Rundbrief 2019-10 Marko Feingold

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Oktober 2019!

Marko Feingold, Österreichs ältester Holocaust-Überlebender, ist am Donnerstag, dem 19. September, im Alter von 106 Jahren verstorben. Er blieb bis zuletzt geistig und sportlich sehr aktiv. Am 20. Juni 2019 hat er noch die Integrationsfußball-WM in Salzburg mit Red-Bull-U12-Coach Dusan Svento angekickt.

Marko Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl in der heutigen Slowakei geboren. Er besuchte in Wien die Volks-, Bürger- und Handelsschule und war dort anschließend als Handelsangestellter tätig. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich flüchtete er 1938 in die Tschechoslowakei. Am 6. Mai 1939 wurde er von der Gestapo in Prag verhaftet und in den Konzentrationslagern Auschwitz, Neuengamme bei Hamburg, Dachau und Buchenwald inhaftiert, aus dem er im April 1945 durch die US-Armee befreit wurde.

Seit Mai 1945 lebte er in der Stadt Salzburg. 1948 gründete er dort ein Modengeschäft, das er bis 1977 führte. Er half aus den Konzentrationslagern befreiten Menschen und unterstützte jüdische Mitbürger zur Auswanderung nach Israel. Seit 1978 war er Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg und setzte sich dort für die christlich-jüdische Verständigung ein. Er war auch Ehrenpräsident aller Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs.

Er war ein wacher und unermüdlicher Kämpfer und Mahner gegen das Vergessen der NS-Gräueltaten. Für ihn waren die Nationalsozialisten verirrte Menschen. Hass und Verbitterung waren ihm trotz der schlimmen Erfahrungen in den Konzentrationslagern fremd.

Für sein engagiertes Handeln wurde er mit zahlreichen öffentlichen Auszeichnungen geehrt. Unter anderem erhielt er 1985 das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1998 bekam er das Goldene Ehrenzeichen des Landes Salzburg, und seit 2008 ist er Ehrenbürger der Stadt Salzburg. 2013 wurde Feingold zum Protagonisten des mehrfach aufgeführten Zeitzeugenprojekts "Die letzten Zeugen" des Wiener Burgtheaters. Im Feber 2019 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Olivier Dantine, Superintendent der evangelischen Diözese A.B. Salzburg-Tirol würdigt Marko Feingold in seinem Kondolenzschreiben an seine Witwe als Mahner für Menschlichkeit und Vermittler zwischen den Religionen. Sein Schreiben erhielt ich von ihm per Mail am 23. September 2019 zur Verwendung für diesen Rundbrief.

„Innsbruck, am 20. September 2019

Sehr geehrte Frau Feingold!

Die Nachricht vom Tod Ihres Mannes, Hofrat Marko Feingold erfüllt mich mit Trauer und ich möchte Ihnen meine herzliche Anteilnahme für den schweren Verlust auf diesem Weg übermitteln! Gleichzeitig bin ich erfüllt von Dankbarkeit für ein langes und erfülltes Leben Ihres Mannes. Seine Verdienste um das Wachhalten der Erinnerung an die Verbrechen der Shoah sind unermesslich groß.

Ich war immer davon beeindruckt, wie er seine Erinnerungen zwar eindringlich und deutlich, aber immer ohne Verbitterung und sogar mit einer Prise Humor vermittelt hat. Auf diese Weise hat er immer die Tür zur Versöhnung offengehalten.

Gleichzeitig war ihm auch die Begegnung zwischen den Religionen ein großes Anliegen. Mit Marko Feingold verlieren wir alle einen Mahner für die Menschlichkeit und einen Vermittler zwischen den Religionen.

Mit herzlichem Gruß, Superintendent Mag. Olivier Dantine.“

Marko Feingold beschreibt seine Werte und sein Leben in seiner 2000 erschienen Autobiographie „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh: Eine Überlebensgeschichte“. Diese steht in unserer Bonhoeffer-Bibliothek.

Zwei Fragen zum Nachdenken und Diskutieren:

  1. Welche Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart bezeichnest Du als verirrt?
  2. Wie würdest Du Bonhoeffer in Deinem Nachruf würdigen?

Lesen wir bis zum Rundbrief November 2019:
Psalmen 146 - 148;  Matthäus-Evangelium Kapitel 16, die Verse 1 - 4        

Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe