Offener Brief zur Beantwortung der Fragen aus dem Rundbrief August 2019

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Von Vereinsmitglied G. John, August 2019

 

Lieber Uwe!

Die ausführliche Beantwortung Deiner Fragen vom Rundbrief August 2019 wäre leider so unglaublich umfangreich, dass sie Bücher enzyklopädischen Ausmaßes füllen und den Rahmen unserer monatlichen Treffen sprengen würde. Doch will ich versuchen, eine Antwort zu geben. – Auch für die Gelegenheit eines solchen Austausches haben wir schließlich unsere neue Homepage. :-)
 

Wo geschieht für Dich in der Welt und in Deinem persönlichen Umfeld Recht und Unrecht?

Was mich an Unrecht in der Welt aktuell bewegt, ist hier sogar Unrecht wider der Menschlichkeit und findet gerade in Italien statt. Menschen, die sich für Menschlichkeit einsetzen, wie Kapitänin Carola Rackete, werden eingesperrt und von der Justiz verfolgt. Sogar der eigenen (italienischen) Küstenwache wird die Anlandung verweigert, da diese Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet und an Bord genommen haben. Das passiert nicht irgendwo, sondern sozusagen vor unserer Haustür.

Ich bin als gebürtiger Norddeutscher mit den auffälligen Spendenboxen der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) aufgewachsen. Stolz berichteten sie Ende Juli diesen Jahres über die Rettung der Segeljolle des deutschen Altbundespräsidenten Joachim Gauck. Doch wo sind sie, wenn hunderte Menschen elendig ertrinken? Der Name nichts als ein Lippenbekenntnis? Nun ja, das ist ein anderes Thema – oder gehört es doch zu Ungerechtigkeit?

Beim Recht ist es schon schwieriger.

Recht passiert jeden Tag zigtausendfach, doch bemerkt man es kaum. Nur wenn etwas besonders Rechtes (von Recht und nicht von rechts, ebenso wie unser Rechtsstaat) geschieht oder beschlossen wird, wird darüber in den Medien berichtet und so publik (res publica = öffentliche Angelegenheit) gemacht.
Etwas Rechtes passiert sicherlich durch die Jugendbewegung „Fridays for future“. Es geht hier nicht nur um Schulschwänzen. Die jungen Leute demonstrieren auch in den Sommerferien, um auf den Klimanotstand aufmerksam zu machen.

Recht haben – Recht bekommen - Gerechtigkeit
Heinrich von Kleist, der seine vielfachen Dispute mit den damaligen Gerichten unter anderem in seinen Werken „Der zerbrochene Krug“ und „Michael Kohlhaas“ verarbeitete, sagte: „Im Recht zu sein, kann vor Gericht zum entscheidenden Nachteil werden.“ 
Gerechtigkeit hat nichts mit Recht und schon gar nicht mit Gericht zu tun. Ich erfahre es gerade selbst.
Nicht umsonst heißt es „Vor Gericht und auf hoher See ist man allein in Gottes Hand!“

Wann, wo und wie hast Du das Rechte getan und gewagt?

Wann habe ich zuletzt Rechtes getan? Wohl bin ich schon täglich in meiner Lebensart bemüht, zu helfen, wenn meine Mitmenschen Hilfe brauchen, Trost und Rat zu geben oder moderat und achtsam gegenüber meinen Mitmenschen zu sein. Kurz gesagt: Einfach christlich zu handeln. Ich selbst habe Hilfe in Zeiten meiner Not erhalten und kann sie so weitergeben. Ich denke, das ist schon etwas Rechtes.

Glücklicherweise bin ich in einer guten Demokratie und in Friedenszeiten aufgewachsen, auch wenn es viele Gefahren und Dinge, die es zu verändern und für die es sich zu kämpfen lohnt, gab und gibt. Doch wirklich etwas wagen musste ich ehrlich gesagt nie. Vielleicht war es der Einsatz für eine faire Behandlung meiner Mitarbeiter, der mich als Vorgesetzten auch schon mal meinen Job gekostet hat. Mein Credo ist nun Mal: „Verheizte Mitarbeiter bringen keine Wärme in einen Betrieb“. Doch das ist eher ein Problem der Arbeitsphilosophie. ;-)

Ansonsten fällt mir dazu ein: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

Lieber Uwe,

herzlichen Dank für wieder einmal eine Anregung zum Mit-, Vor-, und Nachdenken!

John

 

 

 

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