Andacht 2020-02-28 Gottes Liebe im Zorn

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Obmann Uwe Träger

Begrüßung: Ich grüße euch sehr herzlich zu dieser Hausandacht für Sonntag, den 28. Feber 2021. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gott das Leben und die Liebe ist und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied „Gott liebt diese Welt“, Evangelisches Gesangbuch 409, 1+2:
1. Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen. Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!
2. Gott liebt diese Welt. Er rief sie ins Leben. Gott ist's, der erhält, was er selbst gegeben. Gott gehört die Welt!

Worte aus Psalm 25: Nach dir, Herr, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich. Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deiner Güte willen! Der Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten.

Lesung aus Jesaja 5, 1-7: Hört! Ich will ein Lied singen, ein Lied von meinem besten Freund und seinem Weinberg: »Auf einem Hügel, sonnig und fruchtbar, lag das Grundstück meines Freundes. Dort wollte er einen Weinberg anlegen. Er grub den Boden um und räumte alle großen Steine fort. Die beste Rebensorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm mittendrin und meißelte einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süße Trauben! Doch die Trauben waren klein und sauer! Urteilt selbst, ihr Leute von Jerusalem und Juda: Habe ich für meinen Weinberg nicht alles getan? Konnte ich nicht mit Recht eine reiche Ernte erwarten? Warum brachte er nur kleine, saure Trauben? Wisst ihr, was ich jetzt mit meinem Weinberg mache? Zaun und Schutzmauer reiße ich weg! Tiere sollen kommen und ihn kahl fressen, Ziegen und Schafe, sie sollen ihn zertrampeln!  Nie mehr werde ich die Reben beschneiden, nie mehr den harten Boden mit der Hacke lockern; Dornen und Disteln sollen ungehindert wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu bringen. Soll der Weinberg doch vertrocknen!« Dies ist eure Geschichte, ihr Israeliten. Ihr seid der Weinberg, und euer Besitzer ist der Herr, der allmächtige Gott.

Ihr aus Israel und Juda, ihr seid die Pflanzung, auf deren Erträge er sich freute. Er wollte von euch gute Taten sehen, doch er sah nur Bluttaten; ihr habt nicht Recht gesprochen, sondern es gebrochen!“ Amen.

Gedanken zur Lesung: Der König David hat ca. 1000 vor Christus Jerusalem zur Hauptstadt von Israel erklärt. Das ist sie bis heute. Der Prophet Jesaja verkündet seit 740 vor Christus in Jerusalem Gottes Wort und Wille. Als Sänger tritt er auf dem Marktplatz auf. Er singt ein Lied von seinem Freund und seinem Weinberg. Mit viel Liebe sorgt sich der Freund Jesajas um seinen Weinberg. Jeder, der einen Garten hat, weiß, wie viel Arbeit und Mühe Gartenarbeit macht, aber auch Freude, wenn man nach getaner Arbeit einen schönen Garten zum Ausrasten hat. Nach allen Regeln der Kunst kümmert sich der Freund um die Weinstöcke mit ihren Reben, erntet aber schlechte Trauben. Jesajas Freund ist frustriert und enttäuscht. Der Prophet Jesaja wechselt auf einmal die Rollen. Zuerst ist er Sänger, dann Ankläger und dann Richter. Der Weinberg soll radikal verwüstet werden. Hätte es nicht genügt, den Weinberg einfach brach liegen zu lassen und ihn der Natur zu überlassen? Man muss doch nicht gleich alles aus Wut zerstören, was man vorher mühsam bestellt hat. Der Weinberg ist das Land Israel und die Menschen seine Pflanzung, die das Recht brechen, ungerecht und schlecht sind. Gott ist zornig, und der Prophet Jesaja macht dies sehr deutlich. Jesaja wäscht den Menschen von Jerusalem im Auftrag Gottes so richtig den Kopf. Er spart nicht damit, im Namen Gottes Angst und Schrecken zu verbreiten. Das sind wir nicht gewohnt, wenn uns ein so zorniger Gott vor Augen geführt wird. Ein solch unfreundlicher und zorniger Gott ist uns unsympathisch. Wir sprechen in der Kirche eher vom lieben Gott, der verzeiht und hilft und aufbaut. Eine gewisse Weichheit hat aber unser christliches Gottesbild überlagert. Gott ist auch Richter, vor dem wir uns einmal zu verantworten haben für unsere Worte und Taten. Wir müssen jetzt klären, worüber der Prophet Jesaja im Namen Gottes so zornig war. Dann könnten wir eventuell verständnisvoller gegenüber Gottes Zorn werden. Jesaja ärgert sich darüber, dass in Jerusalem das Recht massiv gebrochen wird. Die Richter lassen sich kaufen. Nicht wer Recht hat, bekommt tatsächlich Recht, sondern wer am meisten zahlt oder die besseren Beziehungen hat. Jesaja ärgert sich auch darüber, dass in der Stadt erhebliche soziale Ungerechtigkeiten herrschen. Die einen können sich alles kaufen und leben in Saus und Braus, während andere nicht wissen, wie sie ihre Familien durchbringen sollen. Besonders den Witwen und Waisenkindern geht es katastrophal. Der Sprung in unsere Zeit ist gar nicht so weit. Bestechlichkeit und Korruption unter Politikern und Richtern ist auch heute noch in vielen Ländern weit verbreitet. Denken wir an die jüngsten Vorwürfe an den österreichischen Finanzminister. Auch die Frage der sozialen Gerechtigkeit, die Frage nach der Verteilung des Wohlstands in einer Gesellschaft ist immer wieder eine wichtige und aktuelle Frage. Auch in unserer Gesellschaft gibt es nach wie vor eine ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit. Auch zwischen den verschiedenen Nationen ist der Wohlstand sehr ungleich verteilt. Die Folge sind Hunger und Not in den armen Ländern. Dadurch wollen immer mehr Flüchtlinge in reiche Länder Europas übersiedeln, erreichen aber ihr Ziel nicht, weil sie im Mittelmeer ertrinken. Auch der meiste Impfstoff gegen das Coronavirus wird zuerst in den reichen Industrieländern verimpft. Die armen Länder kommen dann irgendwann dran. Durch diese Beispiele versteht man den Zorn Gottes wohl besser. Gottes Zorn ist die Kehrseite seiner Liebe für jene, die sich nicht selbst aus Not, Gewalt und ungerechten Strukturen helfen können. Nichts wäre für diese Menschen schlimmer als göttliche Gleichgültigkeit, gerade die Ärmsten der Armen würden dadurch bestraft. Der zornige Gott ist auch der gerechte Gott, der mit brennender Liebe für die Armen kämpft. Zwischen den Zeilen der harten Worte des Propheten Jesaja steckt das Evangelium von der Liebe Gottes. Dem göttlichen Zorn voraus geht nämlich die Geduld Gottes und seine große Liebe für ein gutes Gedeihen des Weinberges. Gott will nämlich, dass es in seiner Welt gerecht zugeht und die Menschen gut und solidarisch miteinander umgehen, denn Gott will das Leben, weil er die Liebe ist. Amen.

Lied „Gott liebt diese Welt“, Evangelisches Gesangbuch 409, 4 - 6:
4. Gott liebt diese Welt. Ihre Dunkelheiten hat er selbst erhellt: im Zenit der Zeiten kam sein Sohn zur Welt!
5. Gott liebt diese Welt. Durch des Sohnes Sterben hat er uns bestellt zu des Reiches Erben. Gott erneut die Welt!
6. Gott liebt diese Welt. In den Todesbanden keine Macht ihn hält, Christus ist erstanden: Leben für die Welt!

Gebet: Guter Gott! Im Vertrauen auf dich bitten wir: Lass uns wachsam sein für dein Gebot! Hilf uns, deinen Willen zu erkennen und zu tun! Gib uns Kraft für die Aufgaben, die uns gestellt sind! Gib uns Mut für die Schritte, die wir gehen müssen! Gib uns Wertschätzung für die Menschen, die uns begegnen! Wecke unsere Herzen, Sinne und Gedanken! Gib uns Phantasie und Klarheit, ein waches Gewissen, rechte helfende Worte und das sorgsame Tun! Was du uns schickst, wollen wir annehmen - Arbeit und Ruhe, Erfolg und Misserfolg, Friede und Unruhe, Glück und Unzufriedenheit. Amen. 

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen: Ich wünsche euch und Ihnen einen wundervollen und gesegneten Sonntag an der Hand dessen, der das Leben und die Liebe ist! Es segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Bleibt von Gott behütet!

Herzliche Grüße, Euer Obmann Uwe