner mehr den anderen verstehen.‘ Der Herr zerstreute sie von dort über die ganze Erde. Da mussten sie es aufgeben, die Stadt weiterzubauen. Deswegen nennt man sie Babel, das heißt: Durcheinander. Denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen durcheinandergebracht. Und von dort hat sie der Herr über die ganze Erde zerstreut.“

Gedanken zur Lesung: Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht nach Frieden, Harmonie und Verständnis. Wir haben eine tiefe Sehnsucht, dass wir uns mit anderen Menschen verstehen und mit diesen gut auskommen. Doch wir merken in vielen Situationen, dass wir uns leider nicht verstehen, dass Missverständnisse auftauchen und Streitereien entstehen. Das merken wir zum Beispiel im Urlaub in einem fremden Land mit einer uns nicht vertrauten Sprache. Das merken wir, wenn Fremde unter uns sind, die nicht Deutsch sprechen. Selbst, wenn Menschen die gleiche Sprache sprechen, heißt das noch lange nicht, dass diese sich wirklich verstehen. Paare reden aneinander vorbei. Eltern verstehen ihre Kinder bzw. Kinder ihre Eltern nicht mehr. Arbeitskollegen können nicht mehr miteinander arbeiten. Es gehört also mehr dazu, als dieselben Worte zu benutzen und die Grammatik zu beherrschen. Um dieses „Mehr“ geht es in unserer Geschichte vom Turmbau zu Babel, die vom Verstehen und Missverstehen erzählt. Sie gehört zu den bekanntesten biblischen Erzählungen überhaupt. In den ersten Kapiteln der Bibel geht es darum, wer und wie wir Menschen sind. Es geht um die Geschichte des Menschseins. Wir lesen auf den ersten Seiten der Bibel von Adam und Eva, die nicht auf Gott hören. Oder von Kain, der voller Neid seinen Bruder Abel ermordet. Oder von den Menschen in Babel, die das tun, was sie wollen und für richtig halten. Wir lesen von Gottes Trauer und Zorn über die Menschheit, aber auch davon, dass Gott die Menschen trotzdem bewahrt und beschützt. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel beginnt mit einem großen Traum. Der Traum heißt: „Hier können wir für immer bleiben!“ Die Menschen wandern umher und finden einen Ort, an dem sie bleiben wollen. Die Wanderschaft, das Umherziehen ist zu Ende. Nun beschließen die Menschen: „Hier wollen wir bleiben. Hier werden wir gemeinsam eine Stadt und einen Turm errichten. Einen Turm, so hoch, wie es noch nie einen gab. Seine Spitze soll bis in den Himmel reichen.“ Das klingt doch gut. Das klingt nach menschlichem Erfindergeist, nach Selbstbewusstsein und danach, was Menschen miteinander erreichen können. Schneller als erwartet wurden Impfstoffe gegen Covid 19 hergestellt. Roboter haben den Mars erreicht, auch wenn dieses Unterfangen eher unsinnig ist. Beim Turmbau zu Babel taucht der wahre Grund für dieses Großprojekt auf. Die Menschen wollen sich einen Namen machen. Doch der wirkliche Grund für den Turmbau ist Angst - Angst, nicht gesehen und gehört zu werden, Angst, eben nicht so groß und stark und mächtig zu sein, sondern verstreut und abgesondert zu werden. Es steckt eine große Angst in uns Menschen, keinen Namen zu haben. Wir streben danach, eine großen, einen berühmten Namen zu haben, damit wir von anderen bewundert und geliebt oder sogar gefürchtet werden. Aus der Angst heraus, namenlos, unbedeutend zu sein, tun Menschen vieles und auch viel Schreckliches. Der Turmbau zu Babel ist ja zum Sinnbild für menschliche Überheblichkeit und Scheitern geworden. Denken wir an die vielen Diktatoren, die sich durch große Monumentalbauten unsterblich machen wollten, und doch sind sie gestürzt und gescheitert.  Zwei Sachen sind in der Geschichte vom Turmbau zu Babel auffällig. Erstens: Es wird kein Mensch mit Namen erwähnt. Es gibt hier nur ein „Wir“. Dieses „Wir“ ist wichtiger als das „Ich“ und das „Du“. Auch dahinter steckt die Angst, verloren zu gehen, denn wenn nur noch das „Wir“ zählt, geht der einzelne Mensch unter. Du bist nicht mehr wichtig, nur noch wir. Zweitens: Zunächst wird mit keinem Wort Gott erwähnt. Ja, die Menschen wollen bis in den Himmel bauen. Aber dieser ist ein selbstgemachter Himmel, ein Himmel, der keinen Raum mehr hat für den lebendigen Gott, sondern nur noch für das große „Wir“.  Aber dieses „Wir“ droht den Einzelnen zu erdrücken. Auch das ist ein Kennzeichen von Diktaturen, dass alles der “großen Idee“ untergeordnet wird, auch jede Kritik und jedes Nachfragen, jede Individualität. Denken wir an die Diktaturen in Nordkorea oder in Belarus. Doch nun kommt Gott vom Himmel herab und schaut sich dieses Menschenwerk an. So groß ist es gar nicht, denn sonst hätte Gott es sich ja von seinem himmlischen Thron aus ansehen können. Aber Gott erkennt, dass seine Menschen auf einem verkehrten Weg sind – wie so oft! Sie haben zwar eine einheitliche Sprache und können sich verstehen, aber sie nutzen diese große Gabe völlig falsch. Gott hat die Sorge, dass die Menschen immer mehr Großprojekte starten und sich dabei immer mehr verlieren. Gott hat seinen Menschen die Schöpfung anvertraut, dass sie diese bebauen und bewahren. Doch die Schöpfung wird ausgebeutet, um menschliche Denkmäler zu bauen. Das ist ja etwas, was sich bis heute durch die ganze Geschichte der Menschheit zieht, das alles nur, um sich einen großen Namen zu machen und aus Angst, nicht gehört oder gesehen zu werden. Angst aber ist ein schlechter Berater. So verwirrt Gott in der Geschichte die eine Sprache. So kommt es, dass wir nun so viele verschiedene Sprachen sprechen. So sehr wir das eventuell bedauern mögen, die Bibel sagt uns aber: Gott tut das, um die Menschen vor sich selbst zu schützen. Damit wir nicht an unserem Machbarkeitswahn zugrunde gehen, alles das zu tun, was möglich ist, aber ohne zu fragen, ob das auch gut ist. So endet die Geschichte: Turm und Stadt werden nicht weiter gebaut. Die Menschen haben sich keinen Namen gemacht. Es tritt das ein, was sie am meisten befürchtet hatten: Nun werden sie über die ganze Erde zerstreut. Was bleibt, ist der Name der Stadt: Babel. Babel heißt übersetzt „Durcheinander“. So begleitet uns Menschen dieses Durcheinander bis heute. Gott setzt uns durch diese Sprachenverwirrung eine Grenze, um uns vor uns selbst zu schützen. Die Sehnsucht danach, einander zu verstehen, die bleibt. Gott schenkt uns etwas, das unsere menschliche Begrenztheit übersteigt: Seinen Heiligen Geist! Gottes Geist ist zuallererst ein Geist der Liebe. Die Liebe achtet den anderen. Furcht und Angst sind nicht in der Liebe. Mit diesem Geist der Liebe baut Gott sein Reich, seine neue Welt unter uns. Nicht die Angst ist der Baumeister, sondern die Liebe. Der göttliche Geist der Liebe verbindet die Menschen über alle Sprachgrenzen hinweg. Die Liebe schenkt das Verstehen. Wir können den göttlichen Geist der Liebe spüren, wenn wir uns mit anderen Menschen wieder verstehen, denen wir schon lange aus dem Weg gegangen sind. Paare, die zerstritten waren, finden wieder zueinander. Eltern und Kindern gelingt es, aufeinander zu hören. Arbeitskollegen können wieder gut miteinander arbeiten. Sogar Frieden und Versöhnung zwischen Nationen und Kulturen werden möglich. Im Sommer 2019 war ich in Waiern auf einem Fest, dass von Flüchtlingen gestaltet wurde. Dieses Fest ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Gottes Geist wirkt, weil Männer und Frauen, die aus anderen Ländern zu uns geflüchtet sind, miteinander reden und zusammen essen. Trotz aller Sprachbarrieren, die auf diesem Fest waren, war doch ein Grundverständnis da, dass nämlich Frieden und Liebe die Pfeiler eines guten Miteinanders sind und nicht Ausgrenzung und Gewalt. Gottes Heiliger Geist ist liebevoll, er tröstet, er ermahnt uns, und er baut auf. Gottes Geist baut keine sinnlosen Türme, die in den Himmel ragen. Er baut Gemeinschaft und Miteinander zwischen uns. Er schenkt Versöhnung. Er schenkt Frieden. Er schenkt Leben. Amen.

Lied: „Gott gab uns Atem, damit wir leben, Evangelisches Gesangbuch 432, Strophen 1 – 3:

Strophe 1: „Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.“

Strophe 2: „Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.“

Strophe 3: „Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Gebet: Guter Gott! Erfülle uns mit Deinem Heiligen Geist, damit wir uns versöhnen und verstehen! Gib uns Mut, aufeinander zuzugehen und in dem anderen unseren Bruder und unsere Schwester zu sehen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir für alle, die an ihrem Leben verzweifeln, deren Herz bitter geworden ist, die nicht mehr glauben können, die keine Freude mehr spüren und in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen, die Angst vor der Zukunft und um ihre Existenz haben, die unter Krieg und Verfolgung leiden, die krank sind und um einen lieben Menschen trauern! Tröste diese Menschen, schenke ihnen Kraft und Hoffnung durch den Glauben und die Fürbitte von anderen Menschen! Im Vertrauen auf Dich bitten wir um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt und für die, die in Kirche und Politik, in der Wirtschaft und in den Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen, Tourismusverbänden und woanders Verantwortung haben! Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag an der Hand dessen, der Versöhnung und Miteinander unter den Menschen bewirkt! Es segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Bleibt von Gott behütet!
Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe